SPON-Wahltrend Union liegt nur bei den Alten vor den Grünen

Das Grünen-Hoch ist stabil, im SPON-Wahltrend bleiben sie an der Union dran. In fast allen Altersgruppen liegt die Partei mindestens gleichauf mit CDU und CSU - nur die Senioren sind den Konservativen treu.

Abstimmung bei der Bundesdelegiertenkonferenz der Grünen (in Sachsen)
Jan Woitas/ DPA

Abstimmung bei der Bundesdelegiertenkonferenz der Grünen (in Sachsen)

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Das Wahljahr läuft für die Grünen bisher glänzend. Bei der Europawahl hat die Partei deutliche Gewinne gefeiert. In Bremen wurde man zum Königsmacher, wird künftig gemeinsam mit SPD und Linke regieren. Und bundesweit stellt sich so langsam die Kanzlerfrage, die Grünen sind auf dem Weg zur Volkspartei.

Und das Grünen-Hoch ist stabil, wie der SPON-Wahltrend zeigt. In der Sonntagsfrage, erhoben vom Online-Meinungsforschungsinstitut Civey für SPIEGEL ONLINE, kämpft die Partei mit der Union um die Spitzenposition. Die Grünen liegen mit rund 25 Prozent nur knapp hinter CDU und CSU (27 Prozent). Dahinter rangeln abgeschlagen die SPD und AfD (beide zwischen 13 und 14 Prozent) um Platz drei, FDP und Linke sind beide einstellig.

Dass die Grünen eher junge Wähler anziehen, ist nicht neu. Längst aber findet die Partei in allen Altersgruppen Zuspruch: In den verschiedenen Wählergruppen zwischen 18 und 64 Jahren sind die Grünen überall mindestens gleichauf mit der Union.

Bei den 18- bis 29-Jährigen sowie bei den 30- bis 39-Jährigen liegen die Grünen sogar klar vorn. Einzig die Wählergruppe im Alter von mindestens 65 Jahren hält noch eindeutig zu CDU und CSU: Hier kommt die Union auf 37 Prozent, Grüne und SPD sind nur etwa halb so stark.

Dass es überhaupt einen Kampf um Platz eins gibt, dafür hat tatsächlich erst die Dynamik in den Wochen nach den Wahlen in Bremen und Europa gesorgt. Noch rund um die Abstimmungen Ende Mai lag die Union in der Sonntagsfrage deutlich an der Spitze, mit etwa zehn Prozentpunkten Vorsprung auf die Grünen.

Seitdem aber sind nur die Werte der Grünen um rund sechs Prozentpunkte gestiegen. Union und SPD hingegen haben seit Ende Mai jeweils rund zwei Punkte verloren. Die AfD hat sich nach einem kurzzeitigen Tief wieder gefangen.

Anmerkungen zur Methodik: Der SPON-Wahltrend wurde in Kooperation mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey im Zeitraum vom 4. bis 11. Juli 2019 online erhoben. Die Stichprobe umfasste mehr als 10.000 Befragte. Der statistische Fehler lag bei 2,5 Prozent.



