Grüner Wahlkampf Joschkas fast friedliche Homepage

An diesem Donnerstag stellt Joschka Fischer in Berlin seine Wahlwerbung vor. Auf der Homepage von "Joschka.de" fehlt jedoch ein Bild aus den siebziger Jahren, auf dem Fischer auf einen Polizisten einschlug.

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Joschka Fischer: "Er hat gelacht und abgewinkt"
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Joschka Fischer: "Er hat gelacht und abgewinkt"

Berlin – Wenn an diesem Donnerstag die Homepage "Joschka.de" von den Grünen für den Wahlkampf nach einer Phase des Umbaus wieder freigegeben wird, suchen die Nutzer ein Bild vergeblich. Jene Szene vom 7. April 1973, in der der damalige Hausbesetzer und Politaktivist in Frankfurt auf einen Polizisten einprügelte.

Die Aufnahme, Teil einer Sequenz von Bildern des Fotografen Lutz Kleinhans, sollte eigentlich die Frankfurter Lebensgeschichte des Ex-Rebellen illustrieren. "Das wäre sehr schön gewesen", so Fischers Medienberater im Auswärtigen Amt, der frühere SPIEGEL-Redakteur Paul Lersch.

Doch der Fotograf Kleinhans verlangte für das Bild, über das der Außenminister vor zwei Jahren fast gestürzt wäre, eine "aberwitzige Summe" (Lersch): Eine Jahresnutzungsgebühr von 5000 Euro, alternativ bot Kleinhans für das halbe Jahr 3500 Euro an.

Das aber war den Grünen, die ihren Wahlkampf mit knapp bemessenen 2,5 Millionen Euro bestreiten müssen, zu viel. Doch um ganz sicher zu gehen, wurde der Außenminister höchstpersönlich konsultiert. Schließlich hatte Fischer darauf bestanden, dass auch die wilden Teile seines ohnehin an wilden Episoden reichen Lebens auf der Homepage vorkommen. Doch die Preisvorstellungen von Kleinhans, der sich im vergangenen Jahr in einer juristischen Auseinandersetzung mit der Journalistin Bettina Röhl vorläufig die Rechte an seinem Bild sicherte, gingen Fischer zu weit. "Als er die Summe erfuhr", erinnert sich Lersch, "hat Fischer laut gelacht und abgewinkt".



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