Grantelnder Ex-Minister Glos giftet gegen Merkel und Steinbrück

Er fühlt sich verkannt und schikaniert: Gerade erst aus dem Amt ausgeschieden, tritt Ex-Wirtschaftsminister Michael Glos nach - und beklagt sich bitterlich über die Bundeskanzlerin. Sie habe immer nur auf Finanzminister Steinbrück gehört, ihn ausgegrenzt und für dumm erklärt.

München - Michael Glos fühlt sich als Mobbing-Opfer. Der CSU-Politiker hat nach seinem Rücktritt als Wirtschaftsminister schwere Vorwürfe gegen Regierungschefin Angela Merkel (CDU) erhoben. Der "Münchner Merkur" berichtet, Glos habe Merkel in einer Sitzung der CSU-Landesgruppe heftig attackiert. Die Zeitung beruft sich auf Sitzungsteilnehmer.

"Sie hat immer geglaubt, ich hätte von vielen Dingen keine Ahnung", zitiert das Blatt den ehemaligen Wirtschaftsminister. Sie habe "stattdessen an den Lippen von Finanzminister Steinbrück gehangen, der sich jeden Satz aufschreiben lassen muss", klagte Glos. In seinem Rücktrittsgesuch an den CSU-Chef Horst Seehofer hatte Glos Angela Merkel noch ausdrücklich gelobt und ihre Regierung als "erfolgreich" bezeichnet.

Sein Entlassungsgesuch soll Glos schon Ende Januar aufgesetzt haben - das berichtet das ARD-Hauptstadtstudio. Danach musste der CSU-Politiker nur noch das Datum aktualisieren, bevor er den Brief am vergangenen Samstag an Seehofer faxte. Die Gründe für seinen Rückzug aus dem Amt seien mannigfaltig, hieß es. Der wesentliche Grund sei die Diskussion über die Enteignungen von Banken gewesen. Dieses Vorhaben habe Glos nicht mehr als Regierungsmitglied mitverantworten wollen.

Vor seinen CSU-Freunden sagte Glos nun laut "Münchner Merkur": Kanzlerin Merkel habe ihn absichtlich häufig ignoriert und sogar gezielt Zweifel an seiner Eignung als Wirtschaftsminister geschürt. In der CDU sei der Eindruck vermittelt worden, "er sei zu dumm, um einen Vermerk zu lesen". Die Kanzlerin habe ihn auch in der Finanz- und Wirtschaftskrise nicht eingebunden.

"Häufig angerempelt worden"

Glos erhielt inzwischen seine Entlassungspapiere. Bundespräsident Horst Köhler ernannte am Dienstag den 37-jährigen Karl-Theodor zu Guttenberg zum neuen Ressortchef - er ist der jüngste Bundeswirtschaftsminister aller Zeiten.

Der frühere bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) sagte der "Süddeutschen Zeitung", Glos "hätte mehr Unterstützung von allen Beteiligten verdient" gehabt. Der ehemalige Staatskanzleichef Eberhard Sinner warf Seehofer vor, er sei "nicht optimal in der Menschenführung". CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer verteidigte dagegen das Vorgehen. "Ich würde das und wir würden das in allen Punkten wieder haargenau so machen." Er sieht mangelnde Solidarität mit Glos als einen Grund für den Rücktritt. Glos sei "häufig angerempelt worden" und habe "von mancher Seite nicht die Solidarität erfahren", die nötig gewesen sei, sagte Ramsauer, ohne Namen zu nennen.

Die Unionsfraktion hat Glos an diesem Dienstag Respekt für seine Arbeit gezollt. Der CSU-Mann erhielt in der Fraktionssitzung langen Beifall von den Abgeordneten. Nach Angaben von Teilnehmern lobte Merkel die Verdienste von Glos insbesondere in der Energiepolitik und seinen Einsatz für den Mittelstand.

Weder Glos noch Guttenberg ergriffen in der Fraktionssitzung das Wort, hieß es. Beide verließen nach einer Stunde die Sitzung, um zu einer Personalversammlung ins Wirtschaftsministerium zu fahren. Dort erwarte ihn eine "großartige Mannschaft", sagte Guttenberg nach dem Verlassen der Fraktionssitzung. "Jetzt haben wir hart zu arbeiten."

beb/Reuters/AP/dpa/ddp
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.