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Wie funktioniert die Civey-Methodik?
Das Meinungsforschungsinstitut Civey arbeitet mit einem mehrstufigen vollautomatisierten Verfahren. Alle repräsentativen Echtzeitumfragen werden in einem deutschlandweiten Netzwerk aus mehr als 20.000 Websites ausgespielt ("Riversampling"), es werden also nicht nur Nutzer von SPIEGEL ONLINE befragt. Jeder kann online an den Befragungen teilnehmen und wird mit seinen Antworten im repräsentativen Ergebnis berücksichtigt, sofern er sich registriert hat. Aus diesen Nutzern zieht Civey eine quotierte Stichprobe, die sicherstellt, dass sie beispielsweise in den Merkmalen Alter, Geschlecht und Bevölkerungsdichte der Grundgesamtheit entspricht. In einem dritten Schritt werden die Ergebnisse schließlich nach weiteren soziodemografischen Faktoren und Wertehaltungen der Abstimmenden gewichtet, um Verzerrungen zu korrigieren und Manipulationen zu verhindern. Weitere Informationen hierzu finden Sie auch in den Civey FAQ.
Warum ist eine Registrierung nötig?
Die Registrierung hilft dabei, die Antworten zu gewichten, und ermöglicht so ein Ergebnis für die Umfragen, das für die Wahlbevölkerung in Deutschland repräsentativ ist. Jeder Teilnehmer wird dabei nach seinem Geschlecht, Geburtsjahr und Wohnort gefragt. Danach kann jeder seine Meinung auch in weiteren Umfragen zu unterschiedlichen Themen abgeben.
Wie werden die Ergebnisse repräsentativ?
Die Antwort jedes Teilnehmers wird so gewichtet, dass das Resultat einer Umfrage für die Grundgesamtheit repräsentativ ist. Bei der Sonntagsfrage und beim Regierungsmonitor umfasst diese Grundgesamtheit die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Die Gewichtung geschieht vollautomatisiert auf Basis der persönlichen Angaben bei der Registrierung sowie der Historie früherer Antworten eines Nutzers. Weitere Details zur Methodik stehen im Civey-Whitepaper.
Erreicht man online überhaupt genügend Teilnehmer?
Meinungsumfragen werden in der Regel telefonisch oder online durchgeführt. Für die Aussagekraft der Ergebnisse ist entscheidend, wie viele Menschen erreicht werden können und wie viele sich tatsächlich an einer Umfrage beteiligen, wenn sie angesprochen werden. Internetanschlüsse und Festnetzanschlüsse sind in Deutschland derzeit etwa gleich weit verbreitet - bei jeweils rund 90 Prozent der Haushalte, Mobiltelefone bei sogar 95 Prozent. Die Teilnahmebereitschaft liegt bei allen Methoden im einstelligen Prozentbereich, besonders niedrig schätzen Experten sie für Telefonumfragen ein.
Es gibt also bei beiden Methoden eine Gruppe von Personen, die nicht erreicht werden kann, weil sie entweder keinen Anschluss an das jeweilige Netz hat oder sich nicht an der Umfrage beteiligen möchte. Deshalb müssen für ein aussagekräftiges Ergebnis immer sehr viele Menschen angesprochen werden. Civey-Umfragen sind derzeit neben SPIEGEL ONLINE in mehr als 20.000 andere Webseiten eingebunden, darunter auch unterschiedliche Medien. So wird gewährleistet, dass möglichst alle Bevölkerungsgruppen gut erreicht werden können.
Woran erkenne ich die Güte eines Ergebnisses?
Bis das Ergebnis einer Umfrage repräsentativ wird, müssen ausreichend viele unterschiedliche Menschen daran teilnehmen. Ob das bereits gelungen ist, macht Civey transparent, indem zu jedem Umfrageergebnis eine statistische Fehlerwahrscheinlichkeit angegeben wird. Auch die Zahl der Teilnehmer und die Befragungszeit werden für jede Umfrage veröffentlicht.
Was bedeutet es, wenn sich die farbigen Bereiche in den Grafiken überschneiden?
In unseren Grafiken ist der statistische Fehler als farbiges Intervall dargestellt. Dieses Intervall zeigt jeweils, mit welcher Unsicherheit ein Umfragewert verbunden ist. Zum Beispiel kann man bei der Sonntagsfrage nicht exakt sagen, wie viel Prozent eine Partei bei einer Wahl bekommen würde, jedoch aber ein Intervall angeben, in dem das Ergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit liegen wird. Überschneiden sich die Intervalle von zwei Umfragewerten, dann können streng genommen keine Aussagen über die Differenz getroffen werden. Bei der Sonntagsfrage heißt das: Liegen die Umfragewerte zweier Parteien so nah beieinander, dass sich ihre Fehlerintervalle überlappen, lässt sich daraus nicht ableiten, welche von beiden aktuell bei der Wahl besser abschneiden würde.
Was passiert mit meinen Daten?
Die persönlichen Daten der Nutzer werden verschlüsselt auf deutschen Servern gespeichert und bleiben geheim. Mitarbeiter von Civey arbeiten für die Auswertungen lediglich mit User-IDs und können die Nutzer nicht mit ihrer Abstimmung in Verbindung bringen. Die persönlichen Angaben der Nutzer dienen vor allem dazu, die Antworten zu gewichten und sicherzustellen, dass die Umfragen nicht manipuliert werden. Um dies zu verhindern, nutzt Civey statistische wie auch technische Methoden. Darüber hinaus arbeitet Civey mit externen Partnern zusammen, die Zielgruppen für Werbetreibende erstellen. Nur wenn Nutzer die Datenschutzerklärung sowohl von Civey als auch von einem externen Partner akzeptiert haben, dürfen Ihre Antworten vom Partner zur Modellierung dieser Zielgruppen genutzt werden. Ein Partner erhält aber keine Informationen zu Ihren politischen und religiösen Einstellungen sowie solche, mit denen Sie identifiziert werden können. Civey-Nutzer werden auch nicht auf Basis ihrer Antworten mit Werbung bespielt. Der Weitergabe an Partner können Sie als eingeloggter Nutzer jederzeit hier widersprechen. Mehr Informationen zum Datenschutz bei Civey finden Sie hier.
Wer steckt hinter Civey-Umfragen?
An dieser Stelle haben Leser in der App und auf der mobilen/stationären Website die Möglichkeit, an einer repräsentativen Civey-Umfrage teilzunehmen. Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Zur Erhebung seiner repräsentativen Umfragen schaltet die Software des 2015 gegründeten Unternehmens Websites zu einem deutschlandweiten Umfragenetzwerk zusammen. Neben SPIEGEL ONLINE gehören unter anderem auch der "Tagesspiegel", "Welt", "Wirtschaftswoche" und "Rheinische Post" dazu. Civey wurde durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.


