Civey-Umfrage Wähler bewerten Schwarz-Grün skeptisch

Eine Koalition zwischen Union und Grünen im Bund wäre perspektivisch möglich, sagen Spitzenvertreter der Parteien. Doch laut einer SPON-Umfrage erwarten die jeweiligen Anhänger eher negative Folgen für die eigene Partei.

Bundesdelegiertenkonferenz von Bündnis 90/Die Grünen
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Auf Landesebene sind schwarz-grüne Bündnisse längst Realität. Sei es in Hessen unter CDU-Führung oder in Baden-Württemberg mit einem grünen Ministerpräsidenten. Auch auf Bundesebene können sich CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer und die Grünen-Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt eine gemeinsame Koalition vorstellen, sagten sie kürzlich in einem Interview.

Schon nach der Bundestagswahl hatten die Parteien eine Zusammenarbeit sondiert, damals noch mit der FDP. Aktuellen Umfragen zufolge könnte es bei Neuwahlen sogar für Schwarz-Grün allein reichen.

Aus einer repräsentativen Umfrage, die das Online-Meinungsforschungsinstituts Civey für SPIEGEL ONLINE vorgenommen hat, geht allerdings hervor: Die Wähler sehen ein Bündnis von Union und Grünen mehrheitlich skeptisch.

Insgesamt geben knapp 43 Prozent der Befragten parteiübergreifend an, eine Koalition mit den Grünen würde der Union eher oder eindeutig schaden. Rund 37 Prozent der Wähler sagten, Schwarz-Grün könnte der Union eher oder eindeutig nutzen.

Demgegenüber glauben rund 40 Prozent der Wähler insgesamt, dass eine Koalition mit der Union den Grünen schaden dürfte. 32,5 Prozent sehen darin Vorteile für die Grünen.

Ähnlich beurteilen auch die Wähler der Grünen die Lage für ihre Partei: rund 43 Prozent von ihnen sind der Ansicht, eine Koalition mit der Union auf Bundesebene würde ihr eher oder eindeutig schaden. 31,5 Prozent finden, es würde den Grünen eher oder eindeutig nutzen.

Auch die Unionswähler zeigen sich kritisch: Rund 36 Prozent sehen einen Nutzen für die eigenen Parteien in einer möglichen schwarz-grünen Koalition. Für rund 44 Prozent überwiegen die Nachteile.

Dennoch erwarten sie einen positiven Effekt im Falle von Schwarz-Grün - und zwar für die Grünen: Rund 45 Prozent der Unionsanhänger sehen einen Nutzen beim möglichen Partner.

Die Grünen-Anhänger wiederum machen CDU/CSU als klare Gewinner in einem möglichen Bündnis aus: 69 Prozent der Befragten finden, ein Bündnis würde der Union nutzen. Nur knappe neun Prozent meinen, es würde CDU und CSU schaden.



