Niedersachsen-Wahlkampf Trittin sagt Auftritt wegen Skandalkandidat ab

Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin hat einen Wahlkampfauftritt in Cloppenburg abgesagt, weil die Partei weiter für einen umstrittenen Landtagskandidaten wirbt. Dieser hatte nach Protesten gegen ein beleidigendes Gedicht über Beschneidung bereits seinen Rückzug angekündigt.
Grünen-Fraktionschef Trittin: "Das ist für mich nicht akzeptabel"

Grünen-Fraktionschef Trittin: "Das ist für mich nicht akzeptabel"

Foto: Jochen Lübke/ dpa

Cloppenburg - Die Grünen in Cloppenburg müssen in der heißen Phase des Niedersachsen-Wahlkampfs ohne Jürgen Trittin auskommen. Der Fraktionschef der Grünen im Bundestag hat einen Auftritt am Dienstag dort abgesagt, weil die Partei weiter für den umstrittenen Grünen-Direktkandidaten Ulf Dunkel wirbt. "Das ist für mich nicht akzeptabel", schreibt Trittin in einer öffentlichen Erklärung. Die Grünen seien gegen Antisemitismus und Antiislamismus.

Dunkel war im Dezember in die Kritik geraten. In einem im Internet verbreiteten Gedicht hatte er gegen die Beschneidungspraxis von Juden und Muslimen gewettert. "Wetzt das Messer, singt das Lied, ab die Vorhaut von dem Glied", begann das Werk des niedersächsischen Grünen. Zudem bezeichnete er laut der "Süddeutschen Zeitung" in einem anderen Gedicht Juden und Muslime, die an der Beschneidung Neugeborener festhalten, als "Arschlöcher" und "blinde Fanatiker".

Trittin bezeichnete das Gedicht nun als "widerlich", es bediene antisemitische und antiislamische Stereotype. Da für die Veranstaltung in Cloppenburg weiter mit dem Namen und Bild Dunkels geworben werde und der Kandidat weiterhin mit Foto auf der Homepage des Kreisverbands vertreten sei, sage er den Auftritt ab.

Nach scharfen Protesten hatte der Grünen-Kreisverband angekündigt, im Fall eines Wahlsiegs werde Dunkel sein Mandat nicht annehmen. Allerdings war ein Rückzug zu diesem Zeitpunkt nicht mehr möglich, da die Wahlzettel schon gedruckt waren. Dunkel selbst hatte im Dezember auf seiner Facebook-Seite seine Äußerungen verteidigt und jene, die sich durch seinen "Wutausbruch" beleidigt fühlten, um Entschuldigung gebeten.

fdi/dpa