Restaurierung von Segelschulschiff Wehrbeauftragter gibt Bürokratie Schuld an Problemen bei der "Gorch Fock"

Ein System "organisierter Unverantwortlichkeit": Der Wehrbeauftragte des Bundestags, Hans-Peter Bartels, erklärt sich die Probleme bei der Restaurierung der "Gorch Fock" mit der Bürokratie des Militärs.

Segelschulschiff "Gorch Fock" führt die traditionelle Windjammerparade an (Archivbild von 2008)
DPA

Segelschulschiff "Gorch Fock" führt die traditionelle Windjammerparade an (Archivbild von 2008)


Die Restaurierung des Segelschulschiffs "Gorch Fock" soll mehr als zehnmal so teuer werden wie ursprünglich geplant. Wie konnte es zu der Kostenexplosion kommen? Der Wehrbeauftragte des Bundestags führt die Probleme auch auf ein Chaos in der Bürokratie des deutschen Militärs zurück. "Es drängt sich der Eindruck auf, dass die unendliche Reparaturgeschichte für ein System organisierter Unverantwortlichkeit steht", sagte Hans-Peter Bartels der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Der 1958 gebaute Dreimaster wird seit 2016 überholt. Ursprünglich waren für die Restaurierung zehn Millionen Euro veranschlagt worden, mittlerweile werden die Kosten auf 135 Millionen Euro beziffert. Bartels sagte der Zeitung weiter: "Wenn hier jeder alles richtig gemacht haben sollte, dann muss man sich noch mal anschauen, was in der Militärbürokratie für normal gehalten wird."

Angesichts der Kostenexplosion und eines Korruptionsverdachts hatte das Verteidigungsministerium einen vorläufigen Zahlungsstopp angewiesen. Eine Entscheidung über die Zukunft des Schiffes soll nach Ministeriumsangaben erst nach weiteren Prüfungen getroffen werden. "Ich mache mir große Sorgen um die 'Gorch Fock'", sagte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) der "Rheinischen Post".

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Segelschulschiff: Was wird aus der "Gorch Fock"?

Es gebe viele offene Fragen an die Werft. Die Staatsanwaltschaft müsse den Korruptionsverdacht so schnell wie möglich klären. Die Bundeswehr überprüfe intern alle Kostenberechnungen, sagte von der Leyen. "Erst mit einem klaren Gesamtbild können wir belastbare Entscheidungen über die Zukunft der 'Gorch Fock' treffen."

Zunächst gab es keine unmittelbaren Hinweise, dass Korruption und Kostensteigerungen in einem Zusammenhang stehen. Gegen den Mitarbeiter des Marinearsenals Wilhelmshaven, der sich selbst angezeigt hatte, wurden Ermittlungen eingeleitet. Die Staatsanwaltschaft Osnabrück hatte wegen des Korruptionsverdachts auch Büros der Elsflether Werft durchsucht.

vks/dpa

insgesamt 44 Beiträge
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krass23 21.12.2018
1. Aha - die Ministerin macht sich Sorgen um den Kahn.
Der denkende Bürger, aber um den soll es wohl nicht mehr gehen, macht sich Sorgen um die Verteidigungsfähigkeit des Landes. Außer einer riesigen Geldvergeudung funktioniert in dieser Bundeswehr ja wohl kaum noch etwas. Flugzeuge, Panzer, Munition ... Wir hoffen wenigstens, dass die Initiativer der Ministerin für eine ausreichende Anzahl von Kindergärten in den Kasernen erfolgreich war. Irgendetwas muß sie doch positiv werten können.
achim21129 21.12.2018
2. Hamma,
da fragt man sich ja wozu sich die öffentliche Hand ein 1000 seitges Vergabehandbuch leistet, das im übrigen auch nur noch von Juristen verstanden wird und nicht mehr von dem normalen Verwaltungsangestellten, für den es eigentlich mal gedacht war.
abudhabicfo 21.12.2018
3. Kostenvoranschlag?
Hat jemand den ursprünglichen Kostenvoranschlag gesehen? Wer hat diesen erstellt? Wenn anschliessend zusätzliche Reparaturen für EUR 125 Mio auftauchen, so ist dass ja sicher nicht plötzlich passiert. Da haben eine ganze Reihe von Kontrollinstanzen geschlafen.
sam46 21.12.2018
4. Wenn der erste Dilettant in der BW Verwaltung .......
persönlich für seine Untätigkeit oder Fehlverhalten zur Rechenschaft gezogen würde mit Leistung von finanziellem Schadenersatz , wäre wahrscheinlich Schluss mit der Murkserei. Da wird hemmungslos Steuergeld verschleudert welches dringendst für andere Projekte - Aufzählung wg Platzmangel nicht möglich - benötigt wird .
würstl 21.12.2018
5. 170,270, 370 statt 10 oder Stuttgart 21, Airport Berlin, etc.....
Wenn ich so mit meinem Geld umgehen würde, wäre ich nach 3 Tage absolut pleite. Wie kann es sein, dass 10 Mio veranschlagt werden und min das 15-20 fache dabei rauskommt. Irgendwer muss doch das absegnen? In jedem normalen Unternehmen hat das Konsequenzen- aber bei öffentlichen Geldern nie. Was hätte man mit der Differenz nicht alle in den Problemzonen wir Pflege, Schule, etc. tun können. Politik ist echt zum ko...tz..en...
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