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Wie funktioniert die Civey-Methodik?
Das Meinungsforschungsinstitut Civey arbeitet mit einem mehrstufigen vollautomatisierten Verfahren. Alle repräsentativen Echtzeitumfragen werden in einem deutschlandweiten Netzwerk aus mehr als 20.000 Websites ausgespielt ("Riversampling"), es werden also nicht nur Nutzer von SPIEGEL ONLINE befragt. Jeder kann online an den Befragungen teilnehmen und wird mit seinen Antworten im repräsentativen Ergebnis berücksichtigt, sofern er sich registriert hat. Aus diesen Nutzern zieht Civey eine quotierte Stichprobe, die sicherstellt, dass sie beispielsweise in den Merkmalen Alter, Geschlecht und Bevölkerungsdichte der Grundgesamtheit entspricht. In einem dritten Schritt werden die Ergebnisse schließlich nach weiteren soziodemografischen Faktoren und Wertehaltungen der Abstimmenden gewichtet, um Verzerrungen zu korrigieren und Manipulationen zu verhindern. Weitere Informationen hierzu finden Sie auch in den Civey FAQ.
Warum ist eine Registrierung nötig?
Die Registrierung hilft dabei, die Antworten zu gewichten, und ermöglicht so ein Ergebnis für die Umfragen, das für die Wahlbevölkerung in Deutschland repräsentativ ist. Jeder Teilnehmer wird dabei nach seinem Geschlecht, Geburtsjahr und Wohnort gefragt. Danach kann jeder seine Meinung auch in weiteren Umfragen zu unterschiedlichen Themen abgeben.
Wie werden die Ergebnisse repräsentativ?
Die Antwort jedes Teilnehmers wird so gewichtet, dass das Resultat einer Umfrage für die Grundgesamtheit repräsentativ ist. Bei der Sonntagsfrage und beim Regierungsmonitor umfasst diese Grundgesamtheit die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Die Gewichtung geschieht vollautomatisiert auf Basis der persönlichen Angaben bei der Registrierung sowie der Historie früherer Antworten eines Nutzers. Weitere Details zur Methodik stehen im Civey-Whitepaper.
Erreicht man online überhaupt genügend Teilnehmer?
Meinungsumfragen werden in der Regel telefonisch oder online durchgeführt. Für die Aussagekraft der Ergebnisse ist entscheidend, wie viele Menschen erreicht werden können und wie viele sich tatsächlich an einer Umfrage beteiligen, wenn sie angesprochen werden. Internetanschlüsse und Festnetzanschlüsse sind in Deutschland derzeit etwa gleich weit verbreitet - bei jeweils rund 90 Prozent der Haushalte, Mobiltelefone bei sogar 95 Prozent. Die Teilnahmebereitschaft liegt bei allen Methoden im einstelligen Prozentbereich, besonders niedrig schätzen Experten sie für Telefonumfragen ein.
Es gibt also bei beiden Methoden eine Gruppe von Personen, die nicht erreicht werden kann, weil sie entweder keinen Anschluss an das jeweilige Netz hat oder sich nicht an der Umfrage beteiligen möchte. Deshalb müssen für ein aussagekräftiges Ergebnis immer sehr viele Menschen angesprochen werden. Civey-Umfragen sind derzeit neben SPIEGEL ONLINE in mehr als 20.000 andere Webseiten eingebunden, darunter auch unterschiedliche Medien. So wird gewährleistet, dass möglichst alle Bevölkerungsgruppen gut erreicht werden können.
Woran erkenne ich die Güte eines Ergebnisses?
Bis das Ergebnis einer Umfrage repräsentativ wird, müssen ausreichend viele unterschiedliche Menschen daran teilnehmen. Ob das bereits gelungen ist, macht Civey transparent, indem zu jedem Umfrageergebnis eine statistische Fehlerwahrscheinlichkeit angegeben wird. Auch die Zahl der Teilnehmer und die Befragungszeit werden für jede Umfrage veröffentlicht.
Was bedeutet es, wenn sich die farbigen Bereiche in den Grafiken überschneiden?
In unseren Grafiken ist der statistische Fehler als farbiges Intervall dargestellt. Dieses Intervall zeigt jeweils, mit welcher Unsicherheit ein Umfragewert verbunden ist. Zum Beispiel kann man bei der Sonntagsfrage nicht exakt sagen, wie viel Prozent eine Partei bei einer Wahl bekommen würde, jedoch aber ein Intervall angeben, in dem das Ergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit liegen wird. Überschneiden sich die Intervalle von zwei Umfragewerten, dann können streng genommen keine Aussagen über die Differenz getroffen werden. Bei der Sonntagsfrage heißt das: Liegen die Umfragewerte zweier Parteien so nah beieinander, dass sich ihre Fehlerintervalle überlappen, lässt sich daraus nicht ableiten, welche von beiden aktuell bei der Wahl besser abschneiden würde.
Was passiert mit meinen Daten?
Die persönlichen Daten der Nutzer werden verschlüsselt auf deutschen Servern gespeichert und bleiben geheim. Mitarbeiter von Civey arbeiten für die Auswertungen lediglich mit User-IDs und können die Nutzer nicht mit ihrer Abstimmung in Verbindung bringen. Die persönlichen Angaben der Nutzer dienen vor allem dazu, die Antworten zu gewichten und sicherzustellen, dass die Umfragen nicht manipuliert werden. Um dies zu verhindern, nutzt Civey statistische wie auch technische Methoden. Darüber hinaus arbeitet Civey mit externen Partnern zusammen, die Zielgruppen für Werbetreibende erstellen. Nur wenn Nutzer die Datenschutzerklärung sowohl von Civey als auch von einem externen Partner akzeptiert haben, dürfen Ihre Antworten vom Partner zur Modellierung dieser Zielgruppen genutzt werden. Ein Partner erhält aber keine Informationen zu Ihren politischen und religiösen Einstellungen sowie solche, mit denen Sie identifiziert werden können. Civey-Nutzer werden auch nicht auf Basis ihrer Antworten mit Werbung bespielt. Der Weitergabe an Partner können Sie als eingeloggter Nutzer jederzeit hier widersprechen. Mehr Informationen zum Datenschutz bei Civey finden Sie hier.
Wer steckt hinter Civey-Umfragen?
An dieser Stelle haben Leser in der App und auf der mobilen/stationären Website die Möglichkeit, an einer repräsentativen Civey-Umfrage teilzunehmen. Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Zur Erhebung seiner repräsentativen Umfragen schaltet die Software des 2015 gegründeten Unternehmens Websites zu einem deutschlandweiten Umfragenetzwerk zusammen. Neben SPIEGEL ONLINE gehören unter anderem auch der "Tagesspiegel", "Welt", "Wirtschaftswoche" und "Rheinische Post" dazu. Civey wurde durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.

