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Guttenbergs Familienalbum: Blond in den Bergen

Foto: Fackelträger-Verlag

Guttenberg privat Ministerchen mit Maikäfer

Kein deutscher Politiker beherrscht die Kunst der Selbstinszenierung so perfekt wie Karl-Theodor zu Guttenberg. Nun bekommt der Verteidigungsminister auch noch Schützenhilfe: Eine Biografie zeichnet ein idealisiertes Bild des CSU-Politikers - inklusive Schnappschüssen aus der Jugend.

Karl-Theodor zu Guttenberg

Berlin - Der Verteidigungsminister mischt den Boulevard auf, wieder mal: Im Interview mit der Illustrierten "Bunte" weist , Umfragen zufolge der Deutschen liebster Politiker, mal wieder Spekulationen über eine bevorstehende Kanzlerschaft zurück. "Das ist ja blanker Hohn jetzt", verkündet er. "Völliger Unsinn."

Allen Dementis zum Trotz ist eines klar: Nach dem Abgang von Roland Koch, dem aller Wahrscheinlichkeit nach bevorstehenden Wechsel von Christian Wulff ins Schloss Bellevue und Jürgen Rüttgers' Wahlschlappe haben die Unionsparteien nicht mehr viele Kandidaten mit Kanzlerformat, die dereinst Amtsinhaberin Angela Merkel beerben könnten. Der 38-jährige Guttenberg hat gute Chancen, endlich einmal wieder für die CSU die Kanzlerkandidatur zu beanspruchen.

Da hilft es natürlich, dass gerade jetzt die befreundete "Bild"-Journalistin Anna von Bayern eine nette, aber unkritische Lebensgeschichte Guttenbergs veröffentlicht - die sie selbst nicht als "politische Biografie" verstanden wissen will. Bei Guttenberg selbst sei ihr Buchprojekt "auf wenig Begeisterung" gestoßen.

Auch so bleibt viel Raum für demonstrativ zur Schau getragene Bescheidenheit: "Er hat eine Wette laufen, wer die nächsten Kanzlerkandidaten sein werden", schreibt sie in ihrem gerade erschienenen Buch "Karl-Theodor zu Guttenberg - Aristokrat, Politstar, Minister". "Und sein Name ist nicht darunter."

Wer's glaubt.

Immerhin hat Guttenberg für die Biografin sein privates Fotoarchiv geöffnet (siehe Fotostrecke oben). Da sieht man also den siebenjährigen Karl-Theodor Ende der siebziger Jahre mit putziger Frisur und Maikäfer auf den Fingern. Und den Zehnjährigen während einer Wandertour. Und den Elfjährigen mit einem Papagei, den er zu Weihnachten geschenkt bekam. Dem Vogel war dann allerdings kein langes Leben vergönnt, das Tier fiel dem Familienhund zum Opfer.

Schmeichelhaft statt kritisch

"Was steckt hinter dem Popstar der deutschen Politik?", möchte die adelige Chronistin mit ihrem Buch klären. In der Tat wäre das eine interessante Frage - die aber leider nicht wirklich erschöpfend beantwortet wird. Anna von Bayerns Ausführungen sind stets schmeichelhaft für Guttenberg. Sie müht sich, das Bild eines politischen Überfliegers mit Bodenhaftung zu zeichnen.

Eine Vita wie aus dem Bilderbuch.

Da gibt es die Geschichte von der Berliner Techno-Disco. Guttenberg, gerade zwei Monate CSU-Generalsekretär, ist in Partylaune. Doch in der Schlange vor dem gepiercten Türsteher fällt er auf: "Hinter uns zwei Mädels, von denen das eine ein Transvestit sein könnte. 'Kein typisches CSU-Publikum', stellt KT fest."

Natürlich darf auch die Kennenlern-Szene zwischen Guttenberg und seiner späteren Frau Stephanie von Bismarck-Schönhausen, des Reichskanzlers Bismarck Ururenkelin, nicht fehlen: "Er hält sie für ein Partygirl, und Partymenschen schätzt er nicht sonderlich. Sie hält ihn mit seinen gegelten Haaren für einen überheblichen Schnösel. Er spricht sie an."

Und falls der eine oder andere Bundesbürger sich fragen sollte, wie es im Hause Guttenberg zugeht, weiß Anna von Bayern auch da Bescheid: Guttenberg putze seine "stets blitzblanken Schuhe" selbst. Außerdem helfe er in der Küche. "Oft setzt er sich danach gleich nebenan an den schwarzen Flügel und spielt Klavier - zum Abreagieren Boogie-Woogie, zum Auftanken Mozart und manchmal auch Bruce Springsteen." Auch von seiner "Liebe zur Prosa" berichtet die Autorin. Von Hemingway und Dostojewski. Und von einem fiktiven Dialog zwischen dem bayerischen König Ludwig und Johann Sebastian Bach, den der junge Guttenberg einst seinem Vater, dem Komponisten Enoch zu Guttenberg, zum 50. Geburtstag schrieb. Rührend.

"Keine große Lust mich zu ändern"

Und politisch so? Guttenberg trat erst relativ spät in die CSU ein, da war er schon 28 Jahre alt. In seiner Schulzeit soll er kurzzeitig mit den Freien Wählern sympathisiert haben, das mag die frühe politische Unabhängigkeit illustrieren. So sieht sich Guttenberg jedenfalls selbst gern. Er nehme in Kauf, auch mal anzuecken, "indem ich unbequeme Wahrheiten ausspreche", sagte der Minister der "Bunten". Und er habe "keine große Lust mich zu ändern". Dabei helfe ihm auch seine Frau Stephanie, die "ein wunderbares Korrektiv und ein herrlich kritischer Mensch" sei.

Klingt charmant, da will man mehr wissen. Zum Beispiel durch eine richtige, politische Guttenberg-Biografie.

Anna von Bayern: Karl-Theodor zu Guttenberg. Aristokrat, Politstar, Minister. Köln 2010, Fackelträger-Verlag. 19,95 Euro.

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