Bundestagswahl 2013 Grüne wollen Spitzenduo per Urwahl küren

Gerangel um die Führungsposten: Die Grünen wollen mit einer Doppelspitze in den Bundestagswahlkampf ziehen. Falls es mehr als zwei Kandidaten gibt, soll die Basis abstimmen. Es wäre eine Premiere in Deutschland.
Grünen-Politiker Trittin, Roth: Gerangel um die Spitzenkandidatur

Grünen-Politiker Trittin, Roth: Gerangel um die Spitzenkandidatur

Foto: DPA

Berlin - Die Grünen könnten als erste Partei in Deutschland ihre Spitzenkandidaten für den Bundestagswahlkampf per Urwahl bestimmen. Die Mitglieder sollen dabei über ein Spitzenduo abstimmen - allerdings nur wenn es mehr als zwei Kandidaten für die Spitzenposten gibt.

Die Parteivorsitzenden Claudia Roth und Cem Özdemir sowie die Fraktionsvorsitzenden Renate Künast und Jürgen Trittin einigten sich am Wochenende in der Grünen-Zentrale in Berlin auf dieses Verfahren. Nach einem entsprechenden Vorstandsbeschluss soll es dem Parteirat der Grünen an diesem Montag zur Diskussion gestellt werden.

Zunächst hatte es Überlegungen gegeben, mit Trittin als alleinigem Spitzenkandidaten in den Wahlkampf zu ziehen. Doch vor anderthalb Wochen hatte Roth diese Pläne vorerst durchkreuzt: Sie wagte einen Vorstoß und verkündete ihren Willen zur Kandidatur für die Spitzenrolle im Bundestagwahlkampf 2013. Dabei brachte sie auch die Idee einer Urwahl der Kandidaten ins Spiel.

Als wahrscheinlich gilt, dass sich auch Trittin für die Spitzenkandidatur bewirbt. Ob auch Künast und Özdemir antreten wollen, blieb bei dem Führungstreffen dem Vernehmen nach offen. Zudem könnte es mögliche weitere Anwärter aus der Partei geben. In Parteikreisen hieß es, die Bewerbungsfrist für die Doppelspitze solle im September enden.

Roth und Trittin gelten als Favoriten, allerdings sind beide Wortführer des linken Parteiflügels. Eine Grünen-Spitze war stets nicht nur in Mann/Frau aufgeteilt, sondern auch nach Vertretern des linken Flügels und der Realos.

Der Realo und Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer monierte in der "Süddeutschen Zeitung" bereits, alle Teile der Partei müssten eingebunden werden.

Auch Künast und Özdemir hätten genug Rückhalt, um eine Chance bei Urwahl zu haben. Özdemir hatte sich immer für eine Doppelspitze ausgesprochen.

Eine Viererspitze, mit Roth und Özdemir sowie Künast und Trittin, scheint vom Tisch zu sein. Das Gerangel um die Führungsposten ist im vollen Gange und deshalb die Urwahl mehr als nur theoretische Möglichkeit.

Vergleichbare Urwahlen haben Seltenheitswert. 1993 ließ die SPD in einer Mitgliederbefragung den Parteichef von der Basis wählen. Dabei setzte sich der damalige rheinland-pfälzische Ministerpräsident Rudolf Scharping gegen den niedersächsischen Ministerpräsidenten Gerhard Schröder und Präsidiumsmitglied Heidemarie Wieczorek-Zeul durch. Eine Abstimmung über eine Spitzenkandidatur bei Bundestagswahlen, wie sie nun die Grünen durchführen könnten, wäre eine Premiere.

fab/dpa/Reuters
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