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13. Mai 2016, 17:09 Uhr

"Gorch Fock"

Prozess um tote Kadettin wird neu aufgerollt

Der Tod der "Gorch Fock"-Kadettin Jenny Böken ist immer noch ungeklärt. Nun sollen der damalige Kapitän und der Arzt des Segelschulschiffs erstmals öffentlich vor Gericht aussagen.

Neue Hoffnung für die Eltern von Jenny Böken: Die Todesumstände der Anfang September 2008 auf der "Gorch Fock" über Bord gegangenen Kadettin werden erneut gerichtlich untersucht. Das Oberverwaltungsgericht in Münster will den mysteriösen Fall ab Mitte September neu verhandeln. Das bestätigte ein Sprecher des Gerichts am Freitag.

Marlis und Uwe Böken waren im Oktober 2014 mit einer Entschädigungsklage gegen die Bundesrepublik Deutschland gescheitert. Sie hoffen jetzt eine Aufklärung, wie ihre damals 18-jährige Tochter ums Leben kam.

Erstmals sollen unter anderem der damalige Kapitän sowie der Schiffsarzt öffentlich aussagen. Der Anwalt der Eltern, Rainer Dietz, bestätigte einen entsprechenden Bericht der "Bild"-Zeitung. Zum ersten Mal in einem öffentlichen Verfahren würden damit zentrale Zeugen zum Geschehen an Bord der "Gorch Fock", den Wetterbedingungen und zum Gesundheitszustand von Jenny Böken aussagen, sagte Dietz.

Jenny Böken aus Geilenkirchen war während ihrer Nachtwache von dem Segelschulschiff über Bord gegangen. Die Kieler Staatsanwaltschaft sprach von einem tragischen Unglück. Zwölf Tage später wurde die Leiche der 18-Jährigen aus der Nordsee geborgen. Die Todesumstände sind aber bisher nicht geklärt.

Die Eltern der jungen Frau sehen Hinweise dafür, dass ihre Tochter ständig schläfrig und gar nicht diensttauglich war. Außerdem hätte sie wegen der Wetterbedingungen mit 15 Grad Wassertemperatur und Windstärke zwischen sechs und sieben nur gesichert ganz vorne an dem Posten "Ausguck" des Segelschulschiffs der Bundeswehr Dienst tun dürfen.

"Es ist uns einfach wichtig, wenn wir die Möglichkeit haben, durch verschiedene Aussagen doch irgendwann einmal herauszubekommen, was in dieser Nacht eigentlich geschehen ist", sagte Mutter Marlis Böken der dpa. Ihnen gehe es um Aufklärung, nicht um Geld.

Das Aachener Verwaltungsgericht hatte die Klage der Eltern auf 40.000 Euro Entschädigung nach dem Soldatenversorgungsgesetz im Oktober 2014 zurückgewiesen. Nach diesem Gesetz steht den Eltern eines Soldaten eine Entschädigung zu, wenn dieser bei der Dienstausübung unter besonderer Lebensgefahr stirbt.

Der nächtliche Wachdienst von Offiziersanwärtern auf der "Gorch Fock" auf dem Posten "Ausguck" ohne Sicherung sei bei entsprechender Wetterlage zwar lebensgefährlich. Er sei aber nicht mit einer besonderen Lebensgefahr verbunden, hatte das Verwaltungsgericht festgestellt. Die Eltern gingen in Berufung.

als/dpa

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