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27. Januar 2018, 13:37 Uhr

Parteitag in Hannover

Baerbock und Habeck - Grüne wählen Realo-Doppelspitze

Die Grünen haben Annalena Baerbock und Robert Habeck zu ihren neuen Vorsitzenden gewählt. Damit bricht die Partei mit einem seit Langem bewährten Prinzip.

Annalena Baerbock und Robert Habeck sind die neuen Vorsitzenden der Grünen. Für das Amt des männlichen Parteichefs gab es keinen Gegenkandidaten, der schleswig-holsteinische Umweltminister erhielt 83,3 Prozent der Stimmen. Die 37-jährige Bundestagsabgeordnete Baerbock setzte sich in einer Kampfabstimmung mit knapp 64,5 Prozent der Stimmen gegen die Parteilinke Anja Piel durch.

Mit der Wahl von zwei Vertretern des Realo-Flügels brechen die Grünen mit ihrem Prinzip, eine Doppelspitze mit Vertretern beider Parteiflügel zu besetzen. Die Klimaschutzexpertin Barbock war unter anderem vom scheidenden Parteichef Cem Özdemir und von Bundestagsfraktionschefin Katrin Göring-Eckardt unterstützt worden.

Baerbock hatte in einer kämpferischen Bewerbungsrede die Europapolitik, die Armutsbekämpfung und den Klimaschutz zu ihren vorrangigen Aufgaben gezählt. Für den Klimaschutz forderte sie "Radikalität" und warnte davor, den Kohleausstieg weiter zu verzögern.

Habeck: "Das ist ein Auftrag"

Die neue Doppelspitze werde auf Augenhöhe arbeiten, sagte Baerbock mit Blick auf den populären Habeck. Der 48-Jährige sagte nach seiner Wahl: "Was ich geworden bin, bin ich durch euch geworden, lasst mich ein bisschen davon an euch zurückgeben." Vor seiner Wahl hatte Habeck an die Partei appelliert, die auseinanderdriftende Gesellschaft wieder zusammenzubringen.

Er attestierte seiner Partei zudem eine neue Geschlossenheit. An den Debatten während des Parteitags zeige sich, "dass die Partei gerade zusammenrückt, dass da was Neues passiert", sagte Habeck. Das wolle er nun weiter voranbringen. Ein Grund zum Feiern sei seine Wahl nicht: "Das ist ein Auftrag." Er wolle die neuen Herausforderungen mit einer "gewissen Demut" angehen.

Am Freitag hatten die Delegierten nach emotionaler Debatte eigens die Satzung geändert - und eine Übergangsfrist für ihr Spitzenpersonal beschlossen. Damit sollte sichergestellt werden, das Habeck nach seiner Wahl zum Parteichef noch bis zu acht Monate lang auch Umweltminister in Schleswig-Holstein bleiben kann.

Habeck hatte einen solchen Passus ausdrücklich gefordert und seiner Partei damit einiges abverlangt. Denn die strenge Trennung von Amt und Mandat ist bislang eines der Grundprinzipien der Grünen, um Machtanhäufung und Interessenkonflikte zu verhindern.

Videoanalyse von Ann-Kathrin Müller:

mxw/dpa

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