Gift im Fleisch Auch NRW jetzt vom Ökolebensmittel-Skandal erreicht

Auch in Nordrhein-Westfalen sind jetzt Spuren des verbotenen Pflanzenschutzmittels Nitrofen in Fleisch- und Futtermittelproben aus vorsorglich gesperrten Öko-Betrieben nachgewiesen worden.


Was alles steckt im Futtermittel für die Kuh?
DPA

Was alles steckt im Futtermittel für die Kuh?

Das teilte das Landwirtschaftsministerium am Freitagabend in Düsseldorf mit. Inzwischen trifft der Ökolebensmittel-Skandal darüber hinaus Niedersachsen, Mecklenburg- Vorpommern und Sachsen-Anhalt. Alle betroffenen Höfe hatten Futter vom niedersächsischen Unternehmen GS agri (Cloppenburg) bezogen.

Die Staatsanwaltschaft Oldenburg ermittelt gegen den Betrieb, hat allerdings bislang keine konkreten Beweise für die Vorwürfe. Eine neue Arbeitsgruppe von Bund und Ländern versucht seit Freitag aufzuklären, wohin mit dem verbotenen Pflanzenschutzmittel belastete Lebens- oder Futtermittel geliefert wurden.

Die in dem Skandal verdächtigte Firma GS agri bestritt unterdessen ein behördliches Auslieferungsverbot für Öko-Futter. "Bis jetzt ist weder eine schriftliche Verfügung zugestellt worden noch sind entsprechende Anhörungen bei dem Unternehmen erfolgt", sagte der Anwalt des Unternehmens, Carsten Bittner, am Freitagabend der Deutschen Presse-Agentur. Das niedersächsische Landwirtschaftsministerium hatte erklärt, das Landesamt für Verbraucherschutz habe bei GS agri Mischung und Auslieferung von Öko-Futter per Sofort-Verfügung gestoppt.

Eine "Delle", kein Zusammenbruch

Eine generelle Abkehr vom Ökolandbau durch den Futtermittel- Skandal erwartet NRW-Verbraucherschutzministerin Bärbel Höhn (Grüne) nicht. "Ein Vertrauensverlust ist zweifellos da und sorgt möglicherweise für eine Delle, aber den Trend zu mehr Bio- Landwirtschaft wird das nicht brechen", sagte sie der dpa. Nach Angaben des Ministeriums in Düsseldorf wurden bei Proben aus einem Hähnchenmastbetrieb Konzentrationen zwischen 1,0 und 1,5 Milligramm des verbotenen Pflanzenschutzmittels pro Kilogramm Fettgewebe gemessen. Der erlaubte Grenzwert liege bei 0,01 Milligramm Nitrofen pro Kilo in Lebensmitteln.

Scharfe Kritik an Bundesverbraucherschutzministerin Renate Künast (Grüne) übte Niedersachsens Landvolk-Präsident Wilhelm Niemeyer. Der Skandal zeige, dass die Ministerin mit ihrer als Agrarwende bezeichneten Politik schief liege. "Ihre Differenzierung in Gut und Böse ist falsch", sagte er. Künasts einseitige Förderung der Öko-Landwirtschaft und der so erzeugte Boom habe auch Geschäftemachern die Türen geöffnet.

Keine Rücktrittsforderung vom Bauernverband

Bauernverbands-Präsident Gerd Sonnleitner schloss in einem Gespräch mit dem in Bremen erscheinenden "Kurier am Sonntag" nicht aus, dass sich der Skandal auch auf die konventionelle Landwirtschaft ausweitet. "Diese Gefahr besteht natürlich. Niemand ist gegen kriminelle Machenschaften gefeit." Forderungen nach einem Rücktritt Künasts wollte er nicht unterstützen: "Ich habe die Ministerin nicht zum Rücktritt aufgefordert und will dies auch jetzt nicht." Er erwarte aber, dass Künast "endlich ihr Haus und die nachgeordneten Behörden so anweisen muss, dass es nicht mehr zu Informationspannen kommt."



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