Sexueller Missbrauch "Unter pädophilen Aktivisten gab es Täter mit grünem Parteibuch"

Die Grünen haben ein heikles Thema ihrer Vergangenheit aufgearbeitet: Drei Jahre nach der Pädophilie-Debatte hat die Partei einen Abschlussbericht vorgelegt. Auch Entschädigungszahlungen spielen eine Rolle.

Simone Peter
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Gut drei Jahre nach Bekanntwerden des Pädophilie-Skandals bei den Grünen in den Achtzigerjahren hat die Partei ihren Abschlussbericht zu den Vorgängen vorgelegt. "Zu den bittersten Erkenntnissen gehört, dass es unter den pädophilen Aktivisten auch Täter mit grünem Parteibuch gab", heißt es in dem über 300 Seiten umfassenden Text, den die Partei nun veröffentlichte.

Die Partei werde sich der Frage, "inwieweit individuelle Taten durch institutionelles Versagen der grünen Partei ermöglicht wurden, weiter in jedem Einzelfall stellen". An die nach Bekanntwerden der Vorwürfe eingesetzte Arbeitsgruppe hätten sich 30 Menschen gewandt, darunter zwölf Betroffene sexuellen Kindesmissbrauchs. Sechs dieser Fälle betrafen den Angaben zufolge Übergriffe in der eigenen Familie oder in Einrichtungen, bei denen kein direkter Zusammenhang zu den Grünen ersichtlich gewesen sei.

Im Vorfeld der Bundestagswahl 2013 war bekannt geworden, dass sich Aktivisten der Pädophilen in den Achtzigerjahren bei den Grünen organisiert hatten und deren Forderungen von Parteigliederungen in Einzelfällen übernommen worden waren. Die Grünen hatten daraufhin über die wissenschaftliche Studie des Göttinger Instituts für Demokratieforschung hinaus eine eigene Aufarbeitung beschlossen.

In drei Fällen, in denen eine "institutionelle Mitverantwortung" der Grünen nicht auszuschließen sei, sei den Betroffenen auf Empfehlung des Anhörungsbeirats eine Zahlung in Anerkennung des von ihnen erlittenen Leides gewährt worden. Es handelte sich demnach um Fälle langjährigen sexuellen Missbrauchs Anfang der Achtzigerjahre in der christlichen Emmaus-Gemeinschaft auf dem Dachsberg in Kamp-Lintfort.

In zwei Fällen konnte es den Angaben zufolge bisher nicht zu einer Prüfung des Sachverhalts kommen. Ein weiterer Fall befinde sich derzeit im Verfahren beim Anhörungsbeirat, an den sich Betroffene weiter wenden könnten.

"Die in den Anfangsjahren der grünen Partei geführte Debatte über die Straffreiheit pädosexueller Handlungen bleibt ein bedrückendes Kapitel unserer Parteigeschichte", sagte Grünen-Chefin Simone Peter. Nachdem sich die Grünen Ende der Achtzigerjahre von den Forderungen der Pädophilen distanziert hätten, "haben wir als Partei diesen Abschnitt als politisch abgeschlossen betrachtet und viel zu spät mit der Aufarbeitung begonnen".

cte/AFP



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