Merkels Kabinett Die Riege der Wackelkandidaten

Es ist alles klar - aber verraten wird nichts: Mit ihrer Geheimhaltung in Sachen Kabinettsliste stellen die drei Parteichefs Merkel, Gabriel und Seehofer ihre Leute auf die Probe. Gerade für die Wackelkandidaten ist das Warten quälend. Wer dürfte am Ende zu den Enttäuschten zählen?

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Berlin - Sechs für die CDU, sechs für die Sozialdemokraten, drei für die CSU. Das soll dem Vernehmen nach der Schlüssel sein für die Verteilung der schwarz-roten Kabinettsposten. Viel mehr ist nicht bekannt, jedenfalls nicht offiziell. Angela Merkel, Sigmar Gabriel und Horst Seehofer haben nach SPIEGEL-Informationen sämtliche Ministerien samt Namen bereits verteilt, aber eben auch verabredet, das Personaltableau erst einmal für sich zu behalten. Vor dem Mitgliedervotum der SPD soll sich alles nur um Inhalte drehen.

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Heft 49/2013
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Der Schweigepakt der drei Parteivorsitzenden ist für die eigenen Leute eine schwierige Situation. Manche in Union und SPD ahnen oder wissen etwas, dürfen es aber nicht sagen. Manche träumen vom Karrieresprung, müssen aber so tun, als lasse sie die ganze Spekulation kalt. Andere zittern, weil sie für das Kabinett mal als gesetzt galten und jetzt nicht mehr genau wissen, ob sie überhaupt noch im Spiel sind. Es ist furchtbar.

Die Wackelkandidaten dürften dieser Tage besonders nervös sein, wenn bei ihnen das Telefon klingelt. Es könnte ja die Merkel sein. Oder der Gabriel. Dann wird es für die einen ganz schnell gehen, die Minister sollen schließlich noch vor Weihnachten vereidigt werden. Für die anderen tut sich nichts. Sie haben dann nur die Klarheit, dass sie bei der feierlichen Zeremonie zuschauen müssen.

Enttäuschungen und Frust wird es in jedem Fall geben, und mancher in Union und SPD stellt sich dieser Tage schon darauf ein, kein Ministeramt zu bekommen. Oder zumindest nicht das erhoffte.

Ursula von der Leyen: Die Arbeitsministerin könnte die Verliererin in der Großen Koalition werden. Ihr Ressort wird sie nicht behalten können, es gilt als sicher, dass die Sozialdemokraten das Haus übernehmen. Von der Leyen wird eine Neigung zum Außenministerium nachgesagt, aber auch damit dürfte es nicht klappen, wenn denn das Verteidigungsministerium in den Reihen der Union bleibt. Einen Ausweg bietet das Gesundheitsressort. Vor echten Reformen in diesem Bereich scheut Schwarz-Rot allerdings zurück. Das Ministerium wäre also von überschaubarer Attraktivität.

Karl Lauterbach: Niemand bei den Sozialdemokraten verfügt über mehr fachliche Expertise in der Gesundheitspolitik als er - einen Posten im Kabinett wird der 50-Jährige wohl dennoch nicht bekommen. Auf das Gesundheitsressort legt die SPD-Spitze weniger wert als auf das Arbeits- und Familienministerium. Zudem will Gabriel den roten Teil der Regierung mit drei Frauen und drei Männer besetzen. Die Männerplätze scheinen für Sigmar Gabriel, Frank-Walter Steinmeier und Thomas Oppermann reserviert. "Meine Quoten-Pluspunkte Nordrhein-Westfalen und Experte wiegen noch nicht schwerer als mein Quoten-Minus Nicht-Frau", sagt er im aktuellen SPIEGEL. Vielleicht versucht er einen neuen Anlauf in vier Jahren?

Thomas Oppermann: Der Niedersachse ist in der Hierarchie bei den Sozialdemokraten in den vergangenen Jahren steil nach oben geklettert. Ihm wird in Sachen Kabinett ebenso viel zugetraut, wie er sich selbst zutraut: nämlich praktisch alles. Sein Traumressort wäre das Innenministerium, doch das bleibt dem Vernehmen nach bei der CSU. Oppermann könnte am Ende Justizminister werden - oder Fraktionschef. Schlimm ist das nicht. Aber für den 59-Jährigen wäre beides nur eine Notlösung.

Peter Altmaier: Der Umweltminister hat zwar nicht nur eine glückliche Figur gemacht, könnte aber seinen Posten behalten. Dennoch könnte das für Enttäuschungen sorgen. Sollte nämlich das Wirtschaftsministerium die Zuständigkeit für die Energiewende bekommen, würden dem Merkel-Vertrauten wohl wichtige Teile aus seinem Ressort herausgeschnitten. In der Hackordnung des Kabinetts wäre der 55-Jährige damit am unteren Ende angesiedelt.

Ronald Pofalla: Seit vier Jahren ist er Merkels Kanzleramtschef, jetzt würde er gerne mal raus aus dem Schatten der Kanzlerin. Pofalla hätte gerne ein Fachressort. Arbeit- und Soziales oder Gesundheit zum Beispiel. Mit beiden Varianten sieht es schlecht aus. Und so muss er wohl am Ende das bleiben, was er ist.

Hubertus Heil: Den Sozialdemokraten halten viele in der SPD für ministrabel. Aber als Mann - noch dazu aus Niedersachsen - hat er keine Chance auf einen Platz im Kabinett. Der Fraktionsvorsitz im Bundestag wäre für ihn eine hübsche Alternative. Doch auch damit wird es eher nichts. Für den Job gelten Gabriel oder Oppermann als Favoriten - oder, sofern diese nicht wollen, eine Frau.

