Entschädigung für Griechenland
Kohl trickste bei Athens Reparationsforderungen
Kanzler Helmut Kohl tat 1990 einiges, um Reparationen an Griechenland und andere Staaten zu vermeiden. Der SPIEGEL hat historische Unterlagen ausgewertet, die zeigen, wie trickreich die Bundesregierung vorging.
Kanzler Kohl (r., im Mai 1990 mit Außenminister Genscher): Die Griechen vom Verhandlungstisch ferngehalten
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Hamburg - Die Bundesregierung hielt 1990 bei den Verhandlungen über die deutsche Einheit Länder wie Griechenland fern, denn dort sollte auch über Reparationsansprüche gesprochen werden. Auf diese Weise trickste Kanzler Helmut Kohl, um Zahlungen an Griechenland und andere Staaten zu vermeiden. Das zeigen Unterlagen aus dem Revolutionsjahr 1989/90, die der SPIEGEL ausgewertet hat. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)
Kohls Unterhändler sorgten demnach zudem dafür, dass der Begriff "Friedensvertrag" nicht verwendet wurde, der vermutlich zu griechischen Forderungen geführt hätte. An einem "Friedensvertrag" könne man "aus finanziellen Erwägungen kein Interesse haben", erklärte Staatssekretär Friedrich Voss.
Stattdessen unterzeichneten die vier Siegermächte und die beiden deutschen Staaten den Zwei-plus-vier-Vertrag.
Heute argumentiert Berlin, die Griechen hätten ihre Forderungen 1990 vorbringen müssen.
Deutsche Soldaten in Distomo: In dem griechischen Dorf töteten SS-Soldaten in einer Vergeltungsaktion 218 Menschen, darunter viele Frauen und Kinder.
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Frauen vor Gräbern in Distomo: Griechenlands neue Regierung unter Führung des Linksbündnisses Syriza fordert Reparationen für Verbrechen während der Besatzung sowie für eine Zwangsanleihe, mit der Nazi-Deutschland dem Land fast 500 Millionen Reichsmark abpresste.
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Der Distomo-Überlebende Giorgos Pergantas vor den sterblichen Überresten seiner Eltern und anderer Opfer: Im Gegensatz zu anderen NS-Opfern haben Griechen kaum finanzielle Entschädigungen für ihre Leiden erhalten.
Gedenktafel in Distomo: Der Ruf nach Entschädigungen durch Deutschland ist im Verlauf der Finanzkrise deutlich lauter geworden.
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Joachim Gauck in Lingiades, wo rund 90 Menschen ermordet wurden: Der Bundespräsident versprach, Möglichkeiten einer Entschädigung zu prüfen - bislang ohne Ergebnis.
Foto: SAKIS MITROLIDIS/ AFP
Alexis Tsipras am Mahnmal von Kaisariani: Als erste Amtshandlung legte Griechenlands Premier Blumen an der Gedenkstätte für Opfer der NS-Besatzung ab.
Der Distomo-Überlebende Giorgos Pergantas vor den sterblichen Überresten seiner Eltern und anderer Opfer: Im Gegensatz zu anderen NS-Opfern haben Griechen kaum finanzielle Entschädigungen für ihre Leiden erhalten.