Grünes Profil Hamburg will Klimaschutzhauptstadt werden

Autofreie Sonntage, Energiesparen, Klimaforschung und neue Radwege: ein geheimer Senatsplan soll Hamburg zur Klimaschutzhauptstadt machen. Ein Trend über die Hansestadt hinaus: Bürgermeister Ole von Beust ist nicht der einzige Konservative, der sich als Christgrüner profilieren will.


In Verkehr, Wohnungsbau, Forschung und Wissenschaft plant der Senat der Hansestadt demnach Investitionen, um den CO2-Ausstoß zu verringern und die Energieeffizienz zu steigern. Das berichtet das "Hamburger Abendblatt" und zählt eine lange Liste von Energiesparmaßnahmen auf. Am spektakulärsten mutet dabei die Absicht an, vier autofreie Sonntage einzuführen. An diesen sollen die Hamburger kostenlos mit Bussen und Bahnen fahren können. Außerdem soll die zur Hansestadt gehörende Insel Neuwerk "möglichst vollständig auf regenerative Energien umgestellt werden", wie die Zeitung aus dem 80-seitigen Maßnahmenkatalog von Umweltsenator Axel Gedaschko (CDU) erfahren haben will.

Leere Autobahn (1973): Ole von Beust will nur freiwillige autofreie Sonntage
DPA

Leere Autobahn (1973): Ole von Beust will nur freiwillige autofreie Sonntage

Der Plan ist offenbar Chefsache und gehört zu einem Trend, den die CDU nicht nur in Hamburg, sondern auch in Berlin, Baden-Württemberg und anderswo beobachtet: Mit Ökothemen versuche sich gerade jene konservativen Politiker zu profilieren, die sich Hoffnungen auf eine politische Karriere im Bund machen.

Hamburgs erster Bürgermeister, Ole von Beust, habe extra seinen Urlaub unterbrochen, um die letzten Details des Plans festzuklopfen. Allerdings berichtet die Zeitung auch: Die Finanzierung des "ehrgeizigen Millionenprojekts" sei bislang noch weitgehend ungeklärt. So enthalte das Dokument an vielen Stellen noch den Hinweis "Textbaustein Haushalt wird ergänzt".

Offenbar plant der CDU-geführte Senat größere Investitionen in interdisziplinäre Vorhaben zur Klimaforschung, den Einsatz von Wasserstoff und Biotreibstoffen sowie zur Wärmegewinnung aus Abwässern. Neue Radwege sollen Bürger den Umstieg vom Auto erleichtern, bessere Ampelschaltungen den CO2-Ausstoß in der Stadt verringern. Hamburger Busfahrer, Polizisten, Feuerwehrleute und Senats-Chauffeure erhalten eine Fortbildung für umweltschonendes Fahrverhalten.

Klimapapier zu spät für "Live Earth"

Bei einem Punkt, über den das "Abendblatt" berichtet, dürften Hamburger Mieter besonders aufhorchen - und zwiegespalten reagieren. Wer Häuser und Wohnungen saniere, könne demnach dem Senatsplan zufolge mit mehr Fördergeld rechnen. Außerdem soll der Energiestandard einer Wohnung im Mietspiegel mitberücksichtigt werden: Je sanierter, desto teurer, bedeutet das. Die Stadt selbst plant offenbar die Renovierung von 30 Schulen mit besonders hohem Energieverbrauch bis zum Jahr 2012.

Ist an der Elbe grünes Fieber ausgebrochen? Ursprünglich, so heißt es, sei die Präsentation des Hamburger Maßnahmenkatalogs schon für den 7. Juli geplant gewesen. Damals hatte Hamburg sich in letzter Minute als kontinentaleuropäischer Veranstaltungsort in den Reigen der Klimaschutz-Konzertserie "Live Earth" eingereiht: Ein - teurer - Imagecoup für den Senat.

Schon damals habe von Beust die Parole "Klimaschutzhauptstadt" ausgeben wollen, so das "Abendblatt". Aber der Termin für die Präsentation sei immer wieder verschoben worden. Nun steht sie für Ende August bevor. Von Beust wird damit in den Senatswahlkampf ziehen. Meinungsumfragen prophezeien ihm derzeit, dass er einen kleinen Koalitionspartner brauchen wird - die FDP schwächelt, die Grünen sind in der Hansestadt traditionell stark - und grüne Themen sind kein Nischenprogramm mehr.

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