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Klage gegen Google und Co: Der Kampf der Bettina Wulff

Foto: Rainer Jensen/ picture alliance / dpa

Erfolg für Ex-First-Lady Günther Jauch gibt im Streit mit Bettina Wulff nach

Günther Jauch hat sich verpflichtet, keine Gerüchte über Bettina Wulffs angebliche Rotlicht-Vergangenheit mehr zu verbreiten. Damit reagierte der Talkmaster binnen weniger Stunden auf die juristische Offensive der früheren First Lady. Geklagt hat sie auch gegen Google.

Hamburg - Im Kampf um die Deutungshoheit über ihr Privatleben kann Bettina Wulff nach Informationen des SPIEGEL einen weiteren Erfolg verbuchen. Nach "Berliner Zeitung", "Stern" sowie weiteren Medien und Bloggern hat nun auch ARD-Talker Günther Jauch über seinen Anwalt eingewilligt, Anspielungen über das angebliche Vorleben von Bettina Wulff nicht zu wiederholen.

Jauch hatte in seiner Sendung vom 18. Dezember in einer Frage einen Bericht der "Berliner Zeitung" erwähnt. Darin waren Gerüchte kolportiert worden, wonach die "Bild"-Zeitung eine Geschichte über das Vorleben Bettina Wulffs drucken könnte. Jauch ließ über seinen Anwalt Christian Schertz jetzt verlauten: "Ich habe niemals über Frau Wulff eine falsche Tatsachenbehauptung aufgestellt, sondern lediglich im Dezember vergangenen Jahres aus einem Artikel der 'Berliner Zeitung' zitiert und daraus eine entsprechende Frage an den stellvertretenden 'Bild'-Chefredakteur formuliert."

Wer daraus eine Herabsetzung von Frau Wulff konstruiere, liege daneben, so Jauch. "Da ich allerdings kein Interesse an einer Auseinandersetzung mit Frau Wulff habe, habe ich den Rechtsstreit beenden lassen, noch ehe mir die Klage von Frau Wulff überhaupt offiziell zugestellt wurde."

Jauchs Anwalt sagt, er habe daher, "um die Sache zu beenden", den Anwälten von Bettina Wulff geschrieben, dass "wir ohne Präjudiz den Anspruch anerkennen". Zu einem Gerichtstermin werde es nicht kommen.

Am Freitag hatte Wulff am Landgericht Hamburg Klage gegen Jauch und Google eingereicht. Im Falle Googles geht es um die Autocomplete-Funktion, die bei Eingabe von Bettina Wulffs Namen automatisch einschlägige Vokabeln hinzusetzt. Bei Google heißt es, man sehe keinen Anlass einzugreifen, da die Autocomplete-Funktion lediglich das Suchverhalten der deutschen Nutzer widerspiegle. Der Konzern hat ähnliche Fälle in Deutschland nach eigenen Angaben bisher stets juristisch für sich entschieden.

Gerüchte reichen zurück bis 2006

Bereits vor zwei Wochen hatte der SPIEGEL darüber berichtet, dass Bettina Wulff die Deutungshoheit über ihr Leben zurückgewinnen will, sowohl publizistisch als auch juristisch. Auf dem Höhepunkt der Affäre um Häuserdarlehen und gesponserte Reisen ihres Mannes hatten mehrere Blätter über ihre angebliche Rotlicht-Vergangenheit berichtet - und ohne jeden Beleg Spekulationen verbreitet. Auch über die Unterlassungserklärungen von "Berliner Zeitung" und "Stern" hatte der SPIEGEL damals berichtet. "Wir haben eingesehen, dass nicht haltbar ist, was wir geschrieben haben", sagt "Stern"-Chefredakteur Thomas Osterkorn. "Das hätte nicht passieren dürfen."

Nach Recherchen der "Süddeutschen Zeitung" ("SZ") haben CDU-Kreise in Hannover seit 2006 das Gerücht gestreut, Bettina Wulff habe früher angeblich im Rotlichtmilieu gearbeitet. Die Denunziation sollte offenbar vor allem Christian Wulff treffen, der damals noch CDU-Ministerpräsident in Niedersachsen war. Er hatte in der Partei demnach einige einflussreiche Feinde und auch außerhalb der Partei etliche Gegner.

"Bettina Wulff war mir egal", sagt laut "SZ" eine Bloggerin, die in regionalen FDP-Gremien sitzt, und das Gerücht zehn Tage vor der Präsidentenwahl im Juni 2010 mit auf den Weg gebracht hat. Im Internet breitete sich die Geschichte aus - und wurde von einigen Medien ernst genommen. Am Rande der Bundesversammlung Ende Juni 2010 in Berlin hatten CDU-Politiker Journalisten auf die Internet-Veröffentlichungen aufmerksam gemacht.

Die Kolportage über das angebliche Vorleben von Bettina Wulff lastete dann von Dezember 2011 an auch auf der Affäre ihres Mannes. Einflussreiche Kreise in Berlin schlossen nicht aus, dass an den Gerüchten etwas dran sein könne. Bettina Wulff hat sich als Präsidentengattin gegen die anonymen Gerüchte nicht öffentlich gewehrt. Offenkundig befürchtete sie, den Verleumdungen durch eine eigene Stellungnahme zu viel Gewicht zu geben. Seit Wulffs Abschied aus dem Präsidentenamt im Februar geht die frühere erste Frau der Republik juristisch vehement gegen den Rufmord vor. So hat sie zur Vorlage bei Gericht eine eidesstattliche Erklärung abgegeben, wonach alle Behauptungen über ihr angebliches Vorleben als Prostituierte oder als Escort-Dame falsch seien - ein bislang einmaliger Vorgang für eine frühere First Lady.

otr
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