Annäherung von Grünen und FDP Grün-gelbe Pasta-Connection

Ende 2017 scheiterten die Jamaika-Verhandlungen, jetzt wollen junge Politiker von Grünen und FDP neues Vertrauen aufbauen. Dafür haben sie einen Gesprächskreis gegründet. Erster Gast: Joschka Fischer.
Gelbe und grüne Luftballons vor dem Bundestag im Herbst 2017

Gelbe und grüne Luftballons vor dem Bundestag im Herbst 2017

Foto: Kay Nietfeld/ dpa

Rund 16 Monate nach den gescheiterten Sondierungsgesprächen für eine Jamaikakoalition starten Vertreter von Grünen und FDP einen neuen Annäherungsversuch. Junge Politiker der beiden Parteien haben einen Gesprächskreis gegründet, der sich künftig regelmäßig in Berlin treffen soll.

Initiiert haben die Runde der Grünen-Bundestagsabgeordnete Danyal Bayaz, 35, und der FDP-Parlamentarier Lukas Köhler, 32. Beide sitzen seit 2017 im Bundestag. Bayaz gehört zum Realo-Flügel seiner Partei, Köhler ist Umweltpolitiker.

Der Kreis hat sich in der vergangenen Woche zum ersten Mal getroffen, rund 25 Teilnehmer aus beiden Parteien waren dabei, die meisten Bundestagsabgeordnete, darunter auch stellvertretende Fraktionsvorsitzende.

Die Gruppe kam im Gewölbekeller eines italienischen Lokals in Berlin-Mitte zusammen. Zum Essen habe es Pasta gegeben, keine Pizza, wie in Anspielung auf den legendären schwarz-grünen Gesprächskreis, die "Pizza-Connection", betont wird. Die Runde von Unions- und Grünenpolitikern trifft sich interessanterweise in demselben Lokal.

"Eine neue Beziehung zueinander aufbauen"

"FDP und Grüne haben sich in den vergangenen Jahren weit voneinander entfernt", sagte Grünen-Mann Bayaz dem SPIEGEL. "Wir, als jüngere Generation, können eine neue Beziehung zueinander aufbauen." FDP-Politiker Köhler sagte: "Wir haben gemerkt, dass man schlecht miteinander reden kann, wenn man kein Vertrauen aufgebaut hat."

Gastredner beim ersten Treffen der "Pasta-Connection" war der ehemalige Außenminister Joschka Fischer. Er habe über Europa gesprochen, über die Verantwortung, die Deutschland habe. Fischer habe verschiedene Impulse gegeben, die zu kontroversen, aber sehr offenen Diskussionen geführt hätten, berichtete Bayaz.

Die Initiatoren wollen mit dem Gesprächskreis auch eine Basis schaffen, auf der die Parteien in künftigen Sondierungs- oder Koalitionsverhandlungen aufbauen können. Ende 2017 war ein mögliches Jamaika-Bündnis von Union, Grünen und FDP gescheitert, nachdem die Liberalen die Gespräche darüber überraschend abgebrochen hatten.

Die Grünen müssten lernen, dass die FDP nicht die gleiche Partei sei, die 2013 aus dem Bundestag geflogen sei. Umgekehrt müsse die FDP akzeptieren, dass auch die Grünen sich weiterentwickelt hätten, sagte der Liberale Köhler. Grünen-Mann Bayaz betonte, am Ende würden "natürlich Inhalte entscheiden, aber auch, ob man sich vertrauen kann". Ein paar Lockerungsübungen zu machen, könne nicht schaden.

Tatsächlich sind es nicht die ersten Annäherungsverusche dieser Art. Die Fraktionsvizes Stephan Thomae (FDP) und Konstantin von Notz (Grüne) gründeten bereits im vergangenen Jahr einen Gesprächszirkel, der weiterhin regelmäßig zusammenkommt. "Lebensstern" nennt er sich, nach dem Namen der Bar, in der man sich im Westen Berlins trifft.

Auch auf der Ebene der Fraktionsspitze gibt es mehr Kontakte als früher: Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt und FDP-Kollege Christian Lindner gehen auch mal miteinander essen.

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