Große Koalition FDP ärgert sich über Stoiber

Die FDP reagiert sauer auf Gedankenspiele der CSU über eine Große Koalition nach der Bundestagswahl. Liberalen-Chef Guido Westerwelle bezeichnete das "Gerede" als Geschenk für Rot-Grün und Intrige gegen CDU-Chefin Angela Merkel.


Parteivorsitzende Merkel, Westerwelle, Stoiber: Krach um Gedanken an Große Koalition
REUTERS

Parteivorsitzende Merkel, Westerwelle, Stoiber: Krach um Gedanken an Große Koalition

Berlin - Edmund Stoiber sorgte in den eigenen Reihen für kräftige Verwirrung. Bei einer Klausurtagung der CSU-Landesgruppe im oberfränkischen Kloster Banz habe der bayerische Ministerpräsident dafür plädiert, eine Große Koalition nach der Bundestagswahl 2006 nicht grundsätzlich auszuschließen, berichteten mehrere Zeitungen. CSU-Landesgruppenchef Michael Glos soll sich in der gleichen Weise geäußert haben.

Bei der FDP sorgten die Gedankenspiele der Union für nervöse Reaktionen. Parteichef Guido Westerwelle betonte, dass die FDP unverändert auf die Ablösung der rot-grünen Koalition setze - "je schneller, desto besser". Bei weiterer Unklarheit innerhalb der Union hätten die Wähler, die einen echten Politikwechsel wollten, nur die FDP als klare Alternative. Das "Gerede" in der CSU über eine große Koalition vergrößere nur die Überlebenschancen der Koalition. FDP-Vize Rainer Brüderle fügte hinzu: "Wenn sich rote und schwarz lackierte Sozialisten in den Armen liegen, ist keine Hand mehr für die notwendige Reformarbeit frei."

Zugleich wertete der FDP-Vize die Debatte als Beleg für anhaltenden Zwist innerhalb der Union. Im "Machtkampf" mit CDU-Chefin Angela Merkel sei der CSU offensichtlich "jedes perfide Mittel" recht, sagte Brüderle. Die CSU hätte bei der Tagung im Kloster Banz "mehr beten und arbeiten sollen statt irgendwelche halbgaren Gedankenspielchen hinauszuposaunen". Mit Blick auf den 50. Geburtstag der CDU-Chefin sprach Westerwelle gegenüber der "Süddeutschen Zeitung" von einem "üblen Geburtstagsgeschenk für Frau Merkel".

Die Generalsekretäre von CDU und CSU, Laurenz Meyer und Markus Söder, wiegelten in einer gemeinsamen Erklärung ab. "Die Union will einen grundsätzlichen Politikwechsel für Deutschland und die bisherige rot-grüne Koalition durch eine von den bürgerlichen Parteien gestellte Regierung ablösen", versicherten die Generalsekretäre.

Auch Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) sprach sich klar gegen eine Koalition mit der SPD aus. "Wann immer wir eine Mehrheit zusammen mit der FDP haben, sollten wir sie nutzen", sagte er dem "Münchner Merkur". Die Übereinstimmung mit den Freidemokraten sei um ein Vielfaches größer als mit jeder anderen Partei.



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