Wer steckt hinter Civey? An dieser Stelle haben Leser in der App und auf der mobilen/stationären Website die Möglichkeit, an einer repräsentativen Civey-Umfrage teilzunehmen. Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Das Start-up arbeitet mit unterschiedlichen Partnern zusammen, darunter sind neben SPIEGEL ONLINE auch der "Tagesspiegel", "Cicero", der "Freitag" und Change.org. Civey wird durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.



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isi-dor 04.03.2019
1. Kann niemand wissen!
Wie Schwarz-Grün laufen könnte oder nicht, das kann niemand wissen. In Deutschland gibt es derzeit nur ein einziges Erfolgsmodell mit diesen beiden Parteien und das heißt: Grün-Schwarz! Kretschmann könnte auch Kanzler!
kratzdistel 04.03.2019
2. es gibt doch andere aktuelle problem
bis dahin fließt noch viel wasser den Rhein herunter. grokos fördern den Proporz sind aber oft notwendig. wsie weit ist scheuer mit seinen vollmundigen Versprechungen zur luftreinhsalterichtlinie in der eu. das wäre aktuell
isar56 04.03.2019
3. zum 287 Mal
halte ich fest: wenn ich grün wähle, soll auch grün drin sein. Noch niemals habe ich die Union gewählt. In 42 Jahren. Die Grünen sind zu Lobbyisten verkommen und verraten ihre Ideale aufs Erbärmlichste. Wo waren die als es um den Hambacher Forst ging? Zuerst stimmten sie zu. Als dann endlich dieser Raubbau abgestellt wurde applaudierten sie. TTIP, Glyphosat - nichts ist passiert. An Hartz IV waren sie maßgeblich beteiligt. Göhring-Eckhardt äußerte damals, der Regelsatz wie er jetzt ist reiche aus. Sozialpolitik 6, Umweltpolitik 5, Arbeitsmarkt-, Rentenpolitik - ungenügend. Bildung - mangelhaft bis ungenügend.... Und sie labern von Umweltschutz, Bienchen und der zunehmenden Betonversiegelung in den Städten. Es bleibt beim Labern. GETAN wird nix. Hin und wieder an passender oder unpassender Stelle wird sich empört und ist man betroffen.
Europa! 04.03.2019
4. Gedankenspiele
Die Ergebnisse sind interessant. Aber die Fragen sind ja komplizierter. Sie lauten: Wann soll eine CDU/Grünen-Koalition zustande kommen? Vor oder nach den nächsten BT-Wahlen? Wer soll Kanzler oder Kanzlerin sein? Ist eine CDU/Grünen-Koalition ohne eine dritte Partei überhaupt möglich? Alles ungeklärt. Also lautet die jetzt entscheidende praktische Frage: Welche Parteien sollen Frau Kramp-Karrenbauer Ende des Jahres unterstützen, wenn sie die Kanzlerschaft übernimmt? CDU/CSU/Grüne reicht nicht ...
haresu 04.03.2019
5. Wird kommen, muss kommen
Die Einen fürchten zuviel Veränderung, die Anderen fürchten zu wenig Veränderung. Und nicht trotzdem sondern genau deshalb wird diese Koalition fast zwangsläufig kommen. Nur in einer solchen Koalition wird sich entscheiden können welche Kraft stärker ist.
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