Umstrittener Talkshow-Gast Paraskevopoulos "Alle suchen jemanden, der Deutsch spricht"

In deutschen Talkshows wird Theodoros Paraskevopoulos als enger Berater von Regierungschef Tsipras vorgestellt. Nun gibt es Vorwürfe, er sei ein Hochstapler. Ein Anruf.

Theodoros Paraskevopoulos (bei Günther Jauch): "So sind wir Griechen nicht"
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Theodoros Paraskevopoulos (bei Günther Jauch): "So sind wir Griechen nicht"

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Anne Will, Maybritt Illner, ZDF-Frühstücksfernsehen, zweimal Günther Jauch: Theodoros Paraskevopoulos ist in den vergangenen Wochen ein gern gesehener Gast in deutschen TV-Sendungen gewesen. Er spricht perfekt Deutsch, trägt äußerst selbstbewusst auch die umstrittenste Position der griechischen Regierung im Schuldenstreit vor. Er fällt auch mal anderen Gästen ins Wort, was die Zuschauer vom Einschlafen abhält.

Vorgestellt wird er gern als enger Berater von Ministerpräsident Alexis Tsipras. Doch jetzt heißt es plötzlich: Ist er gar nicht. Auf Twitter ist vom griechischen Hauptmann von Köpenick die Rede, in Anspielung an den Coup eines einfachen Schuhmachers in Offiziersuniform. Was stimmt denn nun? Ein Anruf auf seinem Handy. Die Nummer war in der Syriza-Pressestelle zu bekommen.


SPIEGEL ONLINE: Sie wurden in mehreren deutschen Talkshows als enger Berater des griechischen Ministerpräsidenten Tsipras vorgestellt. Sind Sie das?

Theodoros Paraskevopoulos: Ich habe in jeder Talkshow klargestellt, wer ich bin. Syriza funktioniert nicht so mit persönlichen Beratern, wie Sie das vielleicht annehmen. Demzufolge bin ich das nicht.

SPIEGEL ONLINE: Was sind Sie dann?

Paraskevopoulos: Ich bin Mitglied von Syriza und ich arbeite im Parlament. Meine Funktion ist - gemeinsam mit anderen - die Arbeit von Regierung, Parlament und Fraktion zu koordinieren. Ich kann aber verstehen, dass manche Kollegen von Ihnen das ein bisschen größer darstellen wollten. Aber dafür kann ich nichts.

Im Hintergrund herrscht allerlei Trubel, man hört mehrere Stimmen.

SPIEGEL ONLINE: Wo sind Sie gerade?

Paraskevopoulos: Ich bin in der Parteizentrale, aber mein Büro ist im Parlament.

SPIEGEL ONLINE: Wie hat Ihre Karriere als Talkshow-Gast angefangen?

Paraskevopoulos: Alle suchen jemanden, der Deutsch spricht. Ich habe hier in Athen schon häufiger dem öffentlich-rechtlichen deutschen Fernsehen Interviews gegeben. Dann wurde ich vor ungefähr zwei Jahren zum ersten Mal nach Deutschland eingeladen. Aber das geschah immer in enger Zusammenarbeit mit meiner Partei. Seit wir an der Regierung sind, habe ich selbstverständlich auch jedes Mal das Büro des Ministerpräsidenten informiert. Und ich habe von dort Instruktionen bekommen. Es ist nicht so, dass ich einfach nach Deutschland fahre und irgendetwas sage. Ich bin schon autorisiert.

SPIEGEL ONLINE: Stehen noch Einladungen zu weiteren Talkshows aus?

Paraskevopoulos: Nein, ich habe in dieser Woche einige Einladungen ausgeschlagen, weil ich hier so stark eingespannt bin. Aber ich gebe weiter Interviews im deutschen, schweizerischen und österreichischen Rundfunk und Fernsehen. Die Regierung weiß jedes Mal davon.

SPIEGEL ONLINE: Wir haben eine Sprecherin von Syriza nach Ihrer Funktion gefragt. Sie sagte, Sie hätten keine offizielle Position.

Paraskevopoulos: In der Regierung habe ich auch keine.

SPIEGEL ONLINE: Auf Twitter werden Sie als der griechische Hauptmann von Köpenick tituliert - eine Aufschneider-Figur. Wie finden Sie das?

Paraskevopoulos stutzt überrascht und lacht dann sehr lange.

Paraskevopoulos: Wissen Sie, so sind wir Griechen nicht. Das ist ein deutscher Usus, kein griechischer.

SPIEGEL ONLINE: Was ist Ihr Beruf?

Paraskevopoulos: Ich bin Volkswirt.

SPIEGEL ONLINE: Kennen Sie Alexis Tsipras persönlich?

Paraskevopoulos: Ja, seit mehr als 20 Jahren.

SPIEGEL ONLINE: Woher können Sie so gut Deutsch?

Paraskevopoulos: Ich habe in Kiel Volkswirtschaft studiert und lange Jahre in Deutschland gearbeitet.

SPIEGEL ONLINE: Wie erleben Sie heute die Situation in Griechenland?

Paraskevopoulos: Wir diskutieren mit vielen Menschen, deshalb bin ich so eingespannt, wir erklären ihnen die Bedeutung des Referendums.

SPIEGEL ONLINE: Wie werden Sie am Sonntag abstimmen?

Und wieder sein Lachen, diesmal tief und eher gurrend.

Paraskevopoulos: Keine Frage, ich werde selbstverständlich mit Nein stimmen! Es sei denn, es wird bis dahin zu einer Übereinkunft zwischen Athen und seinen Partnern kommen. Ich folge dem, was die Regierung den Wählern vorschlagen wird.

insgesamt 126 Beiträge
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Seite 1
Spiegelleserin57 02.07.2015
1. merkwürdig!
man sollte sich schon genau informieren wen man in Sendungen einlädt oder es einfach nicht tun.
EmmaDiel 02.07.2015
2. Naja...
Kommt ja recht neutral daher, das Interview. Wie soll ich nur das "Und wieder sein Lachen..." deuten?
Meconopsis 02.07.2015
3.
Das sind doch mal klare Antworten in diesem Interview. Der Mann kriegt es immerhin hin, in wenigen Sätzen alles auf den Punkt zu bringen, völlig unabhängig davon, ob man mit seinen Positionen übereinstimmt oder nicht. Solche Leute sucht man in der deutschen Politik vergeblich. Schlimmstes Beispiel ist Merkel. Entweder sagt sie gar nichts, oder sie versteigt sich in Phrasen. Selbst den Bosbach, der mir lange gefallen hat, finde ich zuletzt immer schwächer, weil seine Argumentation einfach nicht mehr so recht zünden will.
soisses007 02.07.2015
4. Trojaner
Er ist ein Trojaner der virtuellen Regierung. Völlig unverständlich warum dieser Herr ständig eingeladen wird. Sein unterhaltungswert ist schließlich nicht sehr hoch. Vom Know-how ganz zu schweigen.
Luna-lucia 02.07.2015
5. sobald dieser Typ auch
auch nur angekündigt wird, wechseln wir den Sender! Das ist für uns der Urtyp eines Ewig-Alten - Diskutier Clubs! Wenn die in der Regierung mehr von solchen "Rednern" haben, ist schon klar, warum das nie was werden wird! Man stelle sich nur einmal vor, der müsste gar einen Gesetzestext näher erklären - oki, für den Fall währen dann wohl einige Wiedergeburten für den Typ notwendig ;-)!
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