Einigung zwischen Verteidigungsministerium und Werft Last-Minute-Deal für die "Gorch Fock"

Der Streit um die "Gorch Fock" ist beigelegt: Die Bremerhavener Bredo-Werft hat eingewilligt, den Rumpf wie geplant auszudocken. Dennoch wird sich ein Gericht mit dem Segelschulschiff befassen müssen.

"Gorch Fock" in einem Dock der Bredo-Werft: Bald geht es ab ins Wasser
Mohssen Assanimoghaddam/DPA

"Gorch Fock" in einem Dock der Bredo-Werft: Bald geht es ab ins Wasser

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Nach stundenlangen Verhandlungen stimmte die Bredo-Werft, in deren Schwimmdock der Rumpf der "Gorch Fock" saniert wurde, schließlich doch zu: Das berühmte Segelschulschiff der Marine kann wie geplant an diesem Freitag ausdocken. Damit endet eine jahrelange Hängepartie - auch für die Crew. "Wir freuen uns, dass die 'Gorch Fock' nach dreieinhalb Jahren endlich wieder ins Wasser kommt", sagt Kapitän Nils Brandt dem SPIEGEL.

Geld ist nach SPIEGEL-Informationen nicht bei diesem Last-Minute-Deal geflossen. Insgesamt fordert die Bredo-Werft 10,5 Millionen Euro für Leistungen, die sie im Auftrag des Hauptauftragnehmers - der inzwischen insolventen Elsflether Werft - an dem Schiff erbracht haben will.

Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, nahm die Bredo-Werft den komplett erneuerten Rumpf des Schiffes als Pfand. Im Verteidigungsministerium empfand man das als Erpressung, denn durch das Verzögern des Ausdockens wäre der Zeitplan für die weitere Instandsetzung völlig aus dem Ruder gelaufen.

Wer muss 5,5 Millionen Euro bezahlen?

Die Forderungen der Bredo-Werft in Höhe von insgesamt 5,5 Millionen Euro sind inzwischen unstrittig. Die Frage ist: Wer muss sie bezahlen?

Die Beamten von Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) argumentieren, sie seien gar nicht zuständig. Denn der Auftrag läuft über die Elsflether Werft. Diese bekam auch regelmäßig Geld von der Bundeswehr, ging dann aber insolvent und zahlte ihre Subunternehmer wie die Bredo-Werft nicht.

Nun soll ein Gericht über mögliche Ansprüche der Bredo-Werft entscheiden. In der Einigung geht es für die Werft vor allem um die Wahrung der Rechtsansprüche. "Das Ausdocken ist ausdrücklich kein Verzicht auf das Zurückbehaltungsrecht", erklärt Bredo-Chef Thorsten Rönner, "das war uns wichtig."

Das Verteidigungsministerium lobte die erzielte Einigung. "Es ist gut, dass Einsicht eingekehrt ist, die Blockade der Instandsetzung der Gorch Fock schadete letztlich allen Seiten", sagte ein Sprecher der Ministerin. "Jetzt ist wichtig, dass dem Ausdocken der 'Gorch Fock' und damit der weiteren Instandsetzung nichts mehr entgegensteht."

2020 soll die "Gorch Fock" wieder als Segelschulschiff dienen - das ist der Plan

Allerdings hieß es aus dem Ministerium erneut, man habe in der Vergangenheit "alle vertraglichen Verpflichtungen vollumfänglich erfüllt". Deswegen werde auch nach der Einigung mit der Werft kein zusätzliches Geld fließen. Dies sei nur möglich, wenn ein Gericht entscheide, dass die Bredo-Werft eigene Ansprüche an die Truppe habe.

Für das Marineschulschiff ist das Ausdocken ein wichtiger Zwischenschritt. Nach Schwimmtests sollen in den nächsten Wochen die Masten gesetzt werden und die Aufbauten erfolgen. Geht alles nach Plan, soll die "Gorch Fock" dann ab dem Sommer 2020 wieder als Segelschulschiff der Marine genutzt werden.

Die Kosten für die Instandsetzung hatten eine politische Affäre um die "Gorch Fock" ausgelöst. Begonnen hatten die Arbeiten vor gut drei Jahren. Damals wurde mit einem Budget von knapp zehn Millionen Euro kalkuliert. Schnell wurde klar, dass die Instandsetzung ein Vielfaches kosten würde. Ministerin von der Leyen hat sich mittlerweile festgelegt, dass ihr Haus nicht mehr als 135 Millionen Euro für die Reparaturen ausgeben wird.

