Sicherheitsbedenken in Moria Laschet bricht Besuch in Flüchtlingslager auf Lesbos ab

Armin Laschet hat Flüchtlinge in Griechenland besucht. Eine Visite im inoffiziellen Teil des Lagers Moria wurde auf Anraten der Polizei kurzfristig gestrichen. Die Flüchtlinge hätten Laschet für den "Prime Minister of Germany" gehalten.
Armin Laschet im besser organisierten Lager Kara Tepe auf Lesbos. Der Besuch im "wilden" Teil des Lagers Moria fiel auf Anraten der Sicherheitsbehörden aus.

Armin Laschet im besser organisierten Lager Kara Tepe auf Lesbos. Der Besuch im "wilden" Teil des Lagers Moria fiel auf Anraten der Sicherheitsbehörden aus.

Foto: Dorothea Hülsmeier/ dpa

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hat einen Besuch im überfüllten Flüchtlingscamp Moria auf der griechischen Insel Lesbos aus Sicherheitsgründen abgebrochen.

Laschet hatte nach dem Besuch des Containerbereichs eine Visite im sogenannten wilden Teil außerhalb des Camps geplant. Auf Anraten des örtlichen Sicherheitschefs wurde der Besuch in dem Teil kurzfristig abgesagt. Zuvor hatten sich Gruppen von Flüchtlingen aus Afghanistan und Afrika versammelt und in Sprechchören "Free Moria" gerufen. Ein starkes Aufgebot an Sicherheitskräften schirmte Laschet von den Flüchtlingen ab. Nach Angaben von NRW-Regierungssprecher Christian Wiermer sagte der Sicherheitschef, die Flüchtlinge hätten Laschet für den "Prime Minister of Germany" gehalten.

Im Lager Moria und auch außerhalb davon kommt es immer wieder zu Schlägereien und Messerstechereien zwischen Migranten verschiedener Nationalitäten. Vor allem im wegen der Überfüllung des Hauptlagers gebildeten Satellitencamp herrscht Gesetzlosigkeit. Zuletzt kam es in den überfüllten Lagern auch vermehrt zu gewaltsamen Auseinandersetzungen unter den Bewohnern. Ein afghanischer Asylsuchender wurde kürzlich in der Nähe des Flüchtlingslagers Moria erstochen.

Seit Jahresbeginn wurden in dem Lager mindestens sieben Asylsuchende bei Auseinandersetzungen getötet, darunter ein Minderjähriger und eine Frau. Ein Dutzend weitere Menschen wurden verletzt. Das 2015 auf einer früheren Militäranlage errichtete Aufnahmezentrum ist das größte Flüchtlingslager Europas und restlos überfüllt. Es ist ausgelegt für 3000 Personen, derzeit leben aber etwa 17.000 Geflüchtete dort.

Über den Abbruch des Besuchs von Laschet berichteten unter anderem Reporter von WDR und der "Bild"-Zeitung, die Laschet nach Griechenland begleitet hatten:

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Nach dem Abbruch des Besuchs in Moria fuhr der NRW-Regierungschef in das Camp Kara Tepe. In dem als "Vorzeigelager" geltenden Camp halten sich etwa 1300 Menschen auf. Dieser Besuch lief ohne Zwischenfälle ab. Mehr als eineinhalb Stunden lang unterhielt sich Laschet dort mit Vertretern von Hilfsorganisationen.

Anschließend sprach er von einem "Aufschrei der Verzweifelten", den er in Moria erlebt habe. "Die ganze Europäische Union muss jetzt wach werden", sagte der CDU-Politiker. Die deutsche EU-Ratspräsidentschaft in der zweiten Jahreshälfte biete die Chance, "eine dauerhafte Lösung" für das Flüchtlingsproblem zu entwickeln. Europa dürfe die griechische Regierung, die Bewohner und die Behörden auf Lesbos nicht allein lassen. Auch NRW wolle seinen Beitrag leisten und besonders betroffene Kinder und deren enge Angehörige in den nächsten Wochen ins Bundesland holen, sagte Laschet. Auf Grundlage eines Beschlusses der Bundesregierung vom März sind bereits Dutzende Bewohner der Camps nach Deutschland gebracht und auf die Länder verteilt worden.

EU kommt bei Asylreform kaum voran

Laschet will sich im Dezember um den CDU-Bundesvorsitz bewerben und gilt damit auch als möglicher Kanzlerkandidat. Der CDU-Politiker war am Montag vom griechischen Premier Kyriakos Mitsotakis empfangen worden. Dabei hatte sich Laschet im Namen der Bundesregierung für eine europäische Lösung der Flüchtlingskrise in Griechenland eingesetzt.

Die EU kommt bei einer Einigung über eine geplante gemeinsame Asylreform seit Jahren kaum voran. Italien, Malta, Spanien, Griechenland und Zypern dringen auf einen verpflichtenden Mechanismus zur Verteilung von Migranten. Ungarn, Tschechien, Polen, Estland, Lettland, die Slowakei und Slowenien wollen hingegen das Gegenteil. In einem Brief an die EU-Kommission betonen die sieben Länder ihre Ablehnung einer verpflichtenden Verteilung "in jeder Form". Im September will die EU-Kommission neue Vorschläge vorlegen.

Um Griechenland zumindest ein wenig zu unterstützen, nimmt Deutschland eine Gruppe kranker Minderjähriger und Mitglieder ihrer Familien aus den Flüchtlingslagern auf.

Es handelt sich um 85 Minderjährige und 90 Familienangehörige, die am vergangenen Donnerstag aus Athen nach Deutschland fliegen sollten. Die Abreise trage "zur Entlastung der Inseln bei", sagte der griechische Migrationsminister Giorgos Koumoutsakos. Die Lager auf den griechischen Inseln im Osten der Ägäis beherbergen weitaus mehr Menschen als vorgesehen.

Deutschland will nach einem Beschluss der Großen Koalition aus dem März 350 bis 500 Kinder von den griechischen Ägäisinseln aufnehmen. Zwei Gruppen sollen für die Aufnahme infrage kommen: Kinder, bevorzugt Mädchen, die ohne ihre Familie unterwegs sind, sowie schwer kranke Kinder und Jugendliche, die dringend behandlungsbedürftig sind.

cht/jat/mes/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.