Streit mit Ankara Auswärtiges Amt bestellt türkischen Botschafter ein

Guido Westerwelle ist erbost über Äußerungen des türkischen EU-Ministers Bagis, der die Kanzlerin scharf kritisiert hatte. Das Auswärtige Amt zitiert nun Ankaras Botschafter in Deutschland zum Rapport.
Türkischer Botschafter Karslioglu: Termin im Auswärtigen Amt

Türkischer Botschafter Karslioglu: Termin im Auswärtigen Amt

Foto: Marijan Murat/ dpa

Berlin - Die Äußerungen des türkischen EU-Ministers Egemen Bagis über Angela Merkel haben ein diplomatisches Nachspiel. Außenminister Guido Westerwelle lässt den türkischen Botschafter in der Bundesrepublik ins Auswärtige Amt einbestellen.

"Das geschieht am Freitagnachmittag um 13.30 Uhr", hieß es aus dem Umfeld des FDP-Ministers gegenüber SPIEGEL ONLINE. Der Außenminister wird den türkischen Botschafter Hüseyin Avni Karslioglu nicht persönlich empfangen. Westerwelle weilt am Freitag auf einem Kurzbesuch in der Ukraine.

Die Bundeskanzlerin hatte ihre Besorgnis über das Vorgehen der türkischen Sicherheitskräfte gegen die Demonstranten in Istanbul und anderen Städten ausgedrückt. Sie sei erschrocken über die "viel zu harten" Einsätze der Polizei, sagte Merkel.

EU entscheidet über Fortsetzung der Beitrittsgespräche

Erdogans EU-Minister Bagis ging diese Kritik zu weit: "Wenn Frau Merkel nach innenpolitischen Themen für ihren Wahlkampf sucht, dann sollte das nicht die Türkei sein", sagte er Journalisten am Donnerstag. Er ergänzte: "Wenn Frau Merkel sich die Angelegenheit anschauen wird, wird sie sehen, dass diejenigen, die sich in die Angelegenheiten der Türkei einmischen, kein vielverheißendes Ende nehmen."

"Westerwelle ist enttäuscht und verärgert über diese Sprache, die alles andere als europäisch ist", hieß aus dem Umfeld des deutschen Außenministers. Bereits am Donnerstagabend hatte der FDP-Politiker auf einer Veranstaltung des SPIEGEL in Hamburg gesagt, dies sei eine Sprache, die man miteinander nicht pflegen sollte. Das Entstehen einer Zivilgesellschaft solle die türkische Regierung "nicht fürchten", sondern sich darüber freuen - "erst recht, wenn man nach Europa will", so Westerwelle.

Kommende Woche will die Europäische Union entscheiden, ob bei den Beitrittsgesprächen mit der Türkei ein weiteres Kapitel eröffnet wird, das die Regionalpolitik der EU und die Verteilung von Fördermitteln regelt. "Diese Frage ist noch nicht entschieden", hieß es aus dem Umfeld Westerwelles.

Aus türkischen Diplomatenkreisen verlautete, sollte nicht wie geplant kommende Woche ein neues Beitrittskapitel eröffnet werden, wäre das ein schwerer Rückschlag für die Beziehungen zwischen Türkei und EU.

sev/syd
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