Grünen-Politiker Cohn-Bendit "Der Merkozy-Wahlkampf ist nur Show"

Angela Merkel will Frankreichs Präsident Sarkozy zur Wiederwahl verhelfen. Der deutsch-französische Grünenpolitiker Daniel Cohn-Bendit kritisiert das im Interview: Die Merkozy-Kampagne sei nutzlos und unlogisch.

Grüner Cohn-Bendit: "Das ist eine nutzlose, kindische Kampagne"
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Grüner Cohn-Bendit: "Das ist eine nutzlose, kindische Kampagne"


SPIEGEL ONLINE: Herr Cohn-Bendit, Angela Merkel macht Wahlkampf für Nicolas Sarkozy, die französische Opposition scherzt bereits über Sarkozys "Deutschland-Besoffenheit". Wächst in Frankreich die Germanophobie?

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Heft 6/2012
Was ist noch Erschöpfung? Was ist schon Krankheit?

Cohn-Bendit: Natürlich gibt es in einem Teil der französischen Gesellschaft germanophobe Ressentiments, genauso wie es in Deutschland bei manchen eine deutsche Überheblichkeit gibt. Aber nicht in der breiten Bevölkerung.

SPIEGEL ONLINE: Wo kommt die Abneigung gegen die Deutschen her?

Cohn-Bendit: Das sind unkontrollierte Gefühle, die sich aus der Geschichte speisen. Etwa wenn der Sprecher der Sozialisten Kanzlerin Merkel mit Bismarck vergleicht. Das ist natürlich total neben der Kappe. Als sich die Deutschen beim Libyen-Einsatz im Uno-Sicherheitsrat enthalten haben, hat sogar Sarkozy die Deutschen als feige bezeichnet. Das zeigt auch die Widersprüchlichkeit an der jetzt zur Schau gestellten Verbindung Merkel-Sarkozy.

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Merkel und Sarkozy: Zweckbündnis für den Machterhalt
SPIEGEL ONLINE: Glauben Sie, dass Sarkozy mit Hilfe der Kanzlerin punkten kann?

Cohn-Bendit: Warum sollten Franzosen aus der Mitte der Gesellschaft, die die Nase voll haben von Sarkozy, plötzlich doch für ihn stimmen, nur weil Angie im Fernsehen auftaucht? Das Ganze ist eine nutzlose, kindische Kampagne - und im Übrigen auch unlogisch. Denn eigentlich will Sarkozy im Wahlkampf den Schröder geben, den Macher. Also müsste sich Merkel für die Hartz-IV-Reformen von Schröder bedanken, damit Sarkozy sie für sich nutzen kann. Das ist durch die Brust zum linken Ohr und vollkommener Schwachsinn.

SPIEGEL ONLINE: "Ich unterstütze Sarkozy, egal was er tut", hat die Kanzlerin gesagt - jetzt hat Frankreichs Präsident also die starke Frau in der Euro-Krise an seiner Seite. Könnte das nicht doch seine Glaubwürdigkeit erhöhen?

Cohn-Bendit: Sarkozy wird die Karte spielen: "Ich opfere mich für Frankreich, für mich ist es das Wichtigste, dass das Land aus der Krise herauskommt." Aber Fakt ist: Sarkozy ist vollkommen anders als Merkel. Wenn es stimmt, dass die Deutschen 2005 Schröder abgewählt haben, weil er ihnen zu schickimicki war, und die Franzosen ähnlich fühlen und auch Ruhe wollen, dann wählen sie eben nicht mehr Sarkozy, sondern eher den Sozialisten François Hollande. Interessant ist, dass Merkel sich für diese Spielerei hergibt. Sie sichert sich so Sarkozys Solidarität, damit sie ihren harten Kurs in der Euro-Krise durchziehen kann. Aber ihr Verhalten ist alles andere als klug. Sollte Hollande die Präsidentschaftswahlen gewinnen, und danach sieht es im Moment aus, wird sie wieder eine Kehrtwende machen und gute Miene zum bösen Spiel.

SPIEGEL ONLINE: "Wir wollen Deutschland nacheifern", hat Sarkozy verkündet. Lassen sich das politische und wirtschaftliche System Deutschlands und Frankreichs denn überhaupt vergleichen?

