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17. März 2007, 10:34 Uhr

Guantanamo-Heimkehrer

Neuer Job für Murat Kurnaz

Ein halbes Jahr Arbeit für den langjährigen Guantanamo-Häftling: Die Stadt Bremen finanziert ein Sanierungsprojekt, für das Murat Kurnaz unter anderem Presseauswertung betreibt.

Hamburg - Der Deutschtürke Murat Kurnaz hat seit vergangener Woche einen Job in Deutschland. Kurnaz, der viereinhalb Jahre im US-Gefangenenlager Guantanamo gesessen hatte, arbeitet nach Informationen des SPIEGEL jetzt für ein von der Stadt Bremen finanziertes Projekt, das sich um die Sanierung und den Umbau des Bremer Problemviertels Tenever kümmert.

Murat Kurnaz: zuständig für Pressearbeit und Homepage des Bremer Viertels Tenever
AP

Murat Kurnaz: zuständig für Pressearbeit und Homepage des Bremer Viertels Tenever

Kurnaz, 25, hat eine Anstellung für ein halbes Jahr erhalten und ist für diese Zeit sozialversichert. 8400 Euro stellt der Bremer Senat für die Maßnahme zur Verfügung. Kurnaz soll eine "Pressedokumentation über Quartiersentwicklungsprozesse" erstellen und "relevante Quartiersentwicklungsthemen" in türkischer Sprache auf die Homepage von Tenever stellen.

Tenever ist ein Viertel am Rand von Bremen, das überwiegend von der Unterschicht bewohnt wird. 5500 Menschen wohnen hier, knapp die Hälfte lebt von staatlichen Sozialleistungen. Über zwei Drittel der Einwohner Tenevers kommt aus dem Ausland.

Kurnaz war im November 2001 in Pakistan festgenommen und den Amerikanern überstellt worden. Über Afghanistan wurde er nach Guantanamo gebracht und nach eigenen Angaben in der Gefangenschaft gefoltert. Er kam erst im Jahr 2006 frei. Der Fall wird derzeit von einem Bundestags-Ausschuss untersucht und bringt vor allem Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier politisch unter Druck.

Die Opposition wirft Steinmeier vor, er habe als Kanzleramtschef der früheren rot-grünen Regierung eine frühere Freilassung von Kurnaz aus dem US-Lager auf Kuba verhindert, obwohl dessen Unschuld klar gewesen sei.

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