Netzwerk in Deutschland Özdemir fordert mehr Transparenz von Gülen-Bewegung

Was ist das Ziel der Gülen-Bewegung? Die Organisation unterhält viele Einrichtungen in Deutschland. Grünen-Chef Özdemir fordert: Sie müsse besser über ihre "ideellen Absichten" informieren.

Cem Özdemir, Bundesvorsitzender der Grünen
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Cem Özdemir, Bundesvorsitzender der Grünen


Cem Özdemir hat die Bewegung des islamischen Predigers Fethullah Gülen aufgefordert, Auskunft über die Tätigkeit ihrer Organisationen und Vereine in Deutschland zu geben.

"Die Gülen-Bewegung muss selbst Klarheit schaffen, was sie eigentlich ist, eine islamisch-konservative Glaubensgemeinschaft, ein missionarisches Karrierenetzwerk oder eine islamistisch-politische und letztlich radikale Bewegung", sagte Özdemir der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" ("FAS").

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan macht den in den USA lebenden Fethullah Gülen für den Putschversuch Mitte Juli in der Türkei verantwortlich. Erdogan wirft Gülen vor, den Aufbau von Parallelstrukturen im Staat zu betreiben und damit seinen Sturz zu planen. Nach Angaben der türkischen Regierung wurden nach dem gescheiterten Umsturz mehr als 60.000 Staatsbedienstete suspendiert oder entlassen. Mehr als 13.000 Verdächtige sind in Untersuchungshaft.

"Mehr Transparenz über die ideellen Absichten"

Özdemir sagte, er befürchte keine Infiltration der deutschen Gesellschaft durch die Gülen-Bewegung: "Entscheidend ist zunächst, dass sich die Anhänger Gülens an die deutschen Gesetze halten. Doch auch dann braucht es mehr Transparenz über die ideellen Absichten."

Der integrationspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Bernhard Lasotta, äußerte sich der "FAS" gegenüber kritischer über die Gülen-Bewegung: "Nach meiner Erfahrung besteht die Gefahr, dass diese Leute sich auch in unseren Institutionen breitmachen, um unter dem Deckmantel der Integration ihre türkischstämmigen Mitmenschen in einer Parallelwelt zu halten, die an die Überlegenheit eines islamisch-osmanischen Machtbereiches über unsere freiheitlich-westlichen Werte glaubt."

Das "eigentliche Netzwerk" seien die strukturkonservativen islamischen Familien, die Unternehmer und akademischen Führungskräfte, die Lesekreise und die Wohngemeinschaften, so Lasotta. Ziel der Gülen-Bewegung sei es, durch eine gute formale Bildung akademische Kader heranzuziehen, um öffentliche Positionen in Staat, Verwaltung, Parteien und Gesellschaft zu besetzen.

mbö/dpa



insgesamt 96 Beiträge
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axel_roland 07.08.2016
1. Richtige Ansage zur richtigen Zeit
Endlich mal eine sachliche Förderung eines Politikers zur Causa Türkei: Leider ist die Berichterstattung oft sehr tendenziös. Mich würden Argumente der pro und contra Erdogan Lager interessieren, samt eines Dritten, möglichst objektiven Faktenchecks.
olicrom 07.08.2016
2. Der einen Punkt ist das Informieren...
... und der andere dann das "dran glauben" und verifuzieren dieser Informationen. Demokratie sollte gegenüber jeder religösen und ganz besonders religös-politischen Bewegung mit äußerster Skepsis zu Werke gehen. Dafür haben wir ja schließlich auch die entsprechenden Organe.
kurt.wehrli 07.08.2016
3. Her mit Panzern, und Recyclen
"Ziel der Gülen-Bewegung sei es, durch eine gute formale Bildung akademische Kader heranzuziehen, um öffentliche Positionen in Staat, Verwaltung, Parteien und Gesellschaft zu besetzen." Solche Invasions-Strategien haben kluge Leute schon vor Jahrzehnten prophezeit und in Aussicht gestellt, dass es im neuen Jahrtausend für Vaterlandsverteidigungen keine Feuerwaffen mehr braucht, sondern "Kriegsmittel" in den Bereichen (Des-)Information, Kommunikation, Massenmanipulation.
xiaoddid 07.08.2016
4. Transparenz
Es sollte Grundsätzlich so sein, das jede Nichtregierungsorganisation ihre Aktivitäten, Finanzierung, Organisationsstruktur und Satzung, für jedermann zum nachlesen im Internet öffentlich macht.
jeby 07.08.2016
5.
Die Gülen Bewegung ist eine Gruppe von radikalen Islamisten, die, wenn sie könnten, Schariarecht in Deutschland und überall sonst auf der Welt einführen würden. Mit ihren wirklichen Anhängern habe ich kein Mitleid, wenn Erdogan sie einbuchtet. Nicht das Erdogan einen Deut besser ist. Er ist auch ein widerlicher Islamist, der u.a. von Frauenrechten nichts hält.
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