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Diplomatenpass-Affäre Guinea-Bissau schließt Skandal-Botschaft in Berlin

Diplomatenausweise für Straftäter, dubiose Geschäftsleute als "Sonderberater": Nach diversen Affären legt Guinea-Bissau nach SPIEGEL-Informationen seine Vertretung in Deutschland still.
aus DER SPIEGEL 44/2020
Wappen an der Berliner Botschaft von Guinea-Bissau

Wappen an der Berliner Botschaft von Guinea-Bissau

Foto: Paul Langrock

Die Republik Guinea-Bissau hat ihre skandalumwitterte Botschaft in Berlin geschlossen, wie ein Sprecher des Auswärtigen Amts auf SPIEGEL-Anfrage bestätigte. Demnach befinde sich "kein akkreditiertes Botschaftspersonal Guinea-Bissaus mehr in Deutschland". Zu den Hintergründen der Schließung macht das Außenministerium keine Angaben.

Die Berliner ­Vertretung des westafrikanischen Staats steht im Zentrum einer Affäre um fragwürdige Diplomatenausweise für dubiose Geschäftsleute, darunter der vorbestrafte Betrüger Stephan Welk und der Pleiteunternehmer Andreas Brandl, der als diplomatischer "Sonderberater des Premierministers" von Guinea-Bissau auftrat und unter der Botschaftsanschrift zeitweise mehrere inzwischen insolvente Energiefirmen betrieb.

Als Brandl im Mai 2019 am Flughafen Frankfurt nach Deutschland einreiste, fand die Polizei bei seiner Begleiterin verdächtige Ausweisdokumente aus Guinea-Bissau, darunter einen Diplomatenpass, der auf einen per Haftbefehl gesuchten Schweizer  ausgestellt war.

Im Zusammenhang mit der Passaffäre ermittelt die Staatsanwaltschaft München inzwischen gegen sieben Beschuldigte.

Für Ärger sorgte auch der Fuhrpark der Botschaft. Laut Polizeiakten waren im vergangenen Jahr bis zu elf Diplomatenfahrzeuge auf die kleine Vertretung ­eingetragen, die wiederholt von Unbe­fugten gefahren wurden und durch ­Verstöße gegen die Straßenverkehrsordnung auffielen.

srö/wow
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