Großrazzia gegen IS-Unterstützer Salafisten sollen in Kirchen eingebrochen sein

Polizei und Justiz haben ein Netzwerk von Islamisten gesprengt. Neun Männer aus Nordrhein-Westfalen sollen dschihadistische Gruppierungen in Syrien unterstützt haben, unter anderem mit Diebstählen aus Kirchen und Schulen.
Großrazzia gegen IS-Unterstützer: Salafisten sollen in Kirchen eingebrochen sein

Großrazzia gegen IS-Unterstützer: Salafisten sollen in Kirchen eingebrochen sein

Foto: Victoria Bonn-Meuser/ picture alliance / dpa

Den Sicherheitsbehörden aus Bund und Ländern ist ein schwerer Schlag gegen die dschihadistische Unterstützerszene in Deutschland gelungen. Bundesanwaltschaft und Staatsanwaltschaft Köln haben am Mittwochmorgen in Nordrhein-Westfalen insgesamt neun Islamisten festgenommen. Sie sollen Terrororganisationen in Syrien wie den "Islamischen Staat" unterstützt haben.

"Die Festnahmen und Durchsuchungen beweisen, dass die Sicherheitsbehörden wachsam sind und sämtliche Möglichkeiten zur Bekämpfung extremistischer Salafisten nutzen", sagte NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD). Insgesamt hatten 240 Beamte 40 Wohnungen in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, und Bayern durchsucht.

Bei den Salafisten handelt es sich nach Erkenntnissen der Beamten um eine Gruppierung, die sich um den 31-jährigen Kais B. O. gebildet hatte. Dazu zählten seine Brüder Lazhar, 22, Sofien, 35, und Omar, 25, sowie seine Freunde Mustapha A., 25, Anoaur J., 25, Ali Ö., 23, und Usman A., 29. Ihnen wird die Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat vorgeworfen.

Die Ermittlungsgruppe "Reise" der Kölner Polizei ist überzeugt, dass die in Köln, Siegen, Bergisch-Gladbach, Kreuztal und Netphen lebenden Männer in zahlreiche Schulen und Kirchen eingebrochen sind und dort wertvolle sakrale Gegenstände gestohlen haben. Die Beute hätten die Täter zum Teil an Dschihadisten in Syrien weiterleiten wollen. Zum anderen Teil wollten sie damit die Ausreise von Gesinnungsgenossen nach Syrien finanzieren, wie die Staatsanwaltschaft Köln mitteilte.

Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE waren Unbekannte im vergangenen Dezember in die St.-Bartholomäus-Kirche im Kölner Stadtteil Porz eingedrungen. Sie hatten damals mehrere Kelche entwendet.

Verdeckte Ermittlungen seit Mai 2013

Gegen Kais B. O. ermittelt zugleich auch der Generalbundesanwalt in Karlsruhe, weil der aus Siegen stammende Salafist seit 2013 mindestens drei Kämpfer für den IS angeworben haben soll. Außerdem habe er die Terrortruppe "Junud al-Sham" mit 200 Euro unterstützt, hieß es. Zusammen mit dem ebenfalls festgenommenen Mirza Tamoor B., 58, und sechs weiteren Personen bildete Kais B. O. nach Angaben der Ermittler ein IS-Unterstützernetzwerk. B. wiederum habe mitgewirkt, zwei weitere sogenannte Gotteskrieger aus Deutschland nach Syrien zu schleusen, teilte die Bundesanwaltschaft mit. Außerdem habe er dem IS und der Terrororganisation "Ahrar al Sham" insgesamt 3200 Euro und einen Transporter zur Verfügung gestellt.

Nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen sind von diesen fünf nach Syrien gereisten Kämpfern mittlerweile zwei gestorben.

Laut NRW-Innenministerium ermittelte die Kölner Polizei seit Mai 2013 verdeckt gegen die Salafisten. Demnach geht es um 44 Beschuldigte, überwiegend deutsche Staatsangehörige mit Migrationshintergrund. Die meisten stammen aus Nordrhein-Westfalen, andere aus Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Bayern. Einige Beschuldigte aus dem "radikalen salafistischen Spektrum" stehen nach Angaben der Kölner Staatsanwaltschaft im Verdacht, gefälschte Pässe und Geld für Dschihadisten beschafft zu haben.

Nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen hatte das baden-württembergische Landeskriminalamt den Kölner Ermittlern noch im Spätsommer die Auswertung eines Handys übermittelt, das bei einer Jugendlichen sichergestellt worden war. Das Mädchen, das offenbar nach Syrien ausreisen wollte, unterhielt erstaunlich viele Kontakte in die Salafistenszene. Unter anderem chattete sie mit der Schwester von Munir I., der sich in Syrien dem IS angeschlossen haben soll. Und womöglich kannte sie auch das Netz um Kais B. O.

Es wird erwartet, dass noch am Mittwoch gegen alle neun Salafisten Untersuchungshaft verhängt wird.

Mitarbeit: David Walden
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