Klimakrise Grünen-Ministerpräsident Kretschmann lehnt Flugverbot ab

"Ich halte von dieser ganzen Moralisiererei wenig": Der Grünenpolitiker Winfried Kretschmann spricht sich dagegen aus, Menschen ihren Lebensstil vorzuschreiben. Das gelte auch für ein Verbot innerdeutscher Flüge.
Winfried Kretschmann: "Ich halte von dieser ganzen Moralisiererei wenig"

Winfried Kretschmann: "Ich halte von dieser ganzen Moralisiererei wenig"

Foto: Marijan Murat/ DPA

Die Grünen werden von ihren Gegnern oft als "Verbotspartei" kritisiert. Nun hat sich Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann dagegen ausgesprochen, den Menschen ihren Lebensstil vorzuschreiben. "Ich halte von dieser ganzen Moralisiererei wenig", sagte er im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur. In der Diskussion über Klimaschutz und Flugscham sei es daher keine Lösung, Flüge innerhalb Deutschlands zu verbieten. Es gehe um praktikable Lösungen.

Aus Sicht des Grünenpolitikers müssten moralische Appelle von der Gesellschaft kommen. Es sei nicht Aufgabe der Politik, den Leuten zu sagen, was sie essen dürfen und was nicht und wie sie sich fortbewegen. "Das ist Bestandteil der persönlichen Lebensführung", so Kretschmann.

In den vergangenen Wochen wurde verstärkt über das Reisen mit dem Flugzeug und dessen Auswirkungen in der Klimakrise diskutiert (mehr dazu, wie schädlich Inlandsflüge wirklich sind, erfahren Sie hier).

Kerosinsteuer, Schnellbahnstraßen, synthetische Kraftstoffe

Die Grünen forderten im Bundestag die Streichung sämtlicher Subventionen für den Luftverkehr. Zuvor hatte bereits der Parteivorsitzende Robert Habeck im SPIEGEL-ONLINE-Interview das Ende von Inlandsflügen bis zum Jahr 2035 gefordert. Dies sei "möglich und erstrebenswert", so Habeck. Inlandsflüge müssten überflüssig gemacht werden, die Bahn entsprechend attraktiv und die Tickets so günstig, dass man lieber fahre als fliege.

Parteikollege Kretschmann sagte nun, er sehe eine Lösung darin, Flugzeuge mit synthetischen Kraftstoffen zu betanken, um der Umwelt nicht zu schaden. Zusätzlich müssten eine Kerosinsteuer eingeführt und attraktive Alternativen wie Schnellbahntrassen entwickelt werden. "Kurzflüge von Stuttgart nach Frankfurt oder München sind Unsinn, aber auf Flüge nach Berlin kann ich aus Zeitgründen nicht verzichten", sagte er.

Die Politik müsse die Dinge so ordnen, dass umweltschädliches Verhalten teuer und im Extremfall auch verboten werde. "Wenn meine Politik dazu führt, dass Leute wie Trump regieren, habe ich etwas falsch gemacht", sagte Kretschmann. "Deshalb reden wir über eine CO2-Bepreisung und nicht darum, ob man fliegen darf."

mst/dpa