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Remotesensing 11.07.2019
1. Denken und dann wählen
statt sich von Stimmungen und Versprechen beeinflussen zu lassen ist es angeraten, die bisherige Bilanz, den Realitätsbezug und die negativen wie positiven Konsequenzen des Kreuzchens abzuwägen. Bei Jungwähler ist zu 95% das Emotionale ausschlaggebend, daher Grün.Mir würde es im Traum nicht einfallen, die Grünen zu wählen. Das verbietet mir meine Erfahrung und mein gesunder Menschenverstand. Die Partei ist genauso populistisch, autokratisch und gefährlich wie die AfD und bedient sich derselben Methoden.
migampe 11.07.2019
2. Ein Wahltrend
irgendwo zwischen irgendwelchen Wahlen ist ziemlich wertlos. ich muß am Tag der Wahl ganz oben stehen, nicht am 11.07. - das bringt mir ziemlich wenig.
Zukunft3.0 11.07.2019
3.
Wollen wir hoffen, dass die Grünen wirkliche Antworten auf die Fragen der Zukunft haben. Reden ist immer noch etwas anderes als Handeln. Es könnte sein, dass sie auch ganz schnell wieder an Sympathie verlieren, wenn die Bürger merken, dass die Vorhaben mit erheblichen Kostenbelastungen einhergehen und nicht nur das.
dirkcoe 11.07.2019
4. Wenig überraschend
Menschen die sich noch aktiv für Politik interessieren kann die Union absolut nicht mehr überzeugen. Die CDU ist tief gespalten - eine Klein Annegret läuft hilflos jeder Entwicklung hinterher, statt zu führen. Und das Elend mit der Trachtengruppe aus der Provinz spottet nur noch jeder Beschreibung. Es ist dringend notwendig, die Union aus der Regierung zu wählen.
joes.world 11.07.2019
5. Ein Flop alleine, macht noch kein Umfragetief!
Es ist, meiner Meinung nach, nicht der Klimawandel, nicht Greta, der die Grünen zu Höhenflügen bringt und die Union abstürzen lässt. Ich glaube sogar, dass viele Grün-Wähler mit etlichen Ideen der Grünen gar nicht einverstanden sind. Zu viel Zwang, zu teuer, zu viel Bevormundung. Ich glaube, dass es an der stetigen Abnutzung der UNion liegt. Die nur sie selber zu verantworten hat. Und erst in diese Schwäche hinein, die Grünen immer mehr Bürgerliche abziehen können. Die CSU glaubt, es macht nichts, dass ihre Verkehrminister reihum Totalversager sind. Hauptsache die Lobby ist zufrieden. So scheint es mir zumindest. UNd ein schlechter Verkehrsminister, macht ja noch kein Umfragetief. Aber leider gibt es weitere Überforderte in Muttis Kabinett. Da wäre die völlig falsch besetzte Verteidigungsministerin und die Landwirtschaftsministerin. Dieses Duo Infernale der Inkopetenz der CDU, beweist jeden Tag aufs Neue, dass Quotenfrauen Quatsch sind. Denn es geht um Leistung und nicht um ein Geschlecht. Aber Mutti hält stur an dieser geballten Inkompetenz fest. Dann ist Mutti seit Jahren relativ Ideenlos und lässt auch ihr Amt so richtig schön schleifen. Kein Feuer mehr, kein Wille zur Gestaltung und schon gar keine zündende Idee. Irgendwann begeistert das die Wähler auch nicht mehr und sie beginnen sich anderswertig umzusehen. Und wenn Mutti nun auch körperlich angeschlagen wirkt, denken sich viele Bürgerliche: die hat den Absprung aus der Politik nicht geschafft. Und eben diese Bürgerlichen helfen Mutti dann nach. In dem sie vond er Union zu den Grünen wechseln. Meine Meinung halt. Mehr nicht.
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