Außenpolitik Westerwelle sieht Kehrtwende bei Steinmeier

Ex-Außenminister Westerwelle äußert sich erstmals nach seiner Krebserkrankung im SPIEGEL zur aktuellen Krisenpolitik. Sein Prinzip der militärischen Zurückhaltung werde von seinem Amtsnachfolger Steinmeier nicht mehr bestritten, so der Liberale.

Ex-Außenminister Westerwelle (FDP) am 3. November in Köln im Gespräch mit dem SPIEGEL: "Europa ist noch nicht durch."
Dmitrij Leltschuk/ DER SPIEGEL

Ex-Außenminister Westerwelle (FDP) am 3. November in Köln im Gespräch mit dem SPIEGEL: "Europa ist noch nicht durch."


Der ehemalige Außenminister und FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle fühlt sich in seiner Politik der militärischen Zurückhaltung bestätigt. "Heute wird sie nicht mehr ernsthaft bestritten", sagte er dem SPIEGEL. (Lesen Sie hier das ganze Gespräch im neuen SPIEGEL.)

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Heft 46/2015
SPIEGEL-Gespräch mit Guido Westerwelle über den Kampf gegen seine Leukämie

Sein Nachfolger im Amt des Außenministers, Frank-Walter Steinmeier (SPD), und Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hatten nach ihrem Amtsantritt verkündet, Deutschland solle sich international stärker engagieren, notfalls auch militärisch.

Das sei jedoch nur eine "kurze Phase" gewesen, so Westerwelle. "Ich nehme mit einer gewissen Genugtuung zur Kenntnis, dass ich das von meinem Nachfolger so nicht mehr höre." Deutschland werde nicht dadurch stärker, wenn es häufiger militärisch interveniert. "Das war der große Irrtum der letzten 20 Jahre", sagte Westerwelle, der sich derzeit von einer akuten Leukämie erholt, die 2014 bei ihm festgestellt worden war. Westerwelle hatte erstmals nach seiner Erkrankung dem SPIEGEL ein ausführliches, vierstündiges Interview gegeben, in dem er offen über seine Angst vor dem Tod sprach und dem Willen, weiterzuleben.

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Ex-Außenminister: Westerwelle redet über den Krebs
Seine Krankheit, die Nähe zum Tod habe ihm noch einmal deutlich gemacht, wie genau Politiker sich militärische Einsätze überlegen müssten, sagte Westerwelle dem SPIEGEL.

Der Flüchtlingspolitik von Angela Merkel stimmt Westerwelle insgesamt zu, mit einer Einschränkung: "Die große Geste, die gesendet wurde, über die mag man streiten, zum Beispiel die berühmten Selfies, die nach Hause geschickt wurden." Auf die Europäische Union schaut der ehemalige Außenminister und frühere FDP-Chef mit Sorge: "Europa ist noch nicht durch. Alles, was man baut, kann auch zusammenfallen. Das gilt auch für Europa. Im Moment sehe ich vor allem Fliehkräfte."

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL-Magazin - am Kiosk erhältlich ab Samstagmorgen und immer freitags bei SPIEGEL+ sowie in der digitalen Heft-Ausgabe.

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Seite 1
ein-berliner 07.11.2015
1. Was soll das?
Geht es dem Westerwelle zu gut oder liegt es an der schreibenden Zunft? Dieser Mensch sollte sich zurückhalten und sich weiter pflegen.
Thorkoch 07.11.2015
2. Der Liberale?
Wieso wird Herr Westerwelle als "der Liberale" bezeichnet? Die FDP nimmt diesen Begriff nicht (mehr) für sich in Anspruch und Herrn Westerwelles politische Positionen sind dem politischen Liberalismus nicht schon deshalb zuzuordnen, weil etwa Steuersenkungen gefordert wurden / werden: Der politische Liberalismus steht für die Freiheit des Einzelnen. Das ist nicht automatisch gleichzusetzen mit einem armen oder schwachen Staat, weil der Staat auch freiheitssichernd zugunsten des Einzelnen tätig werden muss.
stefan.p1 07.11.2015
3. Da hat er recht!
Westerwelle`s Bilanz als Außenminister war ja wohl durchwachsen aber mit seinem "Nein" zur Beteiligung an den Libyen-Krieg hat er viel Weitsicht bewiesen.Es ist eine Schande das sich ein so inteligenter Mann wie Steinmeier vor dem Großmachts-Karren der Kanzlerin spannen läßt.
viceman260 07.11.2015
4. es ist schon seltsam,
wie krampfhaft man den w. und seine assipartei wieder in die schlagzeilen bringen will.
Karbonator 07.11.2015
5.
Zitat von ein-berlinerGeht es dem Westerwelle zu gut oder liegt es an der schreibenden Zunft? Dieser Mensch sollte sich zurückhalten und sich weiter pflegen.
Na, vermutlich werden Westerwelle und sein behandelnder Arzt bzw. seine Ärzte schon besser als wir wissen, wie gut es ihm geht und wie weit er wieder an die Öffentlichkeit gehen kann. Da am 10.11. sein Buch erscheint, ist es nachvollziehbar und auch relativ nötig, daß er sich etwas verstärkt in der Öffentlichkeit zeigt - die Leute sollen ja etwas davon mitbekommen. Das meine ich übrigens nicht wertend - vielleicht gönne ich mir das Buch sogar, auch wenn ich mit der FDP politisch natürlich nicht das Geringste anfangen kann.
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