Grünen-Politiker Nouripour "Frau Steinbach beschmutzt das Anliegen der Vertriebenen"

Der angekündigte Rückzug von Erika Steinbach aus der CDU-Spitze reicht nach Auffassung des grünen Bundestagsabgeordneten Omid Nouripour nicht. Im Interview mit SPIEGEL ONLINE erklärt der 35-Jährige, warum sie für ihn auch als Präsidentin des Bundes der Vertriebenen nicht mehr tragbar ist.

Vertriebenen-Präsidentin Steinbach: "Das Maß ist endgültig voll"
dapd

Vertriebenen-Präsidentin Steinbach: "Das Maß ist endgültig voll"


SPIEGEL ONLINE: Erika Steinbach hat die deutsche Schuld am Zweiten Weltkrieg in Frage gestellt. Ist sie als Menschenrechtspolitikerin noch tragbar?

Nouripour: Nein. Das Maß ist endgültig voll. Wer die Lehren der Geschichte nicht versteht, kann auch nicht glaubwürdig für die Menschenrechte sprechen. Aber mehr noch: Frau Steinbach ist auch als Vorsitzende des Vertriebenenverbands nicht länger tragbar. Das im Kern richtige Anliegen der Vertriebenen, auf das Unrecht der individuell erlittenen Vertreibung aufmerksam zu machen, beschmutzt sie mit ihren geschichtsverfälschenden Äußerungen.

SPIEGEL ONLINE: Werden Sie jetzt zum Fürsprecher der deutschen Vertriebenenverbände?

Nouripour: Mitnichten, zwischen den Ansichten vieler Verbandsfunktionäre und meiner Sicht liegen Welten. Deren Agenda ist gegen die europäische Versöhnung gerichtet. Sie profitieren davon, dass wir Linke das Unrecht an den Vertriebenen zum Tabu erklärt haben. Hier müssen wir ihnen das Wasser abgraben.

SPIEGEL ONLINE: Was heißt das konkret? In Tschechien wurde beispielsweise ein Massengrab mit Leichen von Sudetendeutschen entdeckt. Die Benes-Dekrete aus den vierziger Jahren garantieren den Tätern Straffreiheit. Muss Prag sie aufheben?

Nouripour: Das müssen unsere tschechischen Freunde selbst entscheiden, man darf sie dazu nicht drängen. Wichtig ist aber für uns zu sagen, dass die Benes-Dekrete und die Vertreibung der Deutschen Unrecht waren. Die deutsche Linke hat es bis heute nicht geschafft, diesen Satz auszusprechen.

SPIEGEL ONLINE: Warum hat die Linke das nicht längst verstanden?

Nouripour: Man wollte verständlicherweise die Verantwortung des Dritten Reichs für den Krieg und seine Folgen nicht relativieren. Natürlich liegt die Alleinverantwortung am Krieg bei den Deutschen. Das darf uns aber nicht daran hindern, individuell erlittenes Unrecht zu benennen.

SPIEGEL ONLINE: Sie sind selbst im Alter von 13 Jahren mit Ihrer Familie aus Iran geflüchtet. Haben Sie eine größere Sensibilität für Flucht und Vertreibung als Ihre Parteifreunde?

Nouripour: Dies ist wahrlich kein Privileg, sondern eine Verpflichtung, offen über das Thema zu sprechen.

SPIEGEL ONLINE: Die rot-grüne Bundesregierung hat vor zehn Jahren bei den Verhandlungen über den EU-Beitritt Tschechiens darauf verzichtet, die Aufhebung der Benes-Dekrete zu verlangen. War das ein Fehler?

Nouripour: Ohne den Beitritt Tschechiens wäre die Teilung Europas nicht überwunden worden. Es war deshalb richtig, die Verhandlungen nicht damit zu belasten.

SPIEGEL ONLINE: Hat Ihr Parteifreund Joschka Fischer nicht einen Fehler gemacht, als Außenminister über das Unrecht der Vertreibung hinwegzusehen?

