Linken-Parteitag Alles deutet auf Gysis Abschied hin

Tritt Gregor Gysi als Fraktionsvorsitzender der Linken ab? Am Sonntag wird sich der 67-Jährige erklären. Wer sich mit Genossen auf dem Parteitag unterhält, spürt: Die Zeichen stehen auf Abschied.

Gregor Gysi spricht in Bielefeld mit Katja Kipping: Gibt der Fraktionschef seinen Rückzug bekannt?
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Gregor Gysi spricht in Bielefeld mit Katja Kipping: Gibt der Fraktionschef seinen Rückzug bekannt?

Von , Bielefeld


Die Genossen halten dicht. Seit Tagen wird spekuliert, ob Gregor Gysi als Fraktionschef der Linken abtritt. Und obwohl mittlerweile einige Parteifreunde in dessen Pläne eingeweiht sind, spricht bislang niemand von ihnen öffentlich darüber.

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Heft 24/2015
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Erklären will Gysi sich selbst am Sonntagmittag in einer Parteitagsrede, die wie ein Staatsgeheimnis behandelt wird. Wer sich allerdings am Samstag auf dem Parteitag in Bielefeld mit Spitzengenossen unterhält, bekommt den Eindruck, dass Gysi vor dem Absprung steht.

Viele äußern Verständnis für den 67-Jährigen. "Ich könnte verstehen, wenn es ihm irgendwann genug ist", ließ sich Fraktionsvize Dietmar Bartsch von "Zeit Online" zitieren. Viele aus der Führung sagten ähnliche Sätze. Jene Genossen verweisen auf Gysis Alter, auf die Belastungen, die der Job als Chef einer streitverliebten Fraktion mit sich bringe.

Sie alle betonen, man müsse Gysis Zeitplan für die Verkündung respektieren. Er hatte die Spekulationen zuletzt in sehr vielen Interviews angefacht. (Hier lesen Sie die Hintergründe.)

Kontroverse über Rot-Rot-Grün

Konkret geht es darum, ob er im Herbst erneut als Fraktionschef antritt. In den letzten Wochen wurde in Partei und Fraktion wiederholt über den Fall eines Gysi-Abtritts diskutiert. Ganz gehen dürfte er allerdings selbst dann nicht. Mehrmals hat er betont, dass er im Bundestagswahlkampf 2017 mitmischen wolle. Er könnte als Spitzenkandidat antreten. Es gilt als Ziel Gysis, dass es im Wahlkampf eine rot-rot-grüne Option gibt.

In der Partei sind die Widerstände dagegen allerdings erheblich, etwa bei Sahra Wagenknecht. Sie trommelte auf dem Parteitag gegen rot-rot-grüne Planspiele und gegen die Nato. Wagenknecht könnte womöglich - auch wenn sie sich kürzlich erst dagegen aussprach - in einer Doppelspitze mit Bartsch von Gysi übernehmen.

Einige Genossen auf dem Parteitag waren indes das Warten auf Gysi leid. Die Bundestagsabgeordnete Inge Höger forderte, ihr Fraktionschef solle seine Rede auf den Samstag vorverlegen. Der spontane Antrag erhielt so viel Zustimmung, dass ausgezählt werden musste. 169 Delegierte stimmten für das Vorziehen, 241 dagegen.

Gysi wird seine Vorstellungen also wie geplant am Sonntagmittag der Welt offenbaren.

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insgesamt 28 Beiträge
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ichhabeimmerrecht 06.06.2015
1. wenn gysi geht,
verlieren wir einen der letzten intelligenten demokraten, den wir in der sog. republik seit bestehen der brd haben konnten, denn strauss ist leider tot, auch ein genie der rhetorik und intellektuellen brillanz. sage ich übrigens als klassischer kapitalist, der immer stellung gegen den sog. ddr-sozialismus hatte und dafür auch als mitglied im öffentlichen dienst abgeschossen werden sollte.er ist im übrigen der einzige, dem die nullnummer merkel zuhört
MephistoX 06.06.2015
2. Schade !
Bin zwar kein LINKER, aber Gysi ist eine der "Stimmen der Vernunft" in der Partei, die immerhin halbwegs kompromissfähig erscheinen und sich nicht aus Prinzip in der "ungefährlicheren" Fundamentalopposition einnisten wollen. Gäbe es mehr solcher "Realos" in DER LINKEN, die kapieren, wie parlamentarische Demokratie nun mal funzt, könnte DIE LINKE für mich durchaus wählbar werden. Ideologische "Sonntagsredner" mögen vielleicht etwas "spektakulärer sein", das endet dann aber schnell im Linkspopulismus, der sich nicht an Realitäten messen lassen will.
trick66 06.06.2015
3. Erledigt
Ohne Gysi und Lafontaine sieht Die Linke im Westen kein Land mehr. Reine ostdeutsche Regionalpartei.
Alfred Ahrens 06.06.2015
4. Adieu, wenigstens einer, der in keinem Aufsichtsrat abtaucht.
Frau Wagenknect kann dann ihre Fantasien besser darstellen und die Linke fährt weiter gegen die Wand. Mach´s gut Gregor und geniesse die Tage! Bleib gesund! Gruss aus Bochum !
redbayer 06.06.2015
5. Der Gysi ist der eigentliche
Blockierpunkt warum die Linke nicht mehrheitsfähig und damit nicht an die Regierung kommt. Ideal wäre der Vorsitz von La Fontaine zusammen mit seiner Lebensgefährtin Wagenknecht. Die könnten das ehemals sozialdemokratische Programm und gleichzeitig die Ideen von Karl Liebknecht & Rosa Luxemburg umsetzen. Eine weitere Alternative für Deutschland - nach alternativlos Merkel.
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