Barbara Hendricks: Die Schatzmeisterin der SPD würde ebenfalls gerne ins Kabinett, für den Geschmack mancher Sozialdemokraten etwas zu gerne. Ihr wird Interesse am Verteidigungsministerium nachgesagt, auch vor dem Finanzministerium würde sie angeblich nicht zurückschrecken. Ihr Vorteil: Sie ist eine Frau und stammt aus Nordrhein-Westfalen. Der mächtigste Landesverband wird am Ende wohl in der Ministerriege vertreten sein müssen. Ihr Nachteil: Sie hat ein angespanntes Verhältnis zu SPD-Chef Gabriel. Und so ist unklar, ob sie überhaupt einen anderen Job bekommt.

Ralf Stegner: Der SPD-Landeschef von Schleswig-Holstein hätte sich durchaus vorstellen können, einen Regierungsjob zu übernehmen. Aber auch er wusste früh, dass er als Mann keine Chance hat. Trotzdem sind die kommenden Tage und Wochen auch für ihn beruflich entscheidend. Stegner liebäugelt dem Vernehmen nach mit dem Generalsekretärsposten, sollte Andrea Nahles ins Kabinett wechseln. Der 54-Jährige muss zittern. Sollte die Fraktionsspitze erneut männlich besetzt werden, dürften die Frauen das Amt des Generalsekretärs für sich reklamieren.

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Seite 1
leser47116352 01.12.2013
1.
ach wie schoen und wie sinnbildlich fuer die murks koalition, dass kompetenzen keinerlei rolle spielen bei der besetzung der aemter, es geht nur darum, wer machtpolitisch am besten passt, hoerig ist und woher er kommt und ob frau oder mann. ein hr. lauterbach z.B. waere ein guter gesundheitsminister, aber die spd fuehrung interessiert das nicht, kein prestige und machtressort, also egal. da werden lieber solche, bislang nur durch nichtstun glaenzende leute, wie pofalla mit posten versorgt. wirklich erbaermlich. ich hoffe ja immer noch, dass die spd basis diesen ganzen mist scheitern laesst.
Stabhalter 01.12.2013
2.
Zitat von sysoppicture alliance / dpaEs ist alles klar - aber verraten wird nichts: Mit ihrer Geheimhaltung in Sachen Kabinettsliste stellen die drei Parteichefs Merkel, Gabriel und Seehofer ihre Leute auf die Probe. Gerade für die Wackelkandidaten ist das Warten quälend. Wer dürfte am Ende zu den Enttäuschten zählen? http://www.spiegel.de/politik/deutschland/grosse-koalition-wer-alles-nicht-im-kuenftigen-kabinett-sitzen-duerfte-a-936623.html
zu den Enttäuschten zählen allererstens die Wähler,dann die hoffnungsvollen Ministertaspiranten,aber die Oberschulden- macherin Merkel wird auch dieses wieder richten nach ihrem Gutdünken,denn Gabriel bleibt nur die Rolle als Abnicker und Wasserträger der CDU/CSU.
mehrgedanken 01.12.2013
3. hoffentlich kein Dr dabei...
Zitat von sysoppicture alliance / dpaEs ist alles klar - aber verraten wird nichts: Mit ihrer Geheimhaltung in Sachen Kabinettsliste stellen die drei Parteichefs Merkel, Gabriel und Seehofer ihre Leute auf die Probe. Gerade für die Wackelkandidaten ist das Warten quälend. Wer dürfte am Ende zu den Enttäuschten zählen? http://www.spiegel.de/politik/deutschland/grosse-koalition-wer-alles-nicht-im-kuenftigen-kabinett-sitzen-duerfte-a-936623.html
man kann ja nie wissen bei Merkels Händchen fürs Personal, am besten vorsoglich das vollste Vertrauen aussprechen, dann ist das VOR der Vereidigung durch :)
heidi1-preiss 01.12.2013
4. Mein Gott, SPON
Zitat von sysoppicture alliance / dpaEs ist alles klar - aber verraten wird nichts: Mit ihrer Geheimhaltung in Sachen Kabinettsliste stellen die drei Parteichefs Merkel, Gabriel und Seehofer ihre Leute auf die Probe. Gerade für die Wackelkandidaten ist das Warten quälend. Wer dürfte am Ende zu den Enttäuschten zählen? http://www.spiegel.de/politik/deutschland/grosse-koalition-wer-alles-nicht-im-kuenftigen-kabinett-sitzen-duerfte-a-936623.html
Ihr wisst genauso wie auch etliche andere, wie die Ministerpöstchen besetzt werden. Ja, Lauterbach wäre gut fürs Gesundheitsministerium, soll aber dennoch von Doris Ahnen besetzt werden. Oppermann soll als Minister für Wirtschaft und Technologie fungieren. Altmeier, Madams Liebling, bleibt Umweltminister und Pofalla behält auch sein Sesselchen. Di Misere soll das Innenministerium bekommen und Schwesig ist fürs Verteidigungsministerium vorgesehen. Ach, Friedrich, der soll nun als Verkehrsminister nun durchstarten. Usw. usf.
Welo33 01.12.2013
5. Entlarvend - die Quotenproporzgründe!
Anhand dieser Beispiele wird deutlich, was die Politik demnächst auch der Wirtschaft aufzwingen will: "Derjenige mit Kompetenz bekommt die Position nicht, weil er ein Mann ist" - Es wird Zeit dieses krankhafte feministische Denken wirksam zu bekämpfen!
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