Linke Gysi und Riexinger streiten über Tolerierung von Rot-Grün

Gregor Gysi stellt sich gegen seinen Parteichef Bernd Riexinger. Der Linken-Vorsitzende hatte die Tolerierung einer rot-grünen Minderheitsregierung nach der Bundestagswahl ins Spiel gebracht, Gysi schließt diese Option kategorisch aus. SPD-Mann Oppermann fühlt sich von den Linken gestalkt.

Linken-Spitzenkandidat Gysi: "Tolerierung ist nicht verantwortbar"
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Linken-Spitzenkandidat Gysi: "Tolerierung ist nicht verantwortbar"


Berlin - Die Linke streitet über die mögliche Tolerierung einer rot-grünen Minderheitsregierung. Parteichef Bernd Riexinger hatte der "Berliner Zeitung" gesagt, wenn es nach der Wahl am 22. September eine Mehrheit gegen Kanzlerin Angela Merkel gebe, solle "ausdrücklich keine Option" ausgeschlossen werden. "Dann entscheiden bei uns keine Animositäten und keine Formalitäten, nur die Inhalte", sagte Riexinger.

Dem widerspricht Fraktionschef Gregor Gysi. "Wir sind uns in der Führung einig: So etwas Halbgewalktes wie eine Tolerierung ist nicht verantwortbar", sagte Gysi der "Saarbrücker Zeitung". Stattdessen müsse die SPD im Falle einer rot-rot-grünen Bundestagsmehrheit auf die Linke zugehen. "Wenn schon, dann soll Sigmar Gabriel zum Telefon greifen. Er kennt meine Nummer", sagte Gysi. Er sei gespannt, ob die SPD nach der Bundestagswahl zu inhaltlichen Gesprächen mit der Linken bereit sei. "Ohne uns kriegt sie keinen Kanzler. So einfach ist das."

Die Linke setzt mit dem Streit zwischen Riexinger und Gysi ihren Zickzack-Kurs fort. Noch zu Monatsanfang wollten Teile der Parteiführung die Tolerierung einer Minderheitsregierung formell ausschließen. Dieser Vorstoß wurde jedoch kassiert, ein geplanter Vorstandsbeschluss kam nicht zustande.

"Avancen der Linkspartei erinnern an Stalking"

Die SPD schließt sowohl eine rot-rot-grüne Koalition als auch eine Minderheitsregierung von Gnaden der Linken aus. "Es wird keine Tolerierung und schon gar keine Koalition mit der Linkspartei geben", sagte SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück. Im Wahlprogramm der Grünen heißt es: "Die Linkspartei macht unseriöse sozial- und finanzpolitische Versprechungen, so dass der Wortbruch vorprogrammiert ist."

Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Thomas Oppermann, sagte: "Die Avancen der Linkspartei erinnern mich langsam an Stalking." Ein Szenario, wonach SPD-Chef Gabriel bei einem Patt nach der Bundestagswahl erst die SPD in eine Große Koalition führe, diese dann platzen lasse und sich mit Hilfe der Linken zum Kanzler wählen lasse, bezeichnete Gabriel selbst selbst als "Science fiction".

syd/dpa/Reuters/AFP



insgesamt 43 Beiträge
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hidra 28.08.2013
1. Herr Gysi hoeren Sie diesmal auf Herrn Riexinger!
Herr Riexinger ist sehr pragmatisch. Oder geht es Ihnen wirklich nur um ein Pöstchen in der Regierung?
guentherprien, 28.08.2013
2. Was sonst als streiten ?
Klare Ansagen gibt es in dieser Partei nicht mehr und geschaffen wurde auch nichts. Da wird sich auch nach dem 22. September nichts ändern. Unwählbar !
badbeardxb 28.08.2013
3. Sollte der Hauch einer Möglichkeit bestehen...
...dass die SPD mit dieser grotesken und hohlen "Linken" koaliert oder sich dulden liesse, würde ich nicht SPD wählen. Es ist schon so schon schmerzhaft genug, es zu tun.
l.augenstein 28.08.2013
4.
Zitat von sysopGetty ImagesGregor Gysi stellt sich gegen seinen Parteichef Bernd Riexinger. Der Linken-Vorsitzende hatte die Tolerierung einer rot-grünen Minderheitsregierung nach der Bundestagswahl ins Spiel gebracht, Gysi schließt diese Option kategorisch aus. SPD-Mann Oppermann fühlt sich von den Linken gestalkt. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/gregor-gysi-und-bernd-riexinger-streiten-ueber-tolerierung-von-rot-gruen-a-919118.html
Die SPD will entweder nicht die Regierung übernehmen oder sie ist total realitätsfern. Selbiges gilt für die Grünen. Wenn man keine große Koalition will, bleibt nur Rot-Rot-Grün. So sieht die Realität aus und wer sich der verweigert, muß halt weiterhin die Oppositionsbank drücken! Die LINKE wird auf alle Fälle langsam aber sicher zur Alternative des SPD-Rumgeeiers.
Attila2009 28.08.2013
5.
Die SPD richtet sich längst auf eine neue Groko ein, denen geht es doch gar nicht um ihr Parteiprogramm. Wollten sie ihr Parteiprogramm umsetzen müßten sie mit den Linken zusammenarbeiten.
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