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Kurzbesuch: Guttenberg in Afghanistan

Foto: DPA/ Bundeswehr

Guttenberg in Afghanistan Auszeit im Außenposten

In der Heimat tobt die Plagiatsdebatte, aber davon ließ sich Verteidigungsminister Guttenberg nicht an einem Afghanistan-Trip hindern. Auf dem gefährlichen Bundeswehr-Außenposten sprach er die halbe Nacht  mit den Soldaten - aber schon bald wird er sich an der Heimatfront verteidigen müssen.

Karl-Theodor zu Guttenberg

Plagiatsvorwürfen

Berlin/Kunduz - Bei den Soldaten in Nordafghanistan war Verteidigungsminister vor unangenehmen Fragen zu sicher. Mitten in der Nacht, es war gegen 23.30 Uhr Ortszeit, landete der in Deutschland in der Kritik stehende Minister am Mittwochabend mit einem Hubschrauber auf einem Außenposten der Bundeswehr nahe der Stadt Baghlan, im Jargon der Nato-Truppen kurz "OP North" getauft.

Von Doktorarbeiten und möglichen Schummeleien Guttenbergs wusste hier fast noch niemand etwas. Deutschland ist für die Bundeswehr auf dem Außenposten weit weg, nur sporadisch bekommen die Einheiten Nachrichten aus der Heimat. Sie haben andere Sorgen, stehen an vorderster Front im Kampf gegen die Taliban.

Und so ging es beim Blitzbesuch, den Guttenberg schon seit rund zwei Wochen auf dem Terminkalender hat, dann nicht um ihn, sondern um die Soldaten. Es sind die robustesten Kämpfer der Bundeswehr, in Deutschland etwas sperrig Ausbildungs- und Schutzbatallion getauft. In Afghanistan nennen sich die beiden Einheiten aus Kunduz und Masar-i-Scharif wie alle Kampftruppen der Nato zackiger "Task Force Kunduz".

Es ist eine eingeschworene Truppe, die im Feindesland stationiert ist. Stundenlange Kämpfe, das gezielte Jagen des Feinds und auch das Töten gehören für die meist junge Soldaten zum Einsatz dazu. Guttenberg hatte die Kämpfer schon einmal besucht, nun wollte er eine Nacht in dem Außenposten verbringen - eine riskante Ministerreise mitten ins Kampfgebiet der Bundeswehr.

Keine lästigen Fragen

Für Guttenberg, von den Vorwürfen gegen ihn erkennbar genervt, war es eine kurze Auszeit. Nur einer der Herausgeber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" begleitete ihn nach Afghanistan. Die üblichen Kamerateams oder Journalisten durften diesmal nicht dabei sein, eine Premiere für den Medienstar Guttenberg.

Schon während er in Berlin am Mittwochvormittag noch im Kabinett saß, hatte ihm sein Stab immer neue Meldungen über angeblich abgekupferte und abgeschriebene Passagen aus seiner Jura-Doktorarbeit geschickt. Ein medialer Sturm hatte langsam Fahrt aufgenommen. Richtig entbrannte er erst, als der Minister bereits auf dem Weg nach Afghanistan war. Unter den Soldaten gilt er dennoch weiter als Star. Trotz der späten Stunde wurde der Minister freundlich empfangen. Für die Soldaten, das sagen sie immer wieder, ist der Minister der beste Dienstherr, den sie bisher hatten.

Gleichwohl war der Besuch kein Spaziergang. Während des nächtlichen Besuchs traf Guttenberg einen Teil seiner Truppe, der in den letzten Wochen regelmäßig negative Schlagzeilen produzierte und ihn zumindest kurzfristig mehrmals in Verlegenheit brachte. Vor allem wegen der unzureichenden Information des Parlaments über einen tödlichen Schießunfall zwischen zwei Soldaten war Guttenberg von der Opposition scharf kritisiert worden.

Mitte Dezember hatte ein Hauptgefreiter einen Kameraden beim fahrlässigen Hantieren mit den Dienstpistolen aus nächster Nähe in den Kopf geschossen und getötet. Später stellte sich heraus, dass es innerhalb der Einheit schon mehrfach zu Spielereien mit den Dienstwaffen gekommen war. Teilweise fotografierten sich die Soldaten sogar während sie sich die Waffen gegenseitig an den Kopf hielten.

Minister Guttenberg stand in der Kritik, weil der Bundestag über den Hintergrund des tödlichen Schusses erst sehr spät informiert worden war. Zunächst war stets von einem Unfall beim Reinigen der Waffen die Rede. Bis heute wird ausgeschlossen, dass der Hauptgefreite absichtlich auf seinen Kameraden, mit dem er befreundet war, geschossen hat. Gleichwohl erregte sich vor allem der Verteidigungsausschuss, dass er erst Wochen später Details über den Todesfall bekommen hatte.

Zurück in die Plagiatsdebatte

Auf dem Außenposten traf Guttenberg bei einer offenen Gesprächsrunde auch mehrere Soldaten aus dem betroffenen Zug, die über die tragische Nacht berichteten. Der Minister, das jedenfalls sagen die Soldaten in Baghlan, habe ihnen zugesagt, dass er sich gegen jede Vorverurteilung stemmen werden, das "verzerrte Bild" von den Zuständen in Baghlan wolle er höchstpersönlich korrigieren. Mittlerweile ermittelt die Staatsanwaltschaft Gera gegen den Schützen, eine Anklage wegen fahrlässiger Tötung scheint wahrscheinlich.

Bis in den frühen Morgen nahm sich Guttenberg für die Truppe auf dem "OP North" Zeit, mehrmals setzte er sich mit kleineren Gruppen seiner Männer zusammen, wollte von ihnen selber hören, was nicht gut gelaufen ist in ihrer Dienstzeit in Afghanistan. Wie so oft betonte er, dass sie sich jederzeit an ihn wenden könnten - am besten bevor man später möglicherweise lästige Eingaben an den Wehrbeauftragten absendet.

Am frühen Morgen ging der Trip im Turbo-Tempo weiter. Für einige Stunden besuchte der Minister einen weiteren Außenposten, diesmal in der Nähe von Kunduz. Anschließend stand noch eine kurze Visite im Feldlager auf dem Programm, dann ging es schon wieder zurück nach Deutschland.

Dort angekommen wird sich der Minister nach rund sieben Stunden Flug wieder der derzeit harschen Realität stellen müssen. Am Abend soll er auf einer Wahlkampfveranstaltung in Barleben in Sachsen-Anhalt auftreten - und wird von den Medien erwartet, die er in Afghanistan nicht dabei haben wollte.

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