Vermögensberater Wermuth Grünen-Großspender überweist erneut Riesensumme

Erst im Frühjahr hatte der Berliner Vermögensberater Jochen Wermuth den Grünen 300.000 Euro überwiesen - jetzt beglückt er die Partei erneut mit einer ungewöhnlich hohen Spende.
Vermögensberater Jochen Wermuth

Vermögensberater Jochen Wermuth

Foto: Wermuth Asset Management

Kurz vor den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin haben die Grünen eine Großspende des Berliner Finanzinvestors Jochen Wermuth erhalten. Das geht aus einer Meldung der Partei an den Bundestag hervor , die am Donnerstag veröffentlicht wurde. Es handelt sich um eine Summe in Höhe von 299.989 Euro.

Keine andere Partei bekam zuletzt einen ähnlichen Betrag überwiesen, für die Grünen ist es eine der höchsten Spenden überhaupt. Sowohl Wermuths Büro als auch die Grünen-Bundesgeschäftsstelle bestätigten den Vorgang auf Anfrage.

Das Geld ging den Angaben zufolge am 29. August 2016 auf dem Konto der Grünen ein. Jochen Wermuth ist kein Unbekannter in der Partei. Er hatte bereits im März 2016 eine Rekordsumme von exakt 300.000 Euro überwiesen. SPIEGEL ONLINE hatte darüber berichtet, seine Beweggründe erklärte Wermuth in einem Interview.

So verteilen sich die Großspenden aktuell auf die einzelnen Parteien:


Die Großspende aus dem Frühjahr war ausschließlich an den Grünen-Landesverband Baden-Württemberg geflossen. Wermuth wollte damit Ministerpräsident Winfried Kretschmann beim Ziel der Wiederwahl unterstützen. Kretschmann gewann die Wahl und regiert seitdem mit Deutschlands erster grün-schwarzer Koalition.

Auch die aktuelle Spende ist SPIEGEL-Informationen zufolge indirekt zweckgebunden. 30.000 Euro sind für den Grünen-Wahlkampf in Mecklenburg-Vorpommern eingeplant, dort wird diesen Sonntag gewählt.

Der Rest soll die Berliner Grünen unterstützen, die sich gerade auf die Wahl am 18. September vorbereiten. Das bestätigte Wermuths Büro auf Anfrage. Der "krumme" Betrag von 299.989 Euro sei mit Tages-Limits bei den Überweisungen zu begründen. Die Spende sei inzwischen auf 300.000 Euro aufgerundet worden, hieß es weiter.

Nach Angaben der Bundes-Grünen setzt sich die Gesamtsumme der jüngsten Spende wie folgt zusammen:

  • Im August 2016 ging eine Spende von 250.000 Euro an den Landesverband Berlin.
  • Außerdem ging im August eine Spende in Höhe von insgesamt 19.990 Euro direkt an Kreisverbände in Berlin.
  • Beim Landesverband Mecklenburg-Vorpommern ging ebenfalls im Monat August eine Gesamtspende in Höhe von 29.999 Euro ein.

Im Frühjahr hatte Wermuth das Geld als Privatperson gespendet, das ist auch dieses Mal der Fall. Inzwischen sind die Bande zwischen dem 46-Jährigen und der Partei aber um einiges enger geworden. Der Manager signalisierte zuletzt, er wolle sich dauerhaft bei den Grünen engagieren.

Mitgliedsantrag ist eingereicht

So stellte Wermuth im April einen Mitgliedsantrag im Kreisverband Berlin-Mitte. Auch der Berliner Grünen-Landesverband bestätigte, Wermuths Antrag auf Mitgliedschaft erhalten zu haben. Inzwischen dürfte der Antrag bewilligt worden sein, der Landesvorstand hatte damals mitgeteilt, es handele sich nur noch um eine Formalie.

Die Grünen setzten Wermuth für die Wahl der nächsten Bezirksverordnetenversammlung in Berlin-Mitte auf Listenplatz 30. Auch durfte der Investor auf einem Landesparteitag im April eine Gastrede halten.

Jochen Wermuth war in den Neunzigern Wirtschaftsberater der russischen Regierung, heute investiert er in Ökofirmen. Lobbyismus-Vorwürfe hatte Wermuth nach seiner ersten Rekordspende zurückgewiesen: "Ich möchte grüne Ziele vorantreiben. Ich verdiene viel Geld, damit kann ich Gutes tun", sagte er im SPIEGEL-ONLINE-Interview.

Seine aktuelle Spende begründet Wermuth ähnlich: "Die Grünen haben von allen Parteien in Deutschland das aussichtsreichste und entschlossenste Programm, um die dringend notwendige Energie- und Verkehrswende in Deutschland aktiv voranzutreiben", teilte er am Donnerstag in einer schriftlichen Erklärung mit.

Eine "grüne und nachhaltige Wirtschaft" sei gerade in einer Stadt wie Berlin "dringend nötig".