Grüne Fraktionschef Kuhn hält Kanzlerwahl offen

Nach der Wahl ist vor der Wahl: Mit harschen Worten hat Grünen-Fraktionschef Fritz Kuhn im SPIEGEL-Interview den Kanzler attackiert. Gerhard Schröder habe der SPD nie eine längerfristige Perspektive gegeben. Ob die Grünen für Schröder als Kanzler votieren würden, ließ Kuhn offen.


Grüne Kuhn und Künast: Neu an der Fraktionsspitze
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Grüne Kuhn und Künast: Neu an der Fraktionsspitze

Berlin - "Immer nur gucken, was 20 Zentimeter vor der Nase stattfindet, das kann Schröder, aber das reicht nicht aus, nicht in diesen harten Zeiten", sagte Kuhn im Interview mit dem SPIEGEL.

Der Grünen-Politiker war in dieser Woche zusammen mit Renate Künast an die Spitze der neuen Bundestagsfraktion gewählt worden. Er gilt als Exponent des Realo-Flügels. "Statt Situationismus braucht die SPD eine mittel- und längerfristige Perspektive, die ihr Schröder nie gegeben hat", so Kuhn weiter.

Nach Ansicht von Kuhn steckt die SPD in der Krise. Sie rühre daher, "dass sie sich nicht entscheiden konnte zwischen Modernisierungskurs und traditionalistischem, industriepolitischem Betonkurs". Dieses Kernproblem sei noch lange nicht überwunden, so Kuhn, "und wurde durch Schröders genialen Wahlkampf nur überdeckt".

Offen ließ Kuhn die Frage, ob die Grünen bei einer strittigen Kanzlerwahl im Bundestag ihre Stimmen für Gerhard Schröder einbringen werden. "Die Großen haben jetzt den Auftrag, eine Regierung zu bilden. Und ich gehe davon aus, dass das gelingt", so der Grüne. Kuhn zitierte in diesem Zusammenhang auch den Nachkriegs-Vorsitzenden der SPD, Kurt Schumacher. Dieser habe einmal gesagt: "Politik beginnt mit dem Betrachten der Wirklichkeit."

Auf die Frage, was das bedeute, antwortete Kuhn: "Die Union hat ein paar Stimmen mehr als die SPD. Das kann man nicht ignorieren."



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