"Global Hawk" Nato-Drohnen dürfen nicht starten

Mit fünf US-Überwachungsdrohnen will die Nato von Italien aus die Luftaufklärung aufrüsten. Nun aber steht das Bündnis vor einem Problem: Die nötige Zulassung für den Luftraum fehlt.
Drohne "Global Hawk": Noch fehlt die Zulassung

Drohne "Global Hawk": Noch fehlt die Zulassung

Foto: HANDOUT/ Reuters

Der Start der jahrelang geplanten Verbesserung der Nato-Luftaufklärung verzögert sich. Das Bundesverteidigungsministerium räumte aktuell ein, das Programm "Alliance Ground Surveillance" (AGS) verzeichne derzeit einen "Verzug von mehreren Monaten", da die Drohnen vom Typ "Global Hawk" bisher keine Zulassung für den Luftraum hätten.

Der Jungfernflug der ersten ausgelieferten US-Drohne, die in Italien stationiert ist, sei "nach derzeitigem Sachstand" erst im Frühjahr 2016 und damit wesentlich später als geplant möglich. Über eine entsprechende Antwort der Bundesregierung an die Linksfraktion berichtete "Zeit Online" .

Mit insgesamt fünf "Global Hawk"-Drohnen will die Nato die Überwachungsfähigkeiten der Allianz massiv ausweiten, Deutschland beteiligt sich mit rund 450 Millionen Euro an dem Projekt, das insgesamt rund 1,4 Milliarden kosten soll.

Die Probleme der Nato mit der nötigen Zulassung erinnern an den Beginn des Debakels mit der deutschen Überwachungsdrohne "Euro Hawk", die Verteidigungsminister Thomas de Maizière 2013 fast das Amt kostete: Wie beim "Global Hawk" gab es damals Probleme bei der Zulassung des Fluggeräts für den Luftraum. Am Ende stoppte de Maizière das Projekt, weil der US-Hersteller nicht die nötigen Unterlagen für die Fluggenehmigung lieferte und die Kosten aus dem Ruder liefen.

Die Nato hat nun die gleichen Probleme. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE ist der US-Hersteller Northrop Grumman auch für den "Global Hawk" bisher die nötigen Konstruktionsunterlagen und Zertifikate schuldig geblieben, die für eine Zulassung in Italien nötig sind.

Unter den Nato-Militärs wächst deswegen der Frust über die US-Seite, auf einem Treffen hochrangiger Offiziere stand das Thema kürzlich weit oben auf der Tagesordnung. Die italienische Regierung werde Washington demnächst mit Nachdruck auffordern, die nötigen Unterlagen zu liefern, hieß es in Nato-Kreisen.

Für die Nato wäre eine fehlende Zulassung peinlich. Seit Jahren präsentiert sie das AGS-Programm als Paradebeispiel für eine gemeinsame Rüstungskooperation der Allianz, immer wieder wirbt sie mit den riesigen "Global Hawks" als Beweis der Schlagkräftigkeit des Bündnisses.

Auf Bildern sieht die Drohne mit einer Spannweite von fast 40 Metern recht eindrucksvoll aus. Als Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen kürzlich Sizilien besuchte, konnte sie den auf dem italienischen Militärstützpunkt Sigonella stationierten Riesenflieger aus dem Flugzeugfenster bewundern. Abheben darf die Drohne trotzdem nicht.

Auch für Deutschland bergen die Probleme des AGS-Programms ein politisches Risiko. Nach dem Scheitern des "Euro Hawk" gab es aus dem Parlament immer wieder kritische Nachfragen, ob denn der fast baugleiche "Global Hawk" der Nato die nötigen Zulassungen bekommen würde. Stets wurde dies vom Verteidigungsministerium bestätigt. Erst kürzlich berichtete das Haus von Ursula von der Leyen dem Bundestag, mit der geplanten italienischen Zulassung seien sogar Flüge "auch über Deutschland" möglich.

mgb
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