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16. November 2004, 22:04 Uhr

Gutachten

Wirtschaftsweise wollen Bürgerpauschale

In ihrem Jahresgutachten sprechen sich die Wirtschaftsweisen dafür aus, bei einer Reform von Kranken- und Pflegeversicherung Pauschalen für jeden Versicherten einzuführen - unabhängig vom Einkommen. Außerdem solle die Unterscheidung zwischen gesetzlichen und privaten Kassen aufgehoben werden, heißt es in dem Gutachten.

Berlin - Der Bericht des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung wird erst morgen offiziell an Kanzler Gerhard Schröder übergeben. Das Gutachten liegt der Nachrichtenagentur Reuters bereits in Auszügen vor. Darin heißt es weiter, dass ein steuerfinanzierter Sozialausgleich eingeführt werden solle.

Sowohl in der Kranken- wie auch in der Pflegeversicherung sei es möglich, ergänzend zum bisherigen Umlageverfahren auch Elemente der Kapitaldeckung einzuführen, schreiben die Wirtschaftsweisen. Für die Krankenversicherung wäre ein vollständiger Umstieg aber mit hohen Kosten verbunden. Als Alternativmodell zu Kopfpauschale und Bürgerversicherung stellt der Sachverständigenrat das Modell einer Bürgerpauschale zur Diskussion. Neben gesetzlich Versicherten würden auch Privatversicherte in das neue System einbezogen.

Die "Süddeutsche Zeitung" berichtet zudem unter Berufung auf das Gutachten, die Wirtschaftsweisen würden erwarten, dass ein einheitlicher Kassenbeitrag - wie ihn die Union favorisiert - in den nächsten Jahrzehnten massiv steige. So kalkulierten sie damit, dass sich der Beitrag bis 2030 beinahe verdoppeln und bis 2050 fast verdreifachen würde. Schon aufgrund der demographischen Entwicklung und wegen des medizinisch-technischen Fortschritts werde es wie im einkommensabhängigen System zu Beitragssteigerungen kommen

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