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11. Oktober 2012, 12:52 Uhr

Zu lange Fluchtwege

Gutachter bemängeln Brandschutzkonzept für Stuttgart 21

Die Bahn gerät wegen möglicher Mängel beim Brandschutz von Stuttgart 21 unter Druck: Der "Stuttgarter Zeitung" zufolge kommt ein Gutachten zu dem Ergebnis, dass "derzeit kein genehmigungsfähiges Konzept" vorliege - S21-Gegner sprechen bereits von einer "Rauchfalle".

Stuttgart - Das Brandschutzkonzept des umstrittenen Bahnhofsprojekts Stuttgart 21 weist offenbar eklatante Mängel auf. Ein von der Deutschen Bahn in Auftrag gegebenes Gutachten kritisiere, dass die Evakuierung des Tiefbahnhofs im Katastrophenfall viel zu lange dauere, berichtete die "Stuttgarter Zeitung". Auch die Fluchtwege seien zu lang und zu schmal. Zudem nehme das Konzept in Kauf, "dass flüchtende Personen kontaminierte Luft atmen".

Die Gutachter der Baseler Gruner AG kommen dem Bericht zufolge zu dem Schluss, "dass derzeit kein genehmigungsfähiges Konzept für Brandschutz, Sicherheit und Entrauchung vorliegt".

Stuttgarts scheidender Oberbürgermeister Wolfgang Schuster (CDU) sagte, der Brandschutz habe für die Stadt oberste Priorität. Hier gebe es keinen Spielraum, sagte Schuster den "Stuttgarter Nachrichten".

Der S21-Gegner Matthias von Herrmann sprach von einer "Rauchfalle" im geplanten unterirdischen Bahnhof. Ein vernünftiges Brandschutzkonzept sei mit der derzeitigen architektonischen Planung gar nicht vereinbar. Der Projektsprecher von Stuttgart 21, Wolfgang Dietrich, sagte der "Stuttgarter Zeitung", die Bahn bagatellisiere das Gutachten nicht. Es gebe aber auch "keinen Grund zum Dramatisieren".

hen/dpa/dapd

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