Mangelnde Anbindung Grüne fordern Recht auf Fernzüge für Großstädte

Für Städte über 100.000 Einwohner verlangen die Grünen ein Recht auf eine Fernverkehrsanbindung. Viele Großstädte seien inzwischen quasi abgekoppelt - das schade dem gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Katrin Göring-Eckardt

Katrin Göring-Eckardt

Foto: Sina Schuldt/ dpa

Die Grünen sehen in der Krise der Bahn einen Grund für einen Vertrauensverlust der Bevölkerung in den Staat. "Das jahrelange Missmanagement und die politisch gestützte Fehlleistung löst für Millionen Menschen jeden Tag von Neuem das Gefühl aus, dass bei uns im Land irgendwas grundlegend nicht funktioniert", sagte die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Katrin Göring-Eckardt, dem SPIEGEL.

Deswegen fordert sie: "Jede Großstadt ab 100.000 Einwohner soll ein Recht auf eine Fernverkehrsanbindung, mindestens einmal in der Stunde, haben."

Die neue ICE-Strecke von Berlin nach München sei toll für viele Menschen in beiden Metropolen. Das gleichzeitige Ende von immer mehr Regionalverbindungen bedeute aber ein Problem für Menschen überall in Deutschland.

"Es gibt Städte wie Chemnitz, die sind ganz vom Fernverkehr abgekoppelt. Es fahren weder ICE, noch IC oder EC. Dann gibt es zahlreiche Großstädte wie Trier, Krefeld oder Magdeburg, die sind nur symbolisch angebunden. Da fährt manchmal nur ein Fernzug pro Tag", so Göring-Eckardt. Das verschärfe das Problem der ungleichen Lebensverhältnisse, schade dem gesellschaftlichen Zusammenhalt und dem Vertrauen in den Staat.

Partei sucht die Schuld bei der Bundesregierung

Bereits am Dienstag hatten die Grünen die Verantwortung für die Probleme der Deutschen Bahn vor allem der Bundesregierung angelastet. Laut Matthias Gastel, bahnpolitischer Sprecher der Grünen, habe die Regierung versäumt, Wettbewerbsverzerrungen abzubauen, das Bahnnetz zu erweitern und Verkehr von der Straße auf die Schiene zu verlagern.

"Die Bahn gehört dem Bund, und es ist die Pflicht der Bundesregierung, dafür zu sorgen, dass die Bahn wieder verlässlich für alle Bürger fährt", erklärt auch Göring-Eckardt. Die Große Koalition müsse aufhören, teure Straßenneubauprojekte zu finanzieren, solange kaputte Straßen, Brücken und Schienen saniert werden müssten.

An diesem Dienstag trafen sich im Verkehrsministerium Bahnchef Richard Lutz und Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer, um über die Krise der Zugverkehrs zu beraten. Dabei gab es reichlich Diskussionsbedarf - und die Stimmung war auch eher eisig.

Mit Material der Nachrichtenagentur dpa
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