Auch in den kommenden Monaten also darf nichts mehr schiefgehen in der unendlichen Pannen-Geschichte der "Gorch Fock".

insgesamt 18 Beiträge
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Rick73 20.06.2019
1. Schmierenkomödie
Für das Geld hätte man 2 neue Segelschulschiffe bauen lassen können. Das ganze stinkt zum Himmel. Und was Bitteschön für eine Affäre? Es ist doch nichts passiert. Jeder sitzt noch an seinem Platz und wartet einfach ab bis der Hauch einer skandalösen Brise vorübergezogen ist. Dieses Ministerium hat diesbezüglich versagt und in dieser Angelegenheit kein Rückgrat bewiesen.
herwescher 20.06.2019
2. Wer jemals einen Oldtimer restauriert hat ...
... , der weiß: 1. Es dauert 10-Mal so lange, wie geplant ... 2. Es kostet 15-Mal so viel, wie vorher geschätzt ... Wenn eine andere Werft das zu den einstmals geschätzten Kosten und in der einstmals geschätzten Zeit machen kann, soll die Marine doch den Auftrag jetzt dorthin vergeben. Müsste ja dann ein Klacks sein ... Glaube nur, da werden sie keinen finden, der das zum Festpreis und unter Konventionalstrafe macht ...
Knossos 20.06.2019
3. Feine Ruhe
Das Gericht hätte sich mitnichten mit "dem Schiff", sondern mit Gemauschel auf Seiten der Regierung / sprich dem Abzapfen deren Spezis zu befassen. Aber mit schlummerndem Michel kann man es ja machen. Selbst Affentheater des Klüngels, den Rumpf angeblich zurückhalten zu wollen, obwohl jedem Schulkind klar wäre, daß Schuldner die Elsflether Werft und nicht die Bundeswehr ist. Statt anrückender Staatsanwaltschaft also auch noch Volldreistigkeit, mit Einbehaltung öffentlichen Eigentums zu drohen, um nach tumber Ablenkung mit der Herausgabe des Schiffkörpers ein animiertes Aufatmen des Hans guck in die Luft zu projektieren, bevor der Bürger sich wieder aufs Ohr haut. Um die 60% des Sozialprodukts fallen der Korruption anheim. Angefangen bei kommunalen Versorgern und lokalen Bauspezis, über Landesweite und Großabsahne wie Stuttgarter Bahnhof, Maut, BER, Hamburger Oper, konzernblinden Fisken usw. usf. und eben bis zu traditionellem Reibach mit der Bundeswehr. Tagtäglich abfließende Millionen und Milliarden für Seifenblasen, bis zum Jahresende über die Hälfte des Staatsbudgets privatisiert ist. Dazu stumme Staatsanwaltschaft, da diese der Regierung untersteht. - Derweilen keine Gefahr, daß Otto Abnick realisierte, was solch statuierte Obszönität zu bedeuten hat. Da läßt sich in der Ausnahme eines Aufsehens müde gähnend Scheinmanöver auffahren wie das aktuelle zwischen Werften und Verteidigungsministerium, und Ruhe ist im Karton, während die Dinge ihren üblichen Gang fortsetzen. Kein Regreß, keine Haftung, keine Nachverfolgung und Rückerstattung öffentlicher Gelder. So etwas störte schließlich den Betrieb. Statt dessen Freibier und Schaumwein unter Hegern vertikalen Schlaraffenlands. Same procedure as every year, James. Und zwar in feinster Ruhe.
Teutonengriller 20.06.2019
4. Am besten
Versicherung abschließen und den Kahn beim Wassern absaufen lassen, dann ist Ruhe im Karton. Ich verstehe auch nicht, wo das Problem ist? Der Auftragnehmer des Bundes ist insolvent. Ansprechpartner für alle noch Beteiligten ist dann wohl der Insolvenzverwalter. warum soll es dem Bund da anders gehen wie den Schlecker Frauen? Ganz schön dreist finde ich es von der Bredouille Werft,daß die ankündigen die Elsflether Werft kaufen zu wollen?
Beagle-Fan 20.06.2019
5. Wie lange noch?
Wieder mal so ein undurchsichtiger Handel auf Kosten von uns Steuerzahlern. Erst laufen die Kosten der Werft aus dem Ruder, exorbitante Preissteigerungen waren notwendig, dann ist die Werft fast Insolvent und nun das! Dieses Ministerium lässt sich von allen über den Tisch ziehen. Kostet nicht der Beamten Geld. Und die Ministerin ist immer noch im Amte!
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