Guttenberg im Bundestag "Ich war offensichtlich überfordert"

Verteidigungsminister Guttenberg hat sich in der Affäre um seine Doktorarbeit erstmals den Fragen der Abgeordneten gestellt. Im Bundestag wies er Vorwürfe zurück, er habe vorsätzlich getäuscht. Erneut lehnte er einen Rücktritt ab - und bat seine Kritiker um mehr Verständnis.
Guttenberg am Mittwoch im Bundestag: "Offensichtlich überfordert"

Guttenberg am Mittwoch im Bundestag: "Offensichtlich überfordert"

Foto: Wolfgang Kumm/ dpa

Berlin - Um 14.10 Uhr trat Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg an das Rednerpult im gut gefüllten Plenarsaal: Erstmals bezog der CSU-Politiker in der Affäre um seine Doktorarbeit bei einer Fragestunde im Bundestag Stellung. Ernst und beherrscht beantwortete Guttenberg die Fragen mehrerer Abgeordneter. Wiederholt wurde er dabei von empörten Zwischenrufen unterbrochen, vereinzelt gab es Applaus.

Die Grünen-Abgeordneten Jürgen Trittin, Volker Beck und Krista Sager gehörten zu den ersten Fragestellern. Erneut räumte Guttenberg Fehler bei seiner Doktorarbeit ein und entschuldigte sich. Er habe offensichtlich eine "sehr fehlerhafte Doktorarbeit geschrieben" sagte er und fügte hinzu: "Dann kann ich nur sagen, dass das ein schlechtes Signal gewesen ist."

Kein Rücktritt

Guttenberg wurde schnell mit der Frage konfrontiert, ob seine anfängliche Erklärung, die Vorwürfe gegen ihn seien "abstrus", nicht vorschnell gewesen sei - Guttenberg hatte erst Tage, nachdem die ersten Vorwürfe lautgeworden waren, "gravierende Fehler" in seiner Arbeit eingestanden und erklärt, er wolle auf seinen Doktorgrad dauerhaft verzichten.

Guttenberg wies diese Kritik klar zurück. Dieser Teil seiner Erklärung sei weiterhin gültig, weil sie sich auf den Vorwurf bezogen hätten, die Arbeit sei ein Plagiat, sagte der Minister. Ein Plagiat setze aber voraus, dass man bewusst und vorsätzlich täusche. Er habe aber in allen Stellungnahmen deutlich gemacht, dass er weder bewusst noch vorsätzlich getäuscht habe.

An seinem Amt, so machte Guttenberg deutlich, wolle er weiter festhalten. Die Signale, die er als Minister auszusenden habe, orientierten sich am Aufgabengebiet des Bundesverteidigungsministers. "Und das sind Signale, die ich weiterhin mit dem Verantwortungsbewusstsein ausüben und ausfüllen will, wie ich das bisher getan habe", sagte Guttenberg

"Üble Nachrede"

Mehrfach kritisierte Guttenberg während seiner Erklärung im Bundestag seine Gegner, wenn auch nur in Nebensätzen: "Ich war sicher so hochmütig zu glauben, dass mir die Quadratur des Kreises gelingt", sagte Guttenberg. Er habe seinen Aufgaben als Politiker und junger Familienvater mit den Herausforderungen einer Doktorarbeit vereinbaren wollen. "Ich war offensichtlich damit überfordert." Dies sei aber "kein Grund, dass man hämisch übereinander herfällt", sagte Guttenberg und bat um Verständnis. Zudem komme die Kritik gegen ihn "ganz schnell in den Bereich der üblen Nachrede", sagte er an anderer Stelle, "das wollen sie sicherlich auch nicht."

Guttenberg bestritt zugleich, den wissenschaftlichen Dienst des Bundestags zum Erstellen seiner Arbeit ausgenutzt zu haben. Er habe sich von den Mitarbeitern dieses Services für Mandatsträger Texte für seine Tätigkeit als Abgeordneter erstellen lassen, die er für vielerlei Anlässe, etwa Reisen und Vorträge, genutzt habe. Anschließend habe er die Texte auch in seine Dissertation aufgenommen, dies aber auch als Primärquelle so angegeben.

Der Politiker wies Vorwürfe zurück, er habe die Verwendung des wissenschaftlichen Dienstes verschleiern wollen. "Der Mandatsbezug war ganz klar gegeben bei diesen Ausarbeitungen, die ich angefordert habe." Der Nutzen für die Dissertation habe sich erst später ergeben. Es seien ihm aber an zwei Stellen bei Fußnoten Fehler unterlaufen.

Auf die Frage nach möglicher Hilfe oder einem sogenannten Ghostwriter betonte der Minister, er habe mehrfach gesagt, dass er die Arbeit persönlich geschrieben habe. Davon werde er nicht abrücken.

Der Nachrichtenagentur AFP zufolge wird die Universität Bayreuth Guttenberg womöglich bereits noch im Laufe des Tages den Doktortitel aberkennen. Der Verteidigungsminister wird in einer für 15.40 Uhr angesetzten Aktuellen Stunde im Bundestag erneut das Wort zur Plagiatsaffäre ergreifen.

amz/dpa/AFP
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.