Cohn-Bendit: Klar kann man sagen, dass Frankreich ähnlich wie Deutschland langfristig aus der Atomenergie aussteigen kann, klar könnte man sich etwas vom dualen Ausbildungssystem der Deutschen abschauen. Und wirtschaftlich spielt die Frage nach einer Liberalisierung des Arbeitsmarkts eine große Rolle in der französischen Debatte. Frankreich hat ein immer größer werdendes Außenhandelsdefizit. Dass Deutschland im Gegensatz dazu gut da steht, liegt aber nicht an Hartz IV oder niedrigeren Löhnen - sondern schlicht daran, dass deutsche Betriebe immer auf qualitativ hochwertige Produkte und Dienstleistungen gesetzt haben. Das ist konkurrenzfähig. Frankreich hingegen wollte mit wenigen Ausnahmen mit Low-Cost-Produkten punkten und hat deshalb verloren. Die französische Politik müsste also eigentlich eine neue Industriekette erfinden. Aber anstatt eine ehrliche Debatte zu führen, gerne auch im Austausch mit deutschen Politikern, ist der Merkozy-Wahlkampf bloße Show.

Das Interview führte Anna Reimann

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Seite 1
nachtkapp 07.02.2012
1. Xxx
Zitat von sysopAngela Merkel will Frankreichs Präsident Sarkozy zur Wiederwahl verhelfen. Der deutsch-französische Grünenpolitiker Daniel Cohn-Bendit kritisiert das im Interview: Die Merkozy-Kampagne sei nutzlos und unlogisch. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,813798,00.html
Seit wann mischen sich deutsche Politiker in ausländische Wahlkampfmachenschaften ein. Hier zeigt sich wieder vortrefflich der Größenwahn unserer Kanzlerin. Die fühlt sich anscheinend schon so, wie die Kaiserinnen im alten Ägypten, die auch dem Untergang geweiht waren. Stoppt endlich diese Wahnsinnige.
michael2273 07.02.2012
2. Einmischer
selbst mischt sich der französische grüne Alt-68er auch gern in Deuschland ein: Theorie und Praxis der "Strategie der Spannung" « Aron Sperber (http://aron2201sperber.wordpress.com/2012/01/24/strategie-der-spannung/) wenn es nix bringt und unlosch sei, warum regt er sich dann darüber auf?
vorschau 07.02.2012
3. Ein Schlaumeier.....
Zitat von sysopAngela Merkel will Frankreichs Präsident Sarkozy zur Wiederwahl verhelfen. Der deutsch-französische Grünenpolitiker Daniel Cohn-Bendit kritisiert das im Interview: Die Merkozy-Kampagne sei nutzlos und unlogisch. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,813798,00.html
der Herr Cohn-Bendit. In Frankreich gibt es Germanophobie und in Deutschland? Natürlich: Deutsche Überheblichkeit! Da ist ja wieder alles im Lot
duk2500 07.02.2012
4. durchsichtiges Theater
Das ist doch durchsichtiges Theater. Im letzten amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf haben sich die SPD und die Grünen vehement dafür ausgesprochen, ihrem damaligen Wunschkandidaten Obama eine Wahlkampfrede vor dem Brandenburger zu genehmigen. Wenn zwei das gleiche tun ist's nicht dasselbe oder wie?
joey55 07.02.2012
5. .
Zitat von nachtkappSeit wann mischen sich deutsche Politiker in ausländische Wahlkampfmachenschaften ein. Hier zeigt sich wieder vortrefflich der Größenwahn unserer Kanzlerin. Die fühlt sich anscheinend schon so, wie die Kaiserinnen im alten Ägypten, die auch dem Untergang geweiht waren. Stoppt endlich diese Wahnsinnige.
Kraft kündigte außerdem an, die SPD werde nun ihrerseits Wahlkampf für Hollande machen. Das sei in der "Familie der europäischen Sozialdemokratie * immer eine Selbstverständlichkeit" * gewesen, sagte die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin der "Rheinischen Post". Hollande liegt in Umfragen seit Monaten deutlich vor Sarkozy. Noch Fragen Nachtkapp?
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