Jan Fleischhauer

Artenschutz Rettet die Großwildjagd!

Der Großwildjäger rangiert irgendwo zwischen Drogenhändler und Nazi, dabei kann es durchaus Gründe geben, die Jagd auf Elefanten zu erlauben. Ein Beispiel dafür, wie sehr wir uns bei moralischen Urteilen von Emotionen leiten lassen.

Ich bin vor einer Woche aus Südafrika zurückgekommen. Die erste Frage, die viele Menschen stellen, wenn sie hören, dass man in Afrika war, ist, welche Tiere man gesehen habe. Die Frage nach der Begegnung mit anderen Menschen rangiert erst an zweiter Stelle. Wahrscheinlich ist dies das Schicksal Afrikas. Die Tiere zählen mehr als die Einwohner. Jedes Menschenopfer nehmen wir im Westen achselzuckend hin, aber wenn es dem Elefanten an den Kragen geht, werden alle bleich vor Kummer.

Da, wo ich war, gibt es genug Tiere, um ausnahmsweise mal eine tröstliche Nachricht zu verbreiten. In vielen Gegenden setzen sie inzwischen auf Tourismus, weil sich die Viehzucht nicht mehr lohnt. Also ziehen die Farmer einen Zaun um ihre Anwesen, stellen wilde Tiere hinein und vermarkten das Ganze als "Private Game Reserve". Oder sie verkaufen ihre Farmen an die Regierung, die dann die Einzäunungsarbeit für sie erledigt.

Es ist eigenartig, aber wenn man den ganzen Tag Nashörner oder Zebras sieht, verliert man ein wenig das Interesse. Nashörner sind wundervolle Tiere. Beim ersten Mal denkt man noch: Wow, ein Nashorn. Beim zehnten Mal fährt man einfach weiter. Es ist alles eine Frage der Gewöhnung. Vielleicht sind deshalb viele Afrikaner nicht wirklich betroffen, wenn sie das Bild eines toten Nashorns sehen. Wir würden beim Anblick eines toten Wildschweins auch nicht in Tränen ausbrechen.

Kein Unterschied zwischen Schlachtvieh und Exot

Als ich am Kap unterwegs war, machte die Meldung die Runde, dass ein Großwildjäger bei der Jagd versehentlich erschossen worden sei. Wie ich der Lesestatistik entnommen habe, zählte der Text bei SPON zu den meistgelesenen des Tages. Der Großwildjäger genießt erkennbar keine Sympathien. Auf der Skala der am verachtenswertesten menschlichen Kreaturen rangiert er irgendwo zwischen Drogenhändler und Nazi. Man kann auch sagen: Er ist gewissermaßen der Tier-Nazi unter den Jägern.

Es fällt mir schwer, die Empörung zu teilen. Warum es weniger verwerflich sein soll, ein Schwein zu schlachten als eine Giraffe, will mir nicht einleuchten. Entweder lehnt man es ab, Tiere zu töten, die so intelligent sind, dass man bei ihnen Leidensfähigkeit und auch so etwas wie ein Gefühl der Todesangst annimmt, oder man setzt sich kalt darüber hinweg, indem man Tiere zur Nahrungsquelle erklärt. Aber innerhalb der Säugetiere zwischen Schlachtvieh und schützenswerten Exoten zu trennen, weil die einen in Afrika leben und die anderen nicht? Das ist eine etwas willkürliche Unterscheidung wie mir scheint. Ein Argument kann sein, dass das eine Tier vom Aussterben bedroht ist und das andere nicht. Aber die Aufregung kommt auch ohne das aus, wie man sieht.

Mich interessiert das Thema, weil man am Beispiel der Großwildjagd sehr gut sehen kann, wie stark wir uns bei moralischen Urteilen von unseren Emotionen leiten lassen. Mitgefühl für die leidende Kreatur ist ein schöner Zug. In der Praxis ist Mitgefühl allerdings eine trickreiche Angelegenheit. Wer das Pech hat, keine Empathie zu wecken, weil er zu hässlich ist oder zu gewöhnlich, dessen Schicksal berührt nur wenige.

Gute Sache, krummer Weg

Tatsächlich lassen sich sogar einige gute Gründe für die Großwildjagd ins Felde führen. Ich weiß nicht, ob Sie sich an den Fall des Abteilungsleiters im Thüringer Umweltministerium erinnern, der strafversetzt wurde, nachdem er in Botswana einen Elefanten geschossen hatte. Die Sache war ans Licht gekommen, weil der arme Kerl unvorsichtigerweise Bilder von dem toten Tier an ein paar Kollegen geschickt hatte.

Die Bilder gelangten zu den Grünen, die daraus eine Riesengeschichte machten: Abteilungsleiter im Umweltministerium verletzt Washingtoner Artenschutzübereinkommen! Das war zwar großer Unsinn, wie auch die Grünen wussten, weil das Abkommen in einzelnen Staaten die geregelte Jagd erlaubt. Aber wenn es der guten Sache dient, darf man auch den krummen Weg nehmen.

Das Interessante an der Sache ist, dass sich Großwildjagd und Artenschutz durchaus vertragen können. Der Elefant war in Botswana so zahlreich, dass er mancherorts sogar zur Plage wurde. Statt die Tiere allein durch Ranger bejagen zu lassen, verkaufte die Regierung damals Abschusslizenzen für teures Geld an zahlungskräftige Jagdtouristen. 30.000 Euro hatte der Mann aus Thüringen gezahlt, eine Summe, die hilft, den Einheimischen ein Auskommen zu verschaffen und die Wilderei einzudämmen. Was uns zeigt: Wenn die Gefühle die Urteilskraft trüben, kommt nicht immer das heraus, was man bewirken will.

Mein Problem mit der Großwildjagd ist, dass sie mir so unsportlich erscheint. Ein Nashorn erlegen, das kann sogar ein Baby. So groß, wie es ist, ist es schwer zu verfehlen. Die meiste Zeit steht es einfach da und kaut am Gras. Das Einzige, worauf man achten sollte, ist, dass die Munition groß genug ist, damit das Vieh auch wirklich beim ersten Schuss umfällt. Ein wildgewordenes Nashorn ist kein Spaß, sein Horn geht auch durch Autoblech.