Großbritannien Riesige Scheiterhaufen für verseuchte Rinder

Nach neuen Fällen der hochansteckenden Maul- und Klauenseuche wächst in Großbritannien die Angst vor einer landesweiten Epidemie. An mehreren Orten errichteten die Behörden riesige Scheiterhaufen, um infizierte Tiere zu verbrennen.


London - Trotz strenger Quarantänemaßnahmen hat sich die Seuche in Großbritannien in den vergangenen Stunden rasch weiter ausgebreitet. Am Sonntag meldeten die Behörden einen neuen Fall auf einem Hof mit 600 Rindern in Devon, im Südwesten Englands. Der britische Agrarminister Nick Brown sprach von einem "Besorgnis erregenden neuen Ausbruch". Außerdem sei ein weiterer Verdachtsfall in Nordengland gemeldet worden.

Nach den neuen Fällen wächst nun die Angst vor einer schweren Epidemie. An den schon bisher bekannten sechs betroffenen Orten ließen die Behörden riesige Scheiterhaufen zum Verbrennen von zunächst 2 000 Tieren errichten. Die EU-Agrarminister wollen sich an diesem Montag in Brüssel mit der Seuche befassen. In Bonn berät am Montag ein Krisenstab von Verbraucherschutzministerin Renate Künast (Grüne) über weitere Schutzmaßnahmen. Dazu kommen Experten aus Bund und Ländern zusammen.

In Deutschland wurde bei Untersuchungen und Quarantäne-Maßnahmen bislang kein Fall der hochinfektiösen Seuche festgestellt. Für mehrere hundert deutsche Betriebe wurden besondere Schutzmaßnahmen verhängt. In mehrere Bundesländer waren Tiere aus Großbritannien importiert worden. Für Menschen ist die Seuche ungefährlich.

Nach Angaben des britischen Agrarministers Nick Brown vom Sonntag sind die Veterinäre seiner Behörde überzeugt, die Maul- und Klauenseuche in einem weiteren Hof im nordenglischen Heddon-on-the- Wall (Northumberland) festgestellt zu haben, wo sich auch der Seuchenherd befinden soll. Ein weiterer Hof liegt in Highampton sich in der südenglischen Grafschaft Devon. "Das ist eine Besorgnis erregende Entwicklung", sagte Brown dem britischen Rundfunk BBC. "Es kann noch andere Fälle geben. Wir werden das in den nächsten Tagen erfahren."

Noch am Vortag hatten die Behörden wegen des Ausbleibens neuer Seuchenvorkommen gehofft, die Epidemie rasch unter Kontrolle bringen zu können. Die Seuche war von dem Eigentümer eines heruntergekommenen Bauernhofes nicht gemeldet worden: Die Veterinäre vermuten, dass sie schon seit einem knappen Monat im Land ist.

"Dies ist ein Albtraum für den Südwesten England", sagte Ian Johnson vom Bauernverband Devons zur Ausbreitung der Seuche in diese Region. Die Krankheit war auf einem Hof mit 600 Rindern und 1 500 Schafen bei einem der Rinder festgestellt worden. Der Chef der britischen Veterinärbehörde, Jim Scudamore, sagte, er sei "ziemlich sicher", dass von diesem Hof bis zum Verbot aller britischen Vieh- und Fleischausfuhren am vergangenen Donnerstag auch nach Europa exportiert worden sei.

Scudamore sagte, der Bauer habe vor allem Schafe exportiert. Derzeit wisse man noch nicht, in welche europäischen Länder Tiere ausgeführt worden seien. Der Fall in Devon sei besonders schwierig, weil der Bauer an 13 verschiedenen Stellen Tiere halte.

Angestellte der Veterinärbehörden schichteten am Sonntag den betroffenen Bauernhöfen riesige Scheiterhaufen auf. Gegen Abend wollten sie damit beginnen, 1 300 notgeschlachtete Schweine, 450 Rinder und 250 Schafe zu verbrennen. Der Beginn der Verbrennung verzögerte sich jedoch wegen Mangels an Brennmaterial und Desinfektionsmitteln.

Im wahrscheinlichen Seuchenherd Heddon-on-the-Wall, wo rund 800 Schweine verbrannt werden sollten, war ein 40 Meter langer Graben ausgehoben worden. Er wurde mit den Tierkörpern sowie mit 75 Tonnen Kohlen und 250 Eisenbahnschwellen gefüllt, um eine vollständige Verbrennung zu gewährleisten. Scudamore hatte erklärt, die Verbrennung an Ort und Stelle sei sicherer als der Transport der Tierkörper in Beseitigungsanstalten.

Die Erreger der für den Menschen ungefährlichen Seuche kann sehr leicht übertragen werde. Er haftet an Tierprodukten, Kleidung, Autoreifen und kann auch über den Wind verbreitet werden. Zuletzt war Großbritannien 1967 von der Seuche heimgesucht worden. Damals waren 2300 Tiere verendet, 440.000 wurden getötet.

Großbritannien hat alle Tiertransporte untersagt und die Bürger aufgefordert, Spaziergänge in landwirtschaftlichen Regionen zu unterlassen. Die Armee hat ihre Übungen auf ein Mindestmaß reduziert. Minister Brown appellierte zudem an die Briten, den Markt nicht durch Hamsterkäufe zu belasten. Es seien genügend Lebensmittel vorhanden.



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