Claudia Roth im Interview Grünen-Chefin schließt Ampel kategorisch aus

Ein Bündnis mit SPD und FDP? Kommt für Claudia Roth nicht in Frage. Im Interview erteilt die Grünen-Chefin einer Ampel-Koalition eine klare Absage. Zudem schickt sie eine Warnung an die Sozialdemokraten und Peer Steinbrück.

Grünen-Chefin Roth: "Ich stehe für knallgrün"
dapd

Grünen-Chefin Roth: "Ich stehe für knallgrün"

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Berlin - Grünen-Chefin Claudia Roth hat eine Ampel-Koalition nach der Bundestagswahl 2013 kategorisch ausgeschlossen. "Eine Ampel-Koalition schließe ich aus", sagte Roth SPIEGEL ONLINE. "Wie sollen wir denn ernsthaft mit einer FDP, die uns in maßgeblichen Politikbereichen so diametral entgegensteht, zusammenarbeiten? Eine glaubwürdige Politik können wir mit der FDP nicht machen. Wir sind nicht die Reha-Station für die siechenden Liberalen."

Mit ihrer klaren Absage an ein Bündnis mit FDP und Sozialdemokraten bringt die Grünen-Chefin die SPD in ein strategisches Dilemma. Führende Sozialdemokraten sehen in einem Ampel-Bündnis nach der Bundestagswahl einen möglichen Weg ins Kanzleramt. Nach der Absage der Grünen lässt sich diese Option nicht mehr glaubhaft offenhalten.

Roth forderte die SPD zu einem rot-grünen Schwur und einer klaren Absage an die Große Koalition auf. "Die Große Koalition hat Peer Steinbrück nur für sich selbst ausgeschlossen, nicht aber für die SPD insgesamt", sagte Roth. "Das ist ein schwerer Fehler. Denn mit einem Bündnis aus Union und SPD hätten wir einen politischen Stillstand, und die wirklichen Probleme blieben ungelöst liegen."

Lesen Sie hier das ganze Interview mit Claudia Roth:

SPIEGEL ONLINE: Derzeit läuft in Ihrer Partei das Urwahl-Verfahren zur Spitzenkandidatur. Was können Sie denn besser als, sagen wir, Renate Künast oder Katrin Göring Eckardt?

Roth: Das Gute an der Urwahl ist, dass wir genau diese Fragen so nicht stellen. Die Urwahl ist unsere Antwort auf das SPD-Troika-Männergeklüngel. Es geht um mehr innerparteiliche Demokratie, um einen fairen Wettstreit auf offener Bühne und die Bedeutung unserer Frauenquote. Wir sind da stilbildend, finde ich.

SPIEGEL ONLINE: Aber was bringen denn überhaupt solche Wahlen, wenn nicht auch die Unterschiede betont werden?

Roth: Wir unterscheiden uns nicht diametral. Mit uns werden verschiedene Politikstile und unterschiedliche Kernthemen verbunden. Was mich angeht, wissen die Grünen, dass ich leidenschaftlich für unsere Grundwerte streite und dabei keine Auseinandersetzung scheue - auch nicht mit all den selbst ernannten Leitkulturalisten dieses Landes. Diese meinen gerade wieder einmal, sie müssten Asylsuchende zu vermeintlichen "Sozialschmarotzern" machen und Ressentiments gegen Minderheiten schüren.

SPIEGEL ONLINE: Mit Ihnen würden die Grünen also auf Attacke setzen?

Roth: Die Grünen-Mitglieder haben zu entscheiden, ob sie jemanden als Aushängeschild im Wahlkampf haben wollen, der oder die das Wegducken unserer präsidialen Kanzlerin konterkarieren kann und dafür sorgt, dass ihre Strategie eines demobilisierenden Kuschelwahlkampfes nicht aufgeht. Und es geht darum, grüne Eigenständigkeit zu betonen. Wir sind eben nicht ein Juniorpartner, ein kleiner Ableger oder Anhängsel der SPD. Ich stehe für knallgrün.

SPIEGEL ONLINE: Eine Umfrage im Auftrag von SPIEGEL ONLINE sieht Trittin und Künast vorne. Was machen Sie eigentlich, wenn Sie verlieren?

Roth: Die Umfrage zeigt vor allem auch, dass es wohl ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen gibt, auch wenn man von den Grünen-Wählerinnen und -wählern nicht eins zu eins auf unsere Mitglieder schließen kann. Bis Ende Oktober werden wir jetzt alle noch alles geben, das ist doch klar.

SPIEGEL ONLINE: Und Ihre Zukunftspläne im Falle einer Niederlage?

Roth: Wenn du Angst davor hast, zu verlieren, dann brauchst du dich erst gar nicht bei einem solchen offenen Verfahren bewerben. Ich würde auch nach einer Niederlage in der Urwahl wieder als Bundesvorsitzende antreten und mich in Bayern um die Spitzenkandidatur bewerben. Egal ob mit oder ohne Bundesspitzenkandidatur: Ich will im Bund und in Bayern einen unglaublich spannenden Wahlkampf aktiv mitgestalten.

