Glücksspieltagung Spitzenpolitiker ließen sich in Luxushotel einladen

Diese Einladung ist pikant: Wenige Tage vor dem Treffen der Ministerpräsidenten zum Glücksspielstaatsvertrag haben vier schwarz-gelbe Spitzenpolitiker an einer Fachkonferenz teilgenommen - und sich nach SPIEGEL-Informationen ihre Übernachtungen in einem Luxushotel auf Sylt bezahlen lassen.
Politiker Boetticher (links) und Kubicki: Kostenlose Übernachtungen auf Sylt

Politiker Boetticher (links) und Kubicki: Kostenlose Übernachtungen auf Sylt

Foto: Carsten Rehder/ picture alliance / dpa

Hamburg - Die zweitägige Fachkonferenz auf Sylt zum Thema Glücksspiel war von der Sport-Wirtschaftszeitschrift "Sponsor's" organisiert worden. Die Veranstaltung stand unter der Schirmherrschaft der Chefs der schleswig-holsteinischen Regierungsfraktionen, Christian von Boetticher (CDU) und Wolfgang Kubicki (FDP), die auch selbst an der Konferenz teilnahmen. Ebenfalls anwesend waren der Kieler CDU-Fraktionsvize und Glücksspielexperte Hans-Jörn Arp sowie Niedersachsens Wirtschaftsminister Jörg Bode (FDP).

Wie die Fraktionen und das hannoversche Wirtschaftsministerium dem SPIEGEL auf Anfrage bestätigten, wurden die Übernachtungskosten der Politiker von "Sponsor's" übernommen.

Laut Teilnehmerliste hatten sich hochrangige Vertreter privater Glücksspielfirmen, von Medienkonzernen, Wirtschafts- und Sportverbänden sowie der ehemalige Tennisprofi Boris Becker zu der Tagung angemeldet. "Gemeinsam mit Ihnen", so stand in der Einladung, "wollen wir in einem sehr exklusiven Kreis die Weichen für die Zeit eines politisch liberalisierten Marktes für Sportwetten und Online-Poker stellen." Bestimmten Branchen biete sich "jetzt die einmalige Möglichkeit, von diesem neuen Milliardenmarkt zu profitieren - und dessen Ausrichtung mitzugestalten".

Die Öffnung des Glücksspielmarktes für private Wettanbieter ist politisch umstritten. Am kommenden Mittwoch wollen die Ministerpräsidenten der Länder darüber beraten. Zeitgleich zur Konferenz in dem Sylter Luxushotel tagten am Donnerstag bereits die Chefs der Staatskanzleien in Berlin zum selben Thema.

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