Grünen-Vorsitz Ratzmann tritt gegen Özdemir an

Nun wird es tatsächlich ein Zweikampf: Für die Nachfolge des scheidenden Parteichefs Bütikofer tritt neben dem Europa-Abgeordneten Özdemir auch der Berliner Grünen-Politiker Ratzmann an. Gegenüber dem SPIEGEL kündigte er seine Kandidatur an - und warb um eine Öffnung der Grünen.


Hamburg/Berlin - Der Berliner Grünen-Politiker Volker Ratzmann wird für den Vorsitz seiner Partei kandidieren. Wie Ratzmann gegenüber dem SPIEGEL erklärte, habe er diesen Schritt in einem Brief dem Bundesvorstand der Grünen mitgeteilt: "Ich werfe meinen Hut in den Ring."

Grüne Özdemir, Ratzmann: Wer wird neuer Chef?
DDP

Grüne Özdemir, Ratzmann: Wer wird neuer Chef?

Er bewirbt sich um die Nachfolge von Parteichef Reinhard Bütikofer, der nach drei Amtsperioden auf eine Wiederwahl verzichtet und sich um einen Sitz im Europaparlament bewerben will. Seine Mit-Vorsitzende Claudia Roth will dagegen wieder antreten. Gewählt wird beim Bundesparteitag im November.

Der Rechtsanwalt und Fraktionschef der Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus sprach sich im SPIEGEL dafür aus, das Profil seiner Partei zu schärfen und sich "von der SPD zu lösen". Ratzmann warb für die Öffnung seiner Partei "in alle Richtungen". Die Grünen müssten "mit allen demokratischen Parteien sprechen".

Vor Ratzmann hatte bereits der Grüne Cem Özdemir seine Kandidatur angekündigt. Ratzmann begrüßt es, dass die Partei nun "tatsächlich Alternativen" habe und diskutieren könne. Er plädierte für gemeinsame Veranstaltungen mit Özdemir.

Die Grünen in Nordrhein-Westfalen begrüßten die Kandidatur Ratzmanns. "Mit Volker Ratzmann und Cem Özdemir haben wir zwei großartige Kandidaten für die Parteispitze", sagte Grünen-Landeschef Arndt Klocke in Düsseldorf. Beide verfügten über "politische Erfahrung und Frische". Die NRW-Grünen stellen als größter Landesverband beim Bundesparteitag rund ein Viertel der Delegierten.

Ratzmann ist seit 2003 Co-Fraktionsführer der Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus. Für ihn hat sich bereits die Grünen-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Renate Künast, stark gemacht. Er galt früher als Linker, zählt sich aber inzwischen wie Özdemir zu den Reformern bei den Grünen, die früher Realos genannt wurden.

Özdemir wird von jüngeren Landespolitikern der Grünen wie Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer, der Fraktionschefin im sächsischen Landtag, Antje Hermenau, ihrem hessischen Kollegen Tarek Al-Wazir und Hamburgs Umweltsenatorin Anja Hajduk unterstützt.

Özdemir war 1994 als erster Bundestagsabgeordneter türkischer Herkunft in den Bundestag eingezogen. Im Sommer 2002 zog er sich nach der privaten Nutzung von Vielflieger-Rabatten und einem zinsgünstigen Kredit von umgerechnet etwa 41.000 Euro des PR-Beraters Moritz Hunzinger zunächst aus der Politik zurück. Seit 2004 ist er außenpolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion im Europaparlament.

flo/dpa/AFP



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