SPIEGEL ONLINE: In Ihrer Partei gibt es derzeit Diskussionen über mögliche Koalitionspartner. Frau Künast hat eine Ampel-Koalition ausgeschlossen. Ist das nicht ein bisschen früh?

Roth: Wenn wir Grüne sagen, wir sind nicht eine Funktionspartei, sondern eine Partei, in der inhaltliche Übereinstimmungen über Bündnisse entscheiden, dann gibt es schlichtweg nur einen Koalitionspartner. Das ist die Sozialdemokratie. Eine Ampel-Koalition schließe ich aus. Wie sollen wir denn ernsthaft mit einer FDP, die uns in maßgeblichen Politikbereichen so diametral entgegensteht, zusammenarbeiten? Eine glaubwürdige Politik können wir mit der FDP nicht machen. Wir sind nicht die Reha-Station für die siechenden Liberalen.

SPIEGEL ONLINE: Wäre Schwarz-Grün eine Alternative?

Roth: Unsinn. Nur weil Frau Merkel einen halbherzigen Atomausstieg beschlossen hat, koalieren wir noch lange nicht mit der Union. Die Kanzlerin lächelt nett. Aber sie steht für etwas. Ich will, dass wir ihre Verantwortung für eine verheerende Regierungsbilanz deutlich machen. Wir sind auch nicht der Ersatz für einen abhanden gekommenen Koalitionspartner.

SPIEGEL ONLINE: Also geht es ab in die Opposition, wenn es für Rot-Grün nicht reicht?

Roth: 2013 wird es um die Frage gehen, mit wem wir eine andere Politik machen können. Ich bin überzeugt, es kann nur zwei Alternativen geben: Entweder Rot-Grün oder die Große Koalition. Die Große Koalition hat Peer Steinbrück nur für sich selbst ausgeschlossen, nicht aber für die SPD insgesamt. Das ist ein schwerer Fehler. Denn mit einem Bündnis aus Union und SPD hätten wir einen politischen Stillstand, und die wirklichen Probleme blieben ungelöst liegen.

SPIEGEL ONLINE: Viele Grüne haben mit Peer Steinbrück in der Vergangenheit ihre Schwierigkeiten gehabt. Inwieweit fürchten Sie, dass es in einem rot-grünen Bündnis zu neuen Spannungen käme?

Roth: Alle sind lernfähig. Auch Peer Steinbrück. Dass es in der Sozialdemokratie auch anders geht als mit Macho-Gehabe, zeigt ja Frau Kraft in NRW. Sie prägt einen anderen politischen Stil in der Koalition und darauf setze ich auch beim SPD-Kanzlerkandidaten. Wir müssen anständig miteinander umgehen. Er muss wissen, dass wir eben nicht das Anhängsel sind, sondern eigenständige Grüne, die man auf Augenhöhe respektieren muss.

SPIEGEL ONLINE: Könnte es mit ihm auch inhaltlich schwierig werden?

Roth: Wir machen jetzt erstmal einen Grünen-Wahlkampf. Aber klar: Steinbrück macht schon auch als Person deutlich, warum es starke Grüne braucht. Die ganze Dimension der ökologisch-sozialen Transformation, die ganze Modernisierung einer tief verstaubten, eingemotteten Gesellschaftspolitik von Schwarz-Gelb - dafür stehen vor allem wir. Nicht Steinbrück.

insgesamt 84 Beiträge
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Seite 1
kenterziege 20.10.2012
1. Roth, Roth , Grün
Veilleicht läuft es ja drauf hinaus
EchoRomeo 20.10.2012
2. Ist im Prinzip egal was die Roth keift
da sie ohnehin nicht zum Wahlkampf-Doppel der Grünen gehören wird, kann sie auch rosa Deckel für Biotonnen fordern und ihr Schicksal damit verknüpfen. Nach der Wahl ist sie sowieso erste wahl für den Seniorenstift der Grünen.
rg-net 20.10.2012
3. optional
Katrin Göring Eckardt die Hartz IV Treiberin und Scheinheilige Pfaffin aus dem Osten ist doch schlimmer wie die FDP
LK1 20.10.2012
4. Deren Sorgen möchte ich haben...
Wenn die Hölle nicht zufriert, haben wir im nächsten Jahr eine große Koalition. Bis Grüne wieder Regierungsverantwortung übertragen bekommen, wird wohl noch eine Menge dreckiges Wasser den Rhein bilden.
rg-net 20.10.2012
5. optional
"Nur weil Frau Merkel einen halbherzigen Atomausstieg beschlossen hat"...Die Grünen haben auch nichts zustande gebracht ausser Hartz IV. Weder einen Atomausstieg der war eine Laufzeitverlängerung, noch die Lebensmittelskandale geregelt, noch eine gerechtere Steuerpolitik, noch ein besseres Gesundheits und Rentensystem, dafür waren sie bei der Deregulierung des Arbeitsmarktes und des Bankensystems kräfig dabei. Also wofür Grün/Rot, das macht Merkel genauso "gut". Wenn Chaos dann gleicht Piraten mit der Linkspartei, dass wird wenigsten lustig: hahaha....
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