SPON-Wahltrend Hälfte der Deutschen mit Sondierungsergebnissen unzufrieden

Keine Steuererhöhung, dafür mehr Kindergeld: Ein Großteil der Bevölkerung lehnt die Ergebnisse der Sondierungen für eine Große Koalition ab. Die Gruppe der SPD-Anhänger ist tief gespalten.
SPD-Parteivorsitzender Martin Schulz

SPD-Parteivorsitzender Martin Schulz

Foto: Kay Nietfeld/ dpa

28 Seiten umfasst das Papier zu den Sondierungsergebnissen von SPD und Union. Nicht alle sind damit glücklich: Der stellvertretende SPD-Parteivorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel fordert, noch einmal nachzubessern, auch Jusos und linker Flügel äußerten ihren Unmut.

Und in der Bevölkerung? Auch hier sind die Einigungen zu Steuererhöhungen, Kindergeld und Flüchtlingsnachzug umstritten. Etwa die Hälfte der Deutschen bewertet sie negativ.

Das ist das Ergebnis des neuen SPON-Wahltrends. Die Sondierungsgespräche zwischen Union und SPD waren am Freitagmorgen abgeschlossen worden. Im Anschluss hatte sich der SPD-Vorstand nach kontroverser Debatte mit 34 zu sechs Stimmen dafür ausgesprochen, dem Sonderparteitag die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen zu empfehlen.

Wir wollten wissen: Wie bewerten Sie die Einigung der Parteispitzen von CDU, CSU und SPD bei den Sondierungen zur Großen Koalition?

Der SPON-Umfrage zufolge steht den Ergebnissen der Sondierungen nur etwa ein Drittel der Befragten positiv gegenüber: Ein Viertel der Befragten gab an, die Einigungen "eher positiv" zu bewerten. "Sehr positiv" schätzte das nur jeder Zehnte ein. "Eher negativ" gaben hingegen 28,1 Prozent der Befragten, "sehr negativ" immer noch 21,6 Prozent. Unentschieden waren am Tag der Erhebung noch 14,5 Prozent.

Aufgeschlüsselt nach Parteipräferenzen lässt sich sagen, dass Unionsanhänger grundsätzlich zufriedener mit den Sondierungsergebnissen sind als die Anhänger der SPD. Die Befragten, die CDU oder CSU wählen würden, zogen zu 75,4 Prozent ein positives Fazit. Bei der SPD sind es hingegen nur 41,9 Prozent. Fast ebenso viele SPD-Anhänger bewerten die Sondierungsergebnisse als negativ.

Die Einigungen der Freitagnacht lassen die Sozialdemokraten also tief gespalten zurück (lesen Sie hier, wo sich die SPD durchgesetzt hat - und wo nicht). Die Anhänger der übrigen Parteien bewerten die in den 28 Seiten festgehaltenen Punkte mehrheitlich negativ, bei den AFD-Sympathisanten haben sogar 82,1 Prozent eine ablehnende Haltung dazu.

Sondierungsergebnis von CDU, CSU und SPD

Die Sozialdemokraten wollen auf einem Sonderparteitag am 21. Januar über die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen entscheiden. Falls die 600 Delegierten mit einem Ja den Weg für Verhandlungen freimachen, stimmen am Ende die Mitglieder über den Koalitionsvertrag ab.

Außenminister Sigmar Gabriel kritisierte am Samstag das geplante Vorgehen. Die Tatsache, dass bis zur Mitgliederentscheidung noch ein Bundesparteitag am 21. Januar zwischengeschaltet ist, sei nicht nur ein Misstrauensbeweis gegenüber dem Parteivorstand. "Das ist auch ein Misstrauen gegenüber der eigenen Basis", sagte Gabriel.

Bei der CDU hingegen fiel das Votum nach eigenen Angaben einstimmig aus. Auch die CSU-Landesgruppe im Bundestag beschloss am Freitag ohne Gegenstimmen, dass die Union Koalitionsverhandlungen mit den Sozialdemokraten aufnehmen soll.

Video-Analyse zur GroKo-Sondierung:

SPIEGEL ONLINE

Anmerkungen zur Methodik: Der SPON-Wahltrend wurde in Kooperation mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey am 12. Januar 2018 online erhoben. Die Stichprobe umfasste mehr als 5000 Befragte. Der statistische Fehler lag bei 2,5 Prozent.

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vks
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