"Gorch Fock"-Debakel Neue Werftspitze prüft Regressansprüche gegenüber abgesetzten Vorständen

Die neue Führung der Elsflether Werft AG klärt weiter auf, wie es zu den explodierenden Sanierungskosten der "Gorch Fock" kommen konnte. Die entlassenen Vorstände könnten zur Rechenschaft gezogen werden.

«Gorch Fock» (Archivbild)
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«Gorch Fock» (Archivbild)


Nach ihr angemeldeten Zahlungsunfähigkeit prüft die neue Führung der Elsflether Werft AG in Niedersachsen weitere Schritte - etwa gegen die beiden Ende Januar abgesetzten Vorstände. Dies berichtet die "Welt".

So werde derzeit geprüft, ob womöglich Regressansprüche gegen die Ex-Vorstände möglich seien. Gegen den früheren Vorstand laufen Ermittlungen wegen des Verdachts auf Untreue. Wie der zuständige Hamburger Insolvenz-Sachwalter Per Hendrik Heerma gegenüber "Welt" sagt, handle es ich bei der Prüfung nicht um eine Vorverurteilung, sondern sei Teil der gemeinsamen Arbeit von neuer Werftleitung und Gläubigerausschuss.

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Segelschulschiff: Was wird aus der "Gorch Fock"?

Gravierendes Missmanagement

Ein vertraulicher Prüfbericht über die seit mittlerweile drei Jahren andauernde Reparatur des Segelschulschiffs " Gorch Fock" hatte chaotische Zustände bei der Werft aber auch im Verteidigungsministerium enthüllt. Die Kostensteigerung für die Reparatur der "Gorch Fock" auf nun rund 135 Millionen Euro sei nur durch gravierendes Missmanagement bei Marine, Beschaffungsamt und auch im Ministerium möglich geworden, hieß es in dem Bericht. Von Beginn an habe "die Basis für die Planung" gefehlt - Schäden am Schiff seien nicht korrekt untersucht und bewertet worden. Andere Informationen wurden nicht genutzt, "um die Instandsetzung des Schiffs angemessen vorzubereiten", hieß es in dem 39-seitigen Prüfbericht. Die zuständigen Stellen hätten "aus den vorliegenden Informationen nicht die notwendigen Konsequenzen gezogen".

Bei der Elsflether Werft hatte es bereits im Dezember wegen des Verdachts der Korruption Durchsuchungen gegeben. Dabei war nach Angaben der Fahnder umfangreiches Beweismaterial sichergestellt worden.

Auch Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) war wegen der massiven Kostensteigerung bei der Reparatur unter Druck geraten:

tin



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