Deutsch-griechische Spannungen Merkel lädt Tsipras nach Berlin ein
Berlin - Griechenlands Premierminister Alexis Tsipras kommt zu einem ersten Besuch nach Berlin. Bundeskanzlerin Angela Merkel habe ihn in einem Telefonat eingeladen, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Das Treffen findet am kommenden Montag statt.
Merkel hat den Linkspolitiker aus Athen bisher erst einmal getroffen, auf dem EU-Gipfel am 12. Februar. Am Donnerstag werden beide an dem zweitägigen EU-Treffen der 28 Staats- und Regierungschefs in Brüssel teilnehmen.
Tsipras hatte im Interview mit dem SPIEGEL angedeutet, dass er sich eine Einladung nach Berlin wünsche. "Wenn ich eine Einladung von der Kanzlerin bekäme, würde ich sie sofort annehmen", sagte er.
In den vergangenen Tagen gab es in der Debatte um weitere Hilfsleistungen der Euro-Partner an das hochverschuldete Griechenland auch starke atmosphärische Spannungen zwischen Berlin und Athen. Tsipras fordert unter anderem von Deutschland die Rückzahlung eines 1942 von den deutschen Besatzungsbehörden erhobenen Zwangskredits.
Auch Reparationszahlungen für Opfer der deutschen Besatzung werden gefordert. Die Bundesregierung hat die Themen Reparationen und Entschädigungen dagegen als juristisch geklärt bezeichnet. Für Wirbel sorgte auch der Aufritt des griechischen Finanzministers Giannis Varoufakis in der ARD-Sendung "Günther Jauch".
Schäuble: "Alles Vertrauen zerstört"
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) warf der griechischen Regierung vor, das Vertrauen seiner europäischen Partner komplett zerstört zu haben. Bis November sei Athen auf einem Weg gewesen, der aus der Krise hätte führen können. Das sei vorbei. "Sie haben alles Vertrauen zerstört. Das ist ein schwerer Rückschlag", sagte Schäuble am Montag in Berlin. Das Konzept von Athens Regierungschef Alexis Tsipras werde "so nicht funktionieren".
Wie es aus Diplomatenkreisen in Athen hieß, zielt der Besuch Tsipras' auf eine Beruhigung der Lage zwischen Berlin und Griechenland. Es sei eine unangenehme, "wenn nicht ganz schlimme" Atmosphäre in den Beziehungen zwischen beiden Staaten entstanden. Mitarbeiter von Tsipras hatten vor der Ankündigung seiner Berlinreise mitgeteilt, der Regierungschef werde in den nächsten Tagen die Lösung der Finanzkrise selbst in die Hand nehmen.
Tsipras will beim bevorstehenden EU-Gipfel ausführlich über die Lage seines Landes sprechen. Die EU-Kommission reagierte zurückhaltend. "Die Kommission ist der Auffassung, dass dies der Augenblick der Arbeit ist und nicht der Erklärungen", sagte der Chefsprecher der Behörde.