Personalquerelen Eklat im Grünen-Vorstand

Die Grünen streiten massiv über die künftige Wahlkampfführung. Parteichefin Roth und Bundesgeschäftsführerin Lemke sollen sich in einer Vorstandssitzung heftig angegangen haben. Offenbar wurde gebrüllt und mit Rücktritt gedroht.
Claudia Roth (v.l.), Jürgen Trittin und Renate Künast: Parteispitze in der Zerreißprobe

Claudia Roth (v.l.), Jürgen Trittin und Renate Künast: Parteispitze in der Zerreißprobe

Foto: dapd

Berlin - Der Personalstreit bei den Grünen ist komplett verfahren. Seit Monaten lähmt die Frage, wer die Grünen in die Bundestagswahl 2013 führt, die Partei. Nun ist im Bundesvorstand offenbar so etwas wie ein Stellvertreterkrieg geführt worden. Wie die "Bild am Sonntag" berichtet, kam es bei einer Sitzung am vergangenen Dienstag zu einem heftigen Streit, bei dem die Politische Bundesgeschäftsführerin und Wahlkampfleiterin Steffi Lemke mit Rücktritt drohte.

Der Eklat entzündete sich dem Bericht zufolge an der Besetzung der offenen Stelle des organisatorischen Bundesgeschäftsführers und technischen Wahlkampfleiters. Die Parteivorsitzende Claudia Roth wollte die Stelle mit einem ehemaligen Mitarbeiter ihres Büros besetzen. Bundesgeschäftsführerin Lemke hingegen hatte einen eigenen Kandidaten ins Rennen geschickt und lehnte den Vorschlag Roths vehement ab. Parteichef Cem Özdemir, der nach parteiinternen Einschätzungen ein schwieriges Verhältnis zu Lemke hat, stellte sich in der Personalfrage auf die Seite von Roth.

"Es gab eine heftige Brüllerei", berichtete laut "BamS" ein Parteiinsider über die Sitzung. Die Abstimmung über die Stellenbesetzung sei vier zu eins gegen Lemke Personalvorschlag ausgegangen. In dem Artikel heißt es unter Berufung auf Parteikreise weiter, Lemke habe sehr aufgebracht reagiert. "Das mache ich nicht mit. Das hat dann Konsequenzen", soll sie gesagt haben. Das sei als Rücktrittsdrohung verstanden worden.

Um einen Bruch innerhalb der Parteispitze ein Jahr vor der Bundestagswahl zu verhindern, erklärte Roth laut "BamS", dass die wichtige Personalie nicht gegen Lemke entschieden werden dürfe. Der Punkt wurde vertagt, die Sitzung sei ergebnislos abgebrochen worden. Das Blatt zitiert ein Parteiratsmitglied mit den Worten: "Vor der Bundestagswahl bricht das ungelöste Führungsproblem der Grünen massiv auf."

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