Nouripour: Als Chefdiplomat hätte er das nicht tun können, ohne das Projekt der Aussöhnung zu gefährden. Er könnte das aber heute als historische Persönlichkeit der europäischen Linken tun. Unrecht muss man Unrecht nennen. Man kann es nicht vergessen machen, indem man es verschweigt.

Das Interview führte SPIEGEL-Redakteur Ralf Beste

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Seite 1
Schubbidubbidu, 11.09.2010
1. Grüner junge
Zitat von sysopDer angekündigte Rückzug von Erika Steinbach aus der CDU-Spitze reicht nach Auffassung des grünen Bundestagsabgeordneten Omid Nouripour nicht. Im Interview mit SPIEGEL ONLINE erklärt der 35-Jährige, warum sie für ihn auch als Präsidentin des Bundes der Vertriebenen nicht mehr tragbar ist. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,716889,00.html
Ich glaube, das sollten die vertriebenen und nicht der grüne junge entscheiden.
reinhard1972, 11.09.2010
2. Luschtig....
Zitat von sysopDer angekündigte Rückzug von Erika Steinbach aus der CDU-Spitze reicht nach Auffassung des grünen Bundestagsabgeordneten Omid Nouripour nicht. Im Interview mit SPIEGEL ONLINE erklärt der 35-Jährige, warum sie für ihn auch als Präsidentin des Bundes der Vertriebenen nicht mehr tragbar ist. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,716889,00.html
da äußert sich einer außerhalb des Steinbachschen Vereins wie ein Betroffener, dass Frau Steinbach diesen beschmutzt habe, und will ernst genommen werden... Hinsichtlich der Fakten sollte der Leser diese z.B. mit Hilfe von Wikipedia sachlich erarbeiten. Beste Grüße Wilhelm
SURE 11.09.2010
3. ..
Zitat von sysopDer angekündigte Rückzug von Erika Steinbach aus der CDU-Spitze reicht nach Auffassung des grünen Bundestagsabgeordneten Omid Nouripour nicht. Im Interview mit SPIEGEL ONLINE erklärt der 35-Jährige, warum sie für ihn auch als Präsidentin des Bundes der Vertriebenen nicht mehr tragbar ist. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,716889,00.html
Was für ein Schwachsinn, dieses polemisch geführte Interview. Im Parallel Thread schreibt Ihr Journalist folgenden Kommentar: Auch Tölg und Saenger hätten im Übrigen niemals die Verantwortung Deutschlands für den Zweiten Weltkrieg bestritten, sagt Steinbach. Sie werde beide Kandidaten "nachdrücklich" verteidigen - und zwar schon am Samstag, beim traditionellen "Tag der Heimat" des BdV in Berlin.
harrybr 11.09.2010
4. uff
Zitat von sysopDer angekündigte Rückzug von Erika Steinbach aus der CDU-Spitze reicht nach Auffassung des grünen Bundestagsabgeordneten Omid Nouripour nicht. Im Interview mit SPIEGEL ONLINE erklärt der 35-Jährige, warum sie für ihn auch als Präsidentin des Bundes der Vertriebenen nicht mehr tragbar ist. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,716889,00.html
der Nächste der fliegen lernt; nur ist der Migrant. Bin gespannt wie der das mit den Massengräbern übersteht.
EineStimme, 11.09.2010
5. Keine sachliche Debatte
Meine Frage ist, hat Polen tatsächlich teile seiner Armee bereits im März mobilisiert? Wenn ja, dann hat Frau Steinbach nur eine Tatsache ausgesprochen. Wenn nein, dann hat sie gelogen! Ich habe bisher nicht gehört, dass ihr vorgeworfen wurde, dass sie gelogen hat. Vielleicht darf man aber garnicht mehr die Wahrheit sagen, in unserer deutschen Politik.
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