Streit um Glyphosat Schmidt will auf Umweltministerin Hendricks zugehen

Nach der Kritik an seinem Alleingang bemüht sich Agrarminister Schmidt offenbar um Schadensbegrenzung: Er wolle sich nun mit der Umweltministerin abstimmen. Rückendeckung bekommt er von CSU-Chef Seehofer.
Christian Schmidt

Christian Schmidt

Foto: Martin Schutt/ dpa

Nach seiner umstrittenen Entscheidung zur Zulassung des Unkrautvernichters Glyphosat will Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) nun offenbar die Wogen glätten: Er werde den Kontakt mit Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) suchen und Schritte zur Reduzierung des Einsatzes von Glyphosat abstimmen. Das sagte Schmidt der "Bild"-Zeitung. "Ich werde bei den Fragen der nationalen Umsetzung auf meine Kollegin Hendricks zugehen, und wir werden gemeinsam an einer Lösung arbeiten, um den Einsatz von Glyphosat künftig restriktiver zu gestalten."

Auf Veranlassung von Schmidt hatte Deutschland in Brüssel einer Verlängerung der Zulassung des Unkrautvernichters zugestimmt - obwohl Umweltministerin Hendricks das ausdrücklich abgelehnt hatte. Die SPD reagierte äußerst verärgert über Schmidts Vorgehen und sprach von verloren gegangenem Vertrauen - keine idealen Voraussetzungen für Gespräche über eine mögliche Neuauflage der Großen Koalition.

Video: Merkel rügt Alleingang von Minister Schmidt

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Merkel hatte Schmidts Vorgehen am Dienstag öffentlich gerügt und ihm einen Verstoß gegen die Geschäftsordnung der Bundesregierung vorgeworfen. Schmidt hatte selbst gesagt, sein Vorgehen nicht mit Merkel abgesprochen zu haben.

Negative Auswirkungen auf die mögliche Bildung einer erneuten Großen Koalition sieht der Agrarminister nach eigenen Worten nicht: "Ich gehe davon aus, dass eine mögliche künftige Regierung der Bundesrepublik Deutschland nicht an der Frage Zustimmung oder Enthaltung zu Glyphosat scheitert", sagte er, "zumal wir durch die Zustimmung in der Sache mehr erreicht haben als mit einer Enthaltung". Einen Rücktritt lehnt Schmidt laut "Bild" ab.

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Der CSU-Politiker wird nicht nur kritisiert - von prominenter Stelle wird er auch in Schutz genommen. Parteichef Horst Seehofer sagte der "Süddeutschen Zeitung": "Die CSU spricht Christian Schmidt ihre Rückendeckung aus." Er könne nicht verstehen, dass Schmidt so abgekanzelt werde.

Wie die Nachrichtenagentur dpa unter Berufung auf bayerische Regierungskreise berichtet, war Seehofer wohl vorab über das geplante Ja zur Glyphosat-Zulassung informiert. Er habe in einer Sitzung des bayerischen Kabinetts am Dienstag deutlich gemacht, dass er schon vorab von Schmidts geplanter Zustimmung wusste, erfuhr die dpa in München eigenen Angaben zufolge übereinstimmend von mehreren Teilnehmern der Sitzung.

aar/AFP